22.03.2018, 18:35 Uhr

Umweltstudie Mikroplastik aus Kosmetika und Folien verseucht die Donau


Plastikfolien und Kosmetika sorgen für Kleinstteile in der Donau. Eine Studie belegt jetzt: Umso länger der Fluß durch Bayern fließt, desto verseuchter ist er mit Kleinststeilchen.

REGENSBURG Alle reden vom Plastik-Strudel in den Ozeanen. Aber wie sieht es eigentlich hier, vor Ort, mit unseren Flüssen aus? Eine Studie der Universität Bayreuth im Auftrag staatlicher Umweltämter attestiert unserer Donau: Verheerend! „Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlands“ lautet der Titel der Studie, die letzte Woche veröffentlicht wurde. Untersucht wurde dabei auch die Donau. An 52 Messstellen zwischen Rhein und Donau wurde das Aufkommen kleinster Partikel, die vom Menschen verursacht in die Gewässer gelangen, erhoben. Erschreckendes Ergebnis: 19.000 Fremdkörper, von denen knapp 4.400 als Kunststoffteilchen identifiziert wurden, haben die Forscher gezählt. Nicht nur die wild ans Donauufer geworfene Plastiktüte ist schuld daran, dass sich immer mehr Kunststoffmüll in der Umwelt findet. Teilchen unter fünf Millimeter Größe kommen beispielsweise übers Abwasser aus Kosmetika in die Flüsse. Der Hunger nach Plastik wächst weiter. Im Jahr stellt die Menschheit unfassbare 300 Millionen Tonnen Plastik her. Allein auf Europa entfallen knapp 50 Millionen Tonnen. Knapp 40 Prozent davon wiederum für Verpackungen. Knapp 32 Prozent werden recycelt in Europa, 41,6 Prozent für die Energiegewinnung verwendet. Problem vor allem: Die Kläranlagen können vor allem kleinste Plastikteilchen nicht filtern. Die Folgen für Mensch und Umwelt? Nun, das sagt die Studie: „Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass Säuger, Vögel, Fische, Weichtiere, Insekten, Krebstiere und viele andere Mikroplastik aufnehmen.“ Ausgeschlossen werden kann nicht, dass auch der Mensch diese Teilchen aufnimmt.

PE wie in Post-Werbung ist das größte Problem

Fazit für die bayerischen Flüsse: Während in Nordrhein-Westfalen vor allem größere Partikel zwischen einem und fünf Millimeter Durchmesser ein Problem darstellen, sind es in bayerischen Flüssen die Kleinstteile, die nachgewiesen werden konnten. Auffällig laut Studie an der Donau: Im Gewässerverlauf steigt die Konzentration der Kleinstteile massiv an.

Während sich in der Donau bei Ulm noch etwa zehn Teilchen pro Kubikmeter Wasser nachweisen lassen, steigt diese Zahl bei Kelheim auf 38, bei Bad Abbach sind es bereits 45 und klettert auf den höchsten Stand bei Deggendorf, wo sich der Wert mit 150 Teilchen verdreifacht hat! In nahezu 100 Prozent aller Proben aus den Gewässern Donau, Altmühl und Isar fanden die Forscher demnach Mikroplastikteilchen. Die am häufigsten in Donau, Isar und Altmühl nachgewiesenen Teilchen sind PE und PP, also Polyethylen und Polypropylen. PE ist das Verpackungsmaterial, das die Deutsche Post für ihre Werbesendung „Einkauf aktuell“ verwendet, in dem pro Woche bei einer Auflage von mehr als 17 Millionen Stück 40 Tonnen Plastik verbreitet werden. Man darf sich also nicht wundern, dass in den bayerischen Flüssen diese Teile 90 Prozent ausmachen. Die Post hatte sich auch nach Protesten geweigert, die Plastikverpackung einzustampfen.


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