19.09.2018, 08:02 Uhr

Wirtschaft Maschinenfabrik Reinhausen plant harte Schnitte


Die Geschäftsführung legt der Belegschaft eine Streichliste mit 20 Punkten vor. Die Gewerkschaft ist entsetzt. Am heutigen Mittwoch trifft man sich zu Verhandlungen.

REGENSBURG Harte Einschnitte sind bei der Maschinenfabrik Reinhausen geplant. Wie das Wochenblatt aus Gewerkschaftskreisen erfuhr, hat die Geschäftsleitung unter dem Geschäftsführer Nicolas Maier-Scheubeck einen 20-Punkte-Plan vorgelegt. Demnach droht das Unternehmen mit dem Ausstieg aus dem Arbeitgeberverband, wenn Gewerkschaft und die Belegschaft nicht auf den Sparkurs einschwenken. Am vergangenen Mittwoch fand, 12. September, lud die IG Metall zu einer Mitgliederversammlung in die Arberhütte in Reinhausen ein. Die Gewerkschaft schlägt jedenfalls Alarm: „In der letzten Betriebsversammlung der MR hat die Geschäftsleitung bereits tiefe Einschnitte in eure Arbeitsbedingungen angekündigt“, heißt es in dem Schreiben der IG Metall, das uns vorliegt. „Mittlerweile liegt uns ein umfangreiches Forderungspaket vor“, heißt es weiter.

Demnach sollen die Mitarbeiter folgende Kröten schlucken:

- kein tarifliches Zusatzgeld und damit auch keine Wahlmöglichkeiten von freien Tagen in 2019

- die Abschaffung übertariflicher Entgeltbestandteile, zum Beispiel den „Verhaltensbonus“

- eine massive Ausweitung der 40-Stunden-Woche.

Teilnehmer der Versammlung beschrieben uns allerdings, dass noch weitere Punkte auf der Liste der Geschäftsleitung stehen: So sollen für die Schichten zwischen 20 und 22 Uhr keine Sonderzahlungen mehr geleistet, Urlaubsgeld und Gewinnbeteiligungen sollen gestutzt werden. Zudem möchte man 95 Mitarbeiter des Materialwirtschaftszentrums outsourcen.

Betriebsratsvorsitzende Petra Gold, die bei der Versammlung dabei war, wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung nicht äußern. Man habe am Mittwoch, 19. September, eine erste Verhandlungsrunde mit der Geschäftsleitung, wolle zunächst ausloten, was dem Unternehmen wirklich wichtig ist. „Bis dahin sage ich: Kein Kommentar“, so Gold.

Angeblich für Erweiterung keine Baufirma gefunden

Die IG Metall hat jedenfalls letzte Woche von ihren Mitgliedern das „Go“ für eine Verhandlung mit der Geschäftsleitung bekommen. Olga Redda, zweite Bevollmächtigte der IG Metall, sagte dem Wochenblatt: „MR ist ein gesunder Konzern, argumentiert wird jetzt mit der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Regensburg“, so Redda. Man werde sich die Argumente am heutigen Mittwoch genau anhören, so Redda weiter.

Erst kürzlich sorgte die MR für Schlagzeilen, weil sie die ursprünglich geplante Erweiterung des Haslbacher Werks nun doch nicht umsetzte. Die angeblich angespannte Lage im Baugewerbe sei der Grund dafür, hieß es damals – publik gemacht hatte die Sache allerdings die Stadt Regensburg, weil eine für die Erweiterung benötigte Straße nun doch nicht gebaut wird. Die jetzt bekannt gewordene Entwicklung wirft ein fahles Licht auf die damalige Aussage, die Auftragslage im Baugewerbe sei schuld.

MR ist ein Global Player, produziert Hightech-Schalter, die für die Stromversorgung und ein stabiles Stromnetz bei Spitzenverbrauchen wichtig sind. Deutsche Ingenieurstechnik also, die gerade am Standort Regensburg Wohlstand und sichere Arbeitsplätze geschaffen hat. Beide Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen waren am Dienstag auf Dienstreise und für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar. Der Sprecher des Unternehmens hat angekündigt, nach der ersten Verhandlungsrunde ein Statement abzugeben.