31.03.2018, 14:02 Uhr

Debatte Nach der Demo für und gegen eine Moschee – ist Regensburg eine gespaltene Stadt?


Der Ton ist rauer im Streit um Moschee: Standen sich noch vor neun Jahren eine bürgerliche, breite Mehrheit ein paar versprengten Rechtsextremen gegenüber, haben sich die Pole deutlich verschoben. Und Regensburg hat sich auch stark gewandelt – immer mehr Moslems leben in der Domstadt. Das verändert auch die Debatten.

REGENSBURG Ausgerechnet vor dem Dom spielt sich der größte Kulturkampf der letzten Jahre ab. Der Domplatz wird erneut zum Schauplatz einer sich immer unversöhnlicher gegenüber stehenden Weltanschauung, die sich ausgerechnet an einer gut integrierten Minderheit entzündet: den Türken, die seit vielen Jahren in Regensburg und im Landkreis leben. Am Wochenende lud die rechtsnationale „Alternative für Deutschland“ unter dem Motto „Nein zur Erdogan-Moschee in Regensburg“ zu einer Kundgebung ein.

Der Widerstand gegen diese Lesart ist – naturgemäß – groß. Denn natürlich: DITIB ist der staatliche Religionsverein, die Imame werden in der Türkei vom Staat ausgebildet. Und nachdem bei den letzten Wahlen, an denen auch in Deutschland lebende Türken teilnehmen durften, Erdogans AKP breite Unterstützung bekommen hat, ist die Skepsis auch in weiten Teilen der Bevölkerung zumindest größer geworden.

Doch das Kernargument der AfD ist grundlegend falsch. Sie spricht von einer Islamisierung der Gesellschaft. Fakt ist aber: Das Gebäude, in dem die DITIB seit vielen Jahren ihre Begegnungs- und Gebetsräume hat, ist von der Kirche gekauft worden. Der frühere Vorsitzende der DITIB, Ercüment Baysal, beteuerte gegenüber dem Wochenblatt stets, dass die Moschee ein politikfreier Raum bleiben solle.

Dabei gab es in Regensburg schon einmal eine breite bürgerliche Front für eine Moschee. Doch damals waren die Rahmenbedingungen völlig anders. 2009 rief die rechtsextremistische NPD zu einer Demo in Regensburg gegen einen Moschee-Bau im Stadtosten auf. 7.000 Bürger bis weit ins bürgerliche Lager gingen demonstrieren. Im Nachhinein stellte sich fatalerweise heraus, dass der Moscheeverein, der bauen wollte, von Salafisten unterwandert war. Der Bau ist bis heute nicht fertiggestellt, die Moschee wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Die DITIB hatte ein Recht auf die Baugenehmigung

Zudem hat sich das bürgerliche Lager, vertreten von der Regensburger CSU, zu den DITIB-Kritikern gesellt. Während die SPD-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sich gegen die AfD-Demo wendet, hat die CSU im Stadtrat Kritik an mangelnder Kommunikation geübt.

Dabei hat die DITIB ein Recht auf eine Baugenehmigung, man hätte den Bau also gar nicht verhindern können. Seltsam ist es aber dann doch: Während in Regensburg jeder Balkon an einem Wohnhaus durch den Gestaltungsbeirat geschickt wird, musste die doch sehr auffällig gestaltete Moschee nicht durch das Architekten-Gremium. Mehr noch: Selbst das Minarett, das 26 Meter hoch sein wird, war kein Grund, den Bau gestalterisch überprüfen zu lassen. Das linke Bündnis aus Verdi, Gewerkschaftsbund, aber auch Grünen und SPD hat einen weiteren Pferdefuß: Die Antifa marschiert mit. So, wie die AfD in Teilen rechtsextreme Personen nicht ausschließt, hat auch das Gegenlager eine linksextreme Achillesferse. Seit der großen Demo 2009 ist noch etwas passiert: Regensburg hat sich grundlegend gewandelt. Das spricht einerseits für eine neue Moschee, andererseits belegt es aber auch die Angst der Bevölkerung vor Überfremdung. Die Zahlen sprechen für sich: Lag der Ausländeranteil im Jahr 2000 noch bei etwa 8,5 Prozent, hat er sich mit knapp 15 Prozent im Jahr 2017 fast verdoppelt. Das sind nur jene Bürger ohne deutsche Staatsangehörigkeit, der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund liegt in Regensburg bei einem Drittel.

Und auch der Anteil von Muslimen ist massiv gestiegen. Das kann man zwar nicht ganz so klar aus der Statistik heraus lesen, aber dennoch: Die Katholische Kirche verlor von 95.000 Regensburgern in 2000 etwa 10.000 Gläubige. Die evangelischen Christen legten von etwa 20.000 auf 22.000 zu, das liegt wohl auch am Zuzug von Russlanddeutschen. Menschen anderer oder gar keiner Konfession waren es im Jahr 2000 noch 24.000 – heute sind es mehr als 55.000. Ein großer Anteil davon dürften Moslems sein.


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