29.08.2018, 08:57 Uhr

Kommentar Die Katastrophe(n) von Chemnitz – „Denk ich an Deutschland in der Nacht ...“


Ein Kommentar zu der Bluttat von Chemnitz - und was ihr folgte, der Zusammenrottung des Bodensatzes unserer Gesellschaft.

REGENSBURG/CHEMNITZ Die Bilder aus Chemnitz schockieren. Ein rassistischer Mob macht Jagd auf ausländisch aussehende Menschen, schreit „Wir sind das Volk“ und manche zeigen offen den Hitler-Gruß. Auf der Straße in dieser Plattenstadt im Osten der Republik zeigt sich die Fratze des hässlichen Deutschlands. Vorangegangen ist eine ebenso unfassbare Tat: Ein junger Familienvater, 35, wird am Rande eines Festes erstochen. Zwei Asylbewerber sollen die Täter sein.

„Denk ich an Deutschland in der Nacht“, dichtete einst Heinrich Heine, „dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Mitten in diesem Mob müssen sich Polizisten, die unseren Staat vertreten, gegen Flaschen- und Steinwürfe schützen. „Wir sind das Volk“ schreien die einen, „Weg mit dem Volk“ schreien die anderen. Dabei sind die Einzigen, die hier das Volk vertreten, die Menschen in Uniform. Und die haben langsam das Gefühl, dass keiner mehr hinter ihnen steht!

Da werden junge Beamte als „Pegizisten“ verunglimpft, weil sie sich von einem Hampelmann im schwarzrotgoldnen Schlapphut dazu bringen lassen, ein Journalisten-Team zu kontrollieren. Dabei steht die Pressefreiheit nicht auf dem Spiel, wenn man seinen Presseausweis vorzeigen muss. Die steht aber auf dem Spiel, wenn nicht mehr berichtet wird, „was ist“, sondern was ideologisch sein soll. Wer mit Polizisten hier in Regensburg spricht, der staunt Bauklötze!

Die Einsatzdichte vor und in den Asylbewerberheimen der Stadt ist immens, doch das wird von der Polizeiführung nicht eingeräumt. Wenn ein Somalier mit einem Teppichmesser bewaffnet vor einer Disko einen Menschen verletzt, dann wird ein Streit zwischen zwei Streithanseln im Polizeibericht erwähnt. Das ist Realitätsverweigerung, zumal häufig Opfer von Flüchtlingskriminalität selbst Menschen sind, die Schutz suchen, also auch Asylbewerber. Wenn der Staat sich nicht hinter seine Polizei stellt, wer soll dann diejenigen schützen, die weder die ins Land gebrachte Gewalt akzeptieren wollen, noch den extremistischen Mob, der Gewalt und Hass auf unsere Straßen trägt? Die Pressefreiheit verteidigt man am besten, wenn man berichtet, was wirklich geschieht. Rechtsextreme sind mir zuwider, genauso aber erschüttert mich, wenn ein 35-Jähriger brutal erstochen wird!