04.04.2018, 07:43 Uhr

Stadthalle RKK-Gegner treffen sich beim Rivalen im Kolpinghaus – „wir wollen 152 Bäume retten“


Eine Stadthalle am Ernst-Reuter-Platz sei zu teuer – „baut lieber Wohnungen!“, ist der Tenor eines Bündnisses, das sich gegen ein Kultur- und Kongresszentrum am Ernst-Reuter-Platz ausspricht.

REGENSBURG Es ist ein Geisterhaus, der Betonklotz, der sich auf dem Ernst-Reuter-Platz erhebt. Auf den Balkonen, in denen einst Studenten im Sommer grillten, stehen noch die Plastik-Raben, die aber die Tauben nicht mehr abschrecken können. Hier will die Stadt Regensburg ein neues „Kultur- und Kongresszentrum“ bauen und damit eine seit Jahrzehnten schwelende Diskussion beenden. Doch dagegen regt sich Widerstand – der stellte am gestrigen Dienstag nochmal seine Argumente in den Raum.

Ein Flyer, der Bürger dazu bewegen soll, für die Durchführung eines Bürgerentscheids zu unterschreiben, legt auch gleich den Finger in die Wunde: Einer der alten Bäume ist abgebildet, drauf ein Aufkleber mit einem durchgestrichenen RKK. Und auch Wunde Nummer zwei wird direkt angesprochen: So zitieren die Gegner der Stadthalle – nennen wir das Ding doch beim Namen – aus einer Pressemitteilung der Grünen aus 2008:

„Dass hier ein Standort schöngeredet und bei der Wertung getrickst wurde, erkennt jeder Blinde mit Krückstock.“

Da war allerdings noch Hans Schaidinger Oberbürgermeister und an einen grünen Bürgermeister Jürgen Huber gar nicht zu denken. Um die Grünen in Reih und Glied zu bekommen, hatte der damalige SPD-Fraktionschef Norbert Hartl auch die Bürgerbefragung ins Spiel gebracht, mit der die Stadt nun hausieren geht. Darin wurden sie zwar nicht gefragt, ob sie ein RKK überhaupt wollen, aber die Botschaft war klar: Die Bürger stünden hinter dem Standort und der Stadthalle.

„Möchten Sie, dass schöne, alte Bäume gefällt werden?“, lautet dann die ebenso suggestive Frage, die das Bündnis gegen die Stadthalle in ihren Flyer geschrieben hat. „Bäume statt Beton“ sei das Motto der Initiatoren, sagte Anna-Lena Schnaudt. „Und wir haben schon genug Kongresszentren, in einem sitzen wir bereits, ein anderes“ – sie meinte das MarinaForum – „wird am Wochenende eröffnet.“

Tatsächlich fand die Pressekonferenz am gestrigen Dienstag im Kolpinghaus statt. In einer Studie der Stadt für ein RKK wird tatsächlich das Kolpinghaus als Tagungsstätte genannt, die mit massiven Verlusten rechnen müsste. Kein Wunder also, dass auch am Kolpinghaus Plakate der RKK-Gegner hängen. Wortgewaltig erläuterte dann auch der Denkmalpflege-Professor Achim Hubel, warum das Verfahren quasi eine Veräppelung der Bürger ist. „Die Bürgermeinung wird manipuliert“, behauptete Hubel.

„Sowas wie MarinaForum wollen die Bürger“

Dann dozierte Hubel, als wären die Journalisten, unter die sich in Regensburg wie immer auch Leute mischten, die mehr Aktivisten als Journalisten sind, seine Studenten. Er könne sich „beim besten Willen nicht vorstellen, wie das alles gehen soll, wenn die Autos anfahren und natürlich auch der Lieferverkehr.“

Interessant auch, dass der renommierte Denkmalschützer dann auch noch das MarinaForum als bestes Beispiel anführte, was die Bürger als Veranstaltungsorte wollen. „Das ist herrlich, wenn man sich die tolle Decke dort ansieht.“ Dass die Kritik an dem MarinaForum , bevor es nun fertig saniert als grandioser Veranstaltungsort den Stadtosten aufwertet, aus der selben Ecke kam wie jetzt die am RKK – auch das lässt Hubel aus. Dann ließ sich der Denkmalschützer noch über den schlimmen Individualverkehr in der Altstadt und die 76.000 Einpendlern aus – der Tenor war klar: Ein Freilichtmuseum passt besser zu Regensburg als eine moderne Stadt, geschweige denn eine mit Stadthalle. Fakt ist jedenfalls: Wo heute noch der Betonklotz aus den 70er-Jahren steht, wird bald eine riesige Brache sein. Die Stadt hat bereits angekündigt, Nägel mit Köpfen zu machen und das Gebäude abzureißen.

Reinhard Kellner von den Sozialen Initiativen sprach aber noch einen ganz anderen wunden Punkt an: Die Stadt Regensburg hat ein massives Wohnungsproblem. Sein Appell: lieber Wohnungen bauen statt eine Stadthalle. „Kürzlich haben wir uns mit dem Herrn von der Stadtbau getroffen, der sagte, gebt mir Geld, dann baue ich Wohnungen.“ Da sei es doch besser angelegt als für eine Stadthalle.