06.05.2018, 11:33 Uhr

Spendenaffäre Einflussnahme auf Sparkassen-Vorstände „ist barer Unsinn“


Die Digitalisierung und die Steigerung der Kreditvergaben in den letzten Jahren werten die drei Vorstände der Regensburger Sparkasse als Zeichen für den großen Erfolg des Kreditinstituts. Die Ermittlungen in der Spendenaffäre bewerten sie indes im Hinblick auf die Sparkasse als „baren Unsinn“.

REGENSBURG Die Sparkasse als Kreditinstitut, das allen Bürgerinnen und Bürgern gehört, erfreut auch heuer den Steuerzahler. Bei der Bilanzpressekonferenz am Montag stellte Vorstandsvorsitzender Franz-Xaver Lindl eine beeindruckende Bilanz vor. „Es war ein besonders anstrengendes Jahr“, sagte Lindl und kam bei seinem ersten Statement auch gleich auf die Spendenaffäre zu sprechen. Sein Vorstandskollege Dr. Markus Witt brachte es mit zwei Sätzen auf den Punkt: „Unsere Mitarbeiter haben das an den Schaltern ausbaden müssen“, so Witt. Und dann das zentrale Statement: „Der Anfangsverdacht lautete ja, die Vorstände haben sich für einen Kredit beeinflussen lassen. Das ist barer Unsinn!“

Viel wichtiger war den Vorständen aber, die beeindruckende Bilanz vorzustellen. Und die kann sich sehen lassen. So hat sich das Kreditvolumen seit 2008 von 1,8 Milliarden Euro Volumen auf 2,848 Milliarden Euro beeindruckend gesteigert. „Das spricht für eine hohe Nähe und engen Kontakt zu unseren Kunden“, sagte Witt.

Mit einer Bilanz von 4,2 Milliarden Euro und einem Verwaltungsvolumen von fünf Milliarden Euro ist die Sparkasse eine richtige Größe.

Mit 500 Millionen Euro an Neukrediten in 2017 schmierte das Kreditinstitut die heimische Wirtschaft. „Davon wurden Fabrikhallen gebaut, Maschinen angeschafft und Wohnungen finanziert“, so Lindl. Dabei hat die Sparkasse, wie alle anderen deutschen Sparer übrigens auch, mit der Niedrigzinspolitik aus Brüssel zu kämpfen. Der Zinsüberschuss sank von 62 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 47 Millionen Euro in 2017.

Radikal verändert hat sich auch das Kundenverhalten – gerade deshalb hat sich die Sparkassen-Familie fundamental gut aufgestellt. Hier präsentierte Vorstand Manfred Pitzl beeindruckende Zahlen. „Seit 2016 hat sich die Zahl von App-Nutzer in unserem Geschäftsbereich von 10.000 auf 20.000 Downloads verdoppelt“, so Pitzl. Und auch die Zugriffe auf der Sparkassen-Homepage sind beeindruckend: An 33.000 Zugriffen auf die Regensburger Sparkassen-Homepage und 46 Millionen Zugriffen im Jahr kann man deutlich ablesen, wie sich das Nutzungsverhalten der Kunden gewandelt hat. Auch an den Geldautomaten merkt man das. Manfred Pitzl: „Es gibt weniger Abhebungen an den Geldautomaten, aber die Summen steigen“.

Echtzeit-Überweisung auch bei Online-Banking

Manfred Pitzl übernahm es dann auch, die innovativen Projekte der Sparkassen-Familie aufzuzählen: Für 2018 plant die Sparkasse, die Echtzeit-Überweisung – also auf die Sekunde – auch beim Online-Banking einzuführen. Auch das Bezahlen mit dem Handy wird die Sparkasse möglich machen. „Dann kann man mit dem Handy auch im Supermarkt zahlen“, so Pitzl. Sein Kollege Lindl bestätigte Erfahrungen aus Skandinavien, „wo man beispielsweise am Parkplatz nur noch mit Karte und nicht mehr mit Bargeld bezahlen kann.“ Bargeld wird auch immer problematischer: Kürzlich wurde ein Senior Opfer des Enkeltricks, der bei der Sparkasse viel Bargeld abgehoben hat. „Unsere Mitarbeiter haben versucht, auf ihn einzuwirken, aber leider hat sich der Mann nicht überzeugen lassen“, so Lindl. Und auch der gesprengte Geldautomat in Pentling beim Real hat Spuren hinterlassen: „Das war ein Massaker“, erzählte Witt, der sich das Szenario selbst angesehen hat. „Doch wir haben uns entschieden, den Standort wieder aufzubauen.“

Bargeldloses Bezahlen in allen Lebenslagen werde auch in Deutschland Standard sein in fünf bis zehn Jahren, waren sich die Vorstände einig. Genau deshalb sei es richtig, dass man weiterhin mit 33 Filialen und 27 Selbstbedienungs-Standorten auf Kompetenz vor Ort setze, aber die Sparkasse auch im digitalen Zeitalter gut aufstelle. Das gelingt, wie es scheint!


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