29.03.2018, 09:28 Uhr

Im Mischwerk Streit um homophoben Sänger – Plattenfirma sagt zu, Textpassagen werden nicht gesungen

Bounty Killer.Bounty Killer.

Der umstrittene Sänger Bounty Killer will am 11. Mai im Mischwerk ein Konzert geben. Früher fiel er durch homophobe Textpassagen auf. Diese wird er nicht mehr zum Besten geben, sagt seine Plattenfirma jetzt. Nun stellt sich die Frage: Geben sich die Kritiker mit der Reue des Sängers zufrieden, oder sind sie nicht nur Kritiker, sondern unversöhnliche Ankläger?

REGENSBURG Die Plattenfirma von Bounty Killer, GoodCall Records, hat zwischenzeitlich eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben, klar gemacht, dass der Sänger seine hetzerischen Positionen überdacht hat und die angegriffenen Textpassagen auch nicht mehr zum Besten gibt. Die Stellungnahme im Wortlaut:

„Stellungnahme zu den Artikeln „Unfassbar - Er ruft offen zum Mord von Homosexuellen auf - Regensburg Club holt Bounty Killer auf die Bühne“ (Wochenblatt) und „Ärger um Konzert von Bounty Killer“ (Mittelbayerische Zeitung):

Von Seiten Good Call Records wurde die Berichterstattung in den lokalen Medien über das am 11. Mai 2018 stattfindende Konzert des jamaikanischen Dancehall-Musikers Bounty Killer mit Bedauern zur Kenntnis genommen.

Good Call Records als Veranstalter verurteilt jede Form von Homophobie auf das Schärfste und distanziert sich ausdrücklich von derartigen musikalischen Inhalten. Der Veranstalter führt keine Veranstaltungen durch, auf denen homophobe Inhalte vorgetragen werden.

Der Sänger Bounty Killer gehört zu den weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Dancehall-Künstlern und veröffentlichte bereits Koproduktionen mit Weltstars wie No Doubt, Busta Rhymes und The Fugees. Das Musikstück „Hey Baby“ von No Doubt und Bounty Killer befand sich in zahlreichen Ländern mehrere Monate in den Charts. Es handelt sich also nicht um einen unbekannten Musiker, sondern um einen weltweit anerkannten Popstar, der in der Vergangenheit bereits zahlreiche Konzerte in Deutschland gegeben hat.

Es ist zu konstatieren, dass etwaige homophobe Inhalte in früheren Musikstücken von dem Künstler aus diesen herausgestrichen und durch andere, unproblematische Textpassagen ersetzt wurden.

Der Künstler, der Jamaika erst im Erwachsenenalter zum ersten Mal verlassen hat, wurde durch den von der Kirche und der jamaikanischen Gesetzgebung in der Gesellschaft verankerten homophoben Grundtenor sozialisiert und ließ dies in der Vergangenheit möglicherweise auch in seine Texte einfließen. Geschlechtsverkehr unter gleichgeschlechtlichen Partnern ist in Jamaika strafbar. In Deutschland wurde die entsprechende Vorschrift (§ 175 StGB) bereits 1973 entschärft und 1994 gänzlich gestrichen. In Jamaika ist der gesellschaftliche Wandel noch nicht entsprechend fortgeschritten.

Viele der ursprünglichen, in den Texten enthaltenen Aussagen seien laut dem Künstler insofern missinterpretiert worden, als dass es sich bei ihnen um überspitzte Formulierungen, wie im Reggae- und Hip-Hop-Bereich allgemein üblich, gehandelt habe. Diese würden häufig verwendet, um bewusst zu polarisieren.

Nach eigener Aussage sei Bounty Killer erst nach Reisen in andere Teile der Welt bewusst geworden, dass ihm seine Erziehung problematische Denkmuster aufoktroyiert habe. In einer Stellungnahme gab der Sänger an, dass er die teilweise kontrovers diskutierten Musikstücke heute nicht mehr in dieser Form aufnehmen und veröffentlichen würde.

Bounty Killer gibt aufgrund dessen bei Livekonzerten und auch in aktuellen Aufnahmen keine der ihm vorgeworfenen Textpassagen mehr wieder. Dies sichert er bei Auftritten - wie auch in Regensburg - vertraglich zu.

Eingedenk der Tatsache, dass der Reggae-Szene, insbesondere auch in Deutschland, überwiegend äußerst liberale und weltoffene Menschen angehören, ist es auch nicht im Interesse des Publikums, mit homophoben Äußerungen konfrontiert zu werden. Auch die Konzertbesucher in Regensburg erwarten ein friedliches, weltoffenes Konzert und werden dies auch ohne Einschränkung erleben und genießen können.“