24.04.2018, 13:29 Uhr

Spendeaffäre Vom Zeugen zur Anklage? Ex-CSU-Kandidat Schlegl steht im Fokus

„Der kann’s“-Plakat mit Christian Schlegl und Hans Schaidinger: einflussreiche Spendensammler mit Kontakten. (Foto: CSU)„Der kann’s“-Plakat mit Christian Schlegl und Hans Schaidinger: einflussreiche Spendensammler mit Kontakten. (Foto: CSU)

Der von der Staatsanwaltschaft Regensburg lange als Kronzeuge gehandelte Ex-CSU-Kandidat Christian Schlegl gerät zusehends selbst ins Visier der Ermittler. Einige Vorgänge werfen unangenehme Fragen auf.

REGENSBURG Dem Wochenblatt liegen Schreiben vor, die nahelegen, dass Schlegl engere Beziehungen zu Bauunternehmer Thomas D. hatte, als er bislang zugab. D. saß im Herbst 2017 zwei Wochen in Untersuchungshaft. Anschließend einigte sich sein Anwalt, der CSU-Politiker Peter Gauweiler, mit der Justiz auf einen Strafbefehl. Demnach muss D. 500 Tagessätze an die Staatskasse zahlen. Insider sprechen von einem siebenstelligen Betrag. Für die Ermittler ein Argument, dass das aufwendige Verfahren auch Geld in die Staatskasse gespült hat? Zudem wurde eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung ausgesprochen.

Bislang hat die Staatsanwaltschaft nur eingeräumt, dass der Strafbefehl wegen des Areals „Auf der Platte“ erlassen wurde.

Seltsam nur: Dort wurde gar keine Baugenehmigung von Joachim Wolbergs erteilt, dieser soll aber laut Strafbefehl von D. bestochen worden sein. Gefragt hat Wolbergs dazu niemand, Zeugenaussagen sollen dem auch eher widersprechen.

Doch offenbar nutzten D.s Aussagen in der U-Haft den Ermittlern, Informationen über CSU-Kandidat Schlegl und Ex-OB Hans Schaidinger zu erhalten. Ein gewisser Markus D. trat dabei auf als Spenden-Eintreiber für Schlegls „Bürger für Regensburg“, einen Wahlverein, mit dem Schlegl eine eigene Agentur für den Wahlkampf finanzierte. Rechnungen dieser Agentur sind wiederum bei Thomas D. gefunden worden. Und: Schlegls Spenden-Eintreiber war auch Geschäftsführer mehrerer Firmen, an denen auch Thomas D. beteiligt war. So baute man zusammen 130 Wohnungen in vier Wohntürmen im Regensburger Stadtosten – ungewöhnlich: Diese haben, anders als alle anderen Gebäude außenrum, sogar acht Geschosse. Der Spatenstich am 13. April 2014 erfolgte im Beisein Thomas D.s und Markus D.s – mit dabei war auch Hans Schaidinger, der wohl die ungewöhnlich hohen Bauten noch als OB genehmigt hatte. Markus D. fragt genau einen Monat vorher Thomas D.: Wie viel Geld bekommt Schlegl – noch! – für den Wahlkampf?