22.03.2018, 09:34 Uhr

Termin vergessen? Nach verpasster Merkel-Wahl – Aumer hat Kanzlerin „seine Unterstützung versichert“


Peter Aumer hat ja bekanntlich die Wahl Angela Merkels zur Kanzlerin verpasst. Er sagte, er habe sich mit einer Schulklasse verquatscht. Quatsch, sagt man bei den Domspatzen, man hatte den Eindruck, Aumer habe sich im Termin geirrt.

REGENSBURG Sie haben es sicher gehört: Der einzige, unentschuldigt bei der Wahl von Angela Merkel fehlende Abgeordnete der Koalition war ausgerechnet der aus Regensburg: Peter Aumer, CSU. Die Reaktionen darauf waren äußerst unterschiedlich. Aumer schob nämlich die Regensburger Domspatzen vor, mit denen er am Mittwoch, 14. März, um 9 Uhr einen Termin hatte. Um 8.30 Uhr begab er sich noch in die Fraktionssitzung, dann traf er die Domspatzen. Mit denen, das sagte er der Nachrichtenagentur dpa, habe er sich schließlich verratscht. Das brachte ihm aus mehreren Gründen sogar Sympathien ein: Während Aumer mit der Aktion im politischen Berlin nun endgültig untendurch sein dürfte, gab es zahlreiche Bürger, die eine Schulklasse wichtiger fanden als Frau Merkel. Nun, so kann man es sehen. Allein: Die Story, wie sie Aumer erzählt, stimmt nicht. Zumindest nicht ganz.

Schüler berichten, dass Aumer sich mit ihnen um 9 Uhr getroffen habe. Er habe sie kurz begrüßt, man sei aber dann relativ zügig in den Bundestag gegangen, da war es 9.30 Uhr. Laut Bundestagsprotokoll war die Wahl da schon durch: Zwischen 9.35 Uhr und 9.52 Uhr wurden schon die Stimmen ausgezählt. Aumer kam dann zu den Domspatzen zurück, die ihm dann tatsächlich ein Ständchen sangen. „Aufgehalten haben wir ihn aber nicht“, sagt ein Domspatz dem Wochenblatt. Vielmehr habe es auf die Schüler den Eindruck gemacht, Aumer dachte, die Wahl sei erst um 9.30 Uhr – doch da hatte er sich getäuscht.

In der CSU kursieren derweil Gerüchte, der Geburtstag seines Büroleiters sei der Grund für die Terminprobleme gewesen. Der hatte in der Tat am Tag der Kanzlerwahl Geburtstag. Aumer selbst aber räumt kleinlaut ein: „Ich habe an diesem Tag weder an einer Geburtstagsfeier noch an anderen Terminen teilgenommen.“ Der Tag sei ausschließlich für die Kanzlerwahl, die Vereidigung der Kanzlerin und des Bundeskabinetts reserviert gewesen. „Einzig an dem kurz nach meiner Wahl in den Deutschen Bundestag vereinbarten Termin mit Schülern der Regensburger Domspatzen, der seit Monaten in meinem Kalender stand“, habe er teilgenommen. Weil das Schüler-Programm wegen der Wahl Merkels eingedampft wurde, wollte er die Domspatzen zumindest begrüßen. „Ich habe die Länge des Wahlgangs falsch eingeschätzt“, Aumer habe aber „der Kanzlerin meine Unterstützung versichert“.


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