19.09.2018, 08:30 Uhr

Elektroautos Tesla und das Silicon Valley im Landkreis Regensburg

In Neutraubling entwickeln etwa 100 Mitarbeiter Batterien für Tesla. Und das alles bislang fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit, aber nur wenige hundert Meter von BMW entfernt. Foto: ceIn Neutraubling entwickeln etwa 100 Mitarbeiter Batterien für Tesla. Und das alles bislang fast unter Ausschluß der Öffentlichkeit, aber nur wenige hundert Meter von BMW entfernt. Foto: ce

Bayern wirft seinen Hut in den Ring um eine neue Tesla-Fabrik in Deutschland. Was wenige wissen: Es gibt bereits ein Tesla-Entwicklungswerk im Landkreis Regensburg, nämlich in Neutraubling.

NEUTRAUBLING/SILICON VALLE Eigentlich hat Elon Musk gerade andere Probleme. Der 47-jährige Herrscher über das Tesla-Imperium wird vor die US-amerikanische Börsenaufsicht zitiert. Musk hatte über seinen Twitter-Account angekündigt, er werde das Unternehmen von der Börse nehmen, das Kapital dafür habe er. Der Börsenkurs explodierte, jetzt gehen die Finanzfahnder dem Verdacht nach, Musk habe Twitter als Manipulator benutzt. Nichts, was man in den USA nicht auch vom Präsidenten kennen würde.

Viele tausend Meilen vom Silicon Valley entfernt spürt man nichts von dem Wirtschaftskrimi, der sich gerade um die Firma Tesla rankt. Im Gegenteil: Weitgehend ohne öffentliches Aufsehen werkeln hier etwa 100 Mitarbeiter an der Zukunft der Elektro-Autos, ja möglicherweise an der Zukunft der Mobilität an und für sich. Und, das ist bemerkenswert: Luftlinie gerade einmal zwei Kilometer entfernt vom BMW-Werk Harting mit seinen 9.000 Stamm-Mitarbeitern steht das Werk der Firma Grohmann.

Hier, in Neutraubling bei Regensburg, entwickelt Tesla die Zukunft der Batterie, nach wie vor das Herzstück jedes Elektroautos. Denn umso besser die Batterien in den Fahrzeugen, die Tesla produziert, umso weiter fahren die surrenden Flitzer. Dass Tesla hier die Finger im Spiel hat, hat man kaum bemerkt – kein Wunder, das Tesla-Schild hängt noch gar nicht so lange an der Außenfassade. Das Unternehmen Grohmann Engineering mit Hauptsitz in Prüm in der Eifel war seit seiner Gründung 1983 eigenständig, doch Anfang 2017 lieferte sich Elon Musk eine Übernahmeschlacht um das innovative Unternehmen. Musk brauchte für die Entwicklung des Models 3 seiner Marke dringend Hilfe in Sachen Batterien – die Produktion lahmt nämlich genau beim wichtigsten Bestandteil des Fahrzeugs. Bis Juni 2018 wurden bislang 35.000 Tesla Model 3 produziert – das sind allerdings nur zehn Prozent der Bestellungen, die vorliegen. Ohne das Know How aus Neutraubling wäre das wohl kaum möglich gewesen. Weil Musk aber bei der Übernahme 2017 forderte, dass Grohmann ausschließlich an Tesla und nicht mehr an frühere Kunden wie Mercedes und BMW lieferte, verließ der Firmengründer das Unternehmen. Heute steht nicht nur Tesla auf der Werkshalle in Neutraubling drauf – es ist auch 100 Prozent Tesla drin.

Bayerische Politiker indes sind elektrisiert, wenn sie den Namen Tesla im Zusammenhang mit dem Standort in Neutraubling hören. Denn das Unternehmen hat angekündigt, in Deutschland eine „Gigafactory“ bauen zu wollen. Doch man hat Konkurrenz: Auch das Saarland hat bereits die Fühler ausgestreckt, auch Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wollen den Zuschlag.

Das Ministerium ist im guten Austausch mit Tesla

„Selbstverständlich ist das Wirtschaftsministerium mit dem Unternehmen in einem guten Austausch“, erklärte beispielsweise ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Mainz im Juni, als Elon Musk seine Expansionspläne für Europa verkündete – auf Twitter übrigens. Lange dauerte es nicht, bis auch Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer den roten Teppich für die Amerikaner ausrollte: Pschierer nannte zunächst Hof als Standort für eine solche Fabrik. Wir haben nachgefragt in München, ob denn bereits bekannt sei, dass Tesla schon ein Werk in Bayern hat – dort zeigt man sich durchaus begeistert davon, auch diesen Standort ins Gespräch zu bringen. „Der Standort der Firma Grohmann in Neutraubling ist uns bekannt. In dieser noch sehr frühen Phase einer möglichen Standortsuche für ein neues Teslawerk in Deutschland, wollen wir mit dem möglichen Standort Hof zunächst unser Interesse bekunden, um überhaupt als Bundesland an einem weiteren Auswahlprozess teilnehmen zu können“, teilt ein Sprecher des bayerischen Wirtschaftsministeriums mit. Pschierer werde bei seinen Gesprächen mit Tesla-Vertretern „die Maschinenbau-, Material und Automobilkompetenz in Bayern“ hervorheben – „alles Kompetenzen die Tesla braucht und die vor allem auch in Nordbayern stark vertreten sind. Andere bayerische Standorte werden im Rahmen der weiteren Standortsuche selbstverständlich auch erwogen, wenn wir es in den engeren Auswahlprozess schaffen“, so der Sprecher weiter.

Für den Auto-Standort in der Oberpfalz ist das Tesla-Werk in Neutraubling indes jetzt schon ein Segen. Immer wieder sucht man hochqualifizierte Mitarbeiter – vor allem Konstrukteure, aber auch Programmierer.

Zumal wiederum wenige Kilometer entfernt das Areal liegt, das als Standort für das Teilelager von BMW ins Auge gefasst wurde – den Zuschlag erhielt allerdings 2016 das niederbayerische Wallersdorf. Und doch: Die Relationen werden angesichts des Hypes über eine Marke wie Tesla manchmal aus den Augen verloren. Während bei Tesla in Neutraubling etwa 100 Mitarbeiter an der Zukunft des Elektroautos schrauben, werden allein 1.000 Zeitarbeitsverträge bei BMW nicht mehr verlängert. Weil das Werk die Nachtschichten wegen der hohen Nachfrage des BMW X1 und des neuen SUV-Coupés X2 zunächst eingeführt und jetzt wieder abgeschafft hat, sind zahlreiche qualifizierte Arbeitnehmer wohl bald ohne Arbeitsplatz bei BMW. Tesla ist also nach wie vor ein Winz-Arbeitgeber in Bayern, verglichen mit BMW oder Audi in Ingolstadt. Doch das könnte sich schnell ändern, wenn Elon Musk einem Tweet Taten folgen lässt und eine neue „Gigafactory“ baut.