25.01.2018, 08:42 Uhr

Streik bei BMW Die Forderung der IG Metall nach 28-Stunden-Woche ist Irrsinn

Produktion des neuen M4 Cabrios in Harting. Foto: BMWProduktion des neuen M4 Cabrios in Harting. Foto: BMW

Die IG Metall, Deutschlands mächtigste Gewerkschaft, bläst zum Angriff. Ihr Ziel: Arbeitnehmer sollen nur noch 28 Stunden die Woche arbeiten, bezahlen sollen das die Firmen. Gerade in der Automobilindustrie hat man längst Arbeitnehmer erster Klasse geschaffen, alle, die nicht davon profitieren, müssen es bezahlen. Ein Kommentar.

REGENSBURG Deutschland brummt - nicht immer merkt man das an der Lohntüte. Doch wer wie ich in direkter Nachbarschaft mit BMW-Arbeitern lebt, der weiß: Die Arbeit dort ist nicht einfach, Schichtsysteme und hohe Anforderungen gehen auf Nervenkostüm und Körper. Doch faktisch ist es so, dass Akademiker oft staunen, was ein einfacher Bandarbeiter bei BMW in Harting verdient.

Nun ist das auch gut so: Ein Teil des Erfolgs des Wirtschaftsstandorts Deutschland geht genau darauf zurück, dass man durch eigener Hände Arbeit gut verdienen kann. Der BMW-Arbeiter ist der klassische Mittelstand, die Mitte in der Mitte. Hier ist das Rückgrat unserer Gesellschaft, hier werden brav Steuern bezahlt, keine Steueroasen in Übersee ausgenutzt, hier wächst der Wohlstand unseres Landes. Doch wird unser Land deshalb auch gerechter? Keinesfalls!

Im Gegenteil! Wer in einem Betrieb wie BMW arbeitet und für den die IG Metall jetzt zum Sturm bläst, der kann sich glücklich schätzen. Doch wer bezahlt das, wenn der Bandarbeiter nur noch 28 Stunden im Werk ist? Sicher nicht der Aktionär. Schon längst gibt es ein Zwei-Klassen-System in den Firmen. Zeitarbeiter leisten oft die selbe Arbeit, müssen den Schraubschlüssel aber nach einer bestimmten Zeit fallen lassen und wo anders anheuern. Die Privilegien der einen sind oft die Bürden der anderen. Die Tarifautonomie war lange ein Segen für die deutsche Gesellschaft, auch und gerade für die Wirtschaft. Heute produziert sie Ungleichzeit und Ungerechtigkeit. Das, was heute bei BMW und anderen Betrieben der Metall- und Elektroindustrie ausgehandelt werden soll, erinnert mich stark an den Blick in manches Lehrerzimmer: Auf der einen Seite die privilegierten Beamten, denen man nichts mehr anhaben kann und die mit pervers hohen Pensionen weit über der Durchschnitts-Rente eine ruhige Kugel schieben. Auf der anderen Seite die Jung-Lehrer, die in den Ferien Stempeln müssen und die Angestellten, die mal pauschal 1.000 Euro weniger verdienen für die gleiche Arbeit.

Klar, die IG Metall bringt auch sie auf die Straße. Wörtlich heißt es bei der IG Metall über die Streiks der letzten Nacht: „Bereits in der Nacht haben sich bei BMW in Regensburg inklusive der Kontraktlogistiker Rhenus und AFG 1.200 Beschäftigte am Warnstreik beteiligt. Hunderte Leiharbeiter haben diesen solidarisch unterstützt.“ Aber wie wird es einem Zeitarbeiter ergehen, der neben einem Festangestellten steht, der nur 28 Stunden die Woche arbeitet, bei Lohnausgleich?

Natürlich, die IG Metall fordert die 28-Stunden-Woche für jene Mitarbeiter, die zuhause Angehörige pflegen, sie soll auf zwei Jahre begrenzt sein. Aber nochmal: Man kann das Pflege-Problem, das es in Deutschland gibt, nicht an den Bändern der Autoindustrie lösen. Und die Vorzüge des einen sind immer die Nachteile des anderen. Es gibt heute schon eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in den Firmen: Jene, die keine Kinder haben, etwa, weil sie keinen Partner haben oder homosexuell sind. Und die, die in die Vorzüge von Elternzeit kommen. Das mag für die Geburtenrate gut sein - gerecht ist es nicht immer.

Mehr noch: Die IG Metall gefährdet mit ihrem Ziel der 28-Studen-Woche den Wirtschaftsstandort Deutschland! Man überlege sich, wer die Konkurrenz des Bandarbeiters bei BMW in Harting ist! Zum einen sind es die Chinesen, die stark aufgeholt haben und deren Arbeit nicht mehr so weit weg ist von der Wertarbeit des deutschen Arbeitnehmerns. Zum anderen kann es sein, dass morgen das selbstfahrende Auto nicht von BMW, sondern von Google produziert wird. Wer glaubt, dass Google das in Harting fertigt, der träumt!

Statt sich auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie zu verlassen, sehnen sich IG-Metall-Funktionäre nach Daseinsberechtigung. Das Schlagwort 28-Stunden-Woche ist Gift für den Standort Deutschland.

Und hier ist die Nachrichtenlage zur Auseinandersetzung zwischen IG Metall und Arbeitgebern (Quelle: AFP):

Im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie hat sich die IG Metall zurückhaltend zu den Chancen einer schnellen Einigung bei der vierten Verhandlungsrunde im baden-württembergischen Böblingen geäußert. „In vielen entscheidenden Fragen liegen wir immer noch zu weit auseinander“, erklärte Roman Zitzelsberger, Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg am Mittwoch. Er halte es deshalb für unwahrscheinlich, dass sich bereits am Mittwoch ein Ergebnis erzielen lasse.

Jetzt liege es an den Arbeitgebern, die Verhandlungen einen „entscheidenden Schritt nach vorne zu bringen“, erklärte Zitzelsberger. Seit der dritten Verhandlung am 11. Januar habe eine Expertengruppe aus Vertretern beider Seiten „intensiv an Lösungswegen zur Arbeitszeit gearbeitet“, man sei aber nicht so weit gekommen wie erhofft.

Streitpunkt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft sind vor allem flexible Arbeitszeiten. Die IG Metall fordert die Möglichkeit, die wöchentliche Arbeitszeit zeitweise auf 28 Stunden zu reduzieren; wer Schichtdienste hat, Kinder betreut oder Angehörige pflegt, soll dabei einen Zuschuss bekommen. Darüber hinaus fordert die IG Metall sechs Prozent mehr Lohn.

Die Arbeitgeber lehnen vor allem den von der IG Metall geforderten Zuschuss für bestimmte Beschäftigte als rechtswidrig und diskriminierend ab und fordern stattdessen eine größere Flexibilität, um die Wochenarbeitszeit ausweiten zu können. Als Lohnerhöhung haben sie bislang zwei Prozent angeboten

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, weitete die IG Metall ihre Warnstreiks am Mittwoch nach eigenen Angaben erneut „massiv“ aus. Bis zum Nachmittag hätten sich bundesweit 170.000 Beschäftigte aus 785 Betrieben an kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen, Kundgebungen und Warnstreikaktionen beteiligt, erklärte die Gewerkschaft - 54.000 davon in Baden Württemberg. Seit Ende der Friedenspflicht zum Jahreswechsel beteiligten sich demnach rund 910.000 Beschäftigte an Warnstreiks.


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