13.12.2017, 09:01 Uhr

Soziales Kurz vor Weihnachten: Wie die Stadtbau Mieter raussaniert

(Foto: Christian Eckl)(Foto: Christian Eckl)

Die Stadtbau verschickte kurz vor Weihnachten Briefe an Bewohner der Altdorfer Straße: Ihr Haus wird saniert. Sie müssen ausziehen. Viele Mieter sind entsetzt.

REGENSBURG Es klingt verzweifelt, doch ein Stadtbau-Mieter hat dem Wochenblatt den Artikel von letzter Woche zurückgeschickt: „Ist die Stadtbau überhaupt noch sozial?“, fragten wir. Immer mehr Stadtbau-Mieter, aber auch Mitglieder der Regierungskoalition haben den Eindruck, dass Stadtbau-Geschäftsführer Joachim Becker mehr knallharter Manager als sozialer Wohnmanager ist. Wie eine Bestätigung unserer Berichterstattung klingt es dann auch, was uns ein Stadtbau-Mieter schreibt: „Geschenkbrief zu Weihnachten für die Mieter des Hochhauses in der Altdorferstraße von der Stadtbau! Die Mieter müssen nächstes Jahr raus! Doch wohin?“

Klar ist: Viele Stadtbau-Häuser, gerade aus den 60er- und 70er-Jahren, haben massiven Sanierungsbedarf. Und die Stadtbau hat schon lange angekündigt, dass man die Altdorferstraße 14 sanieren wird.

Auf einer Liste im Internet steht neben der Alfons-Bayerer-Straße 2 mit knapp 4.000 Quadratmetern Wohnfläche und 57 Wohnungen auch der Schwabelweiser Weg 40 bis 42 mit 36 Wohnungen. Der erneute Einzug von Mietern wird hier bereits im Dezember 2017 erwartet. Streit gab und gibt es demgegenüber in der Alfons-Bayerer-Straße, wo im Oktober 2020 wieder Mieter der Stadtbau wohnen sollen. Doch wie sozial geht die Stadtbau mit den dortigen Mietern um? Eine Bewohnerin klagt: „Statt uns eine Ausweichwohnung anzubieten, wurde uns ein völlig neuer Mietvertrag vorgeschlagen – komplett mit neuer Kaution bis zu 2.000 Euro“, so die Mieterin. Bislang zahle man in der Wohnung etwa 500 Euro warm, die neue Wohnung hätte bereits 750 Euro gekostet. Ärgerlich auch, so die Mieterin: Durch die Entmietung soll die Stadtbau planen, die Heizung nicht mehr selbst zu betreiben, sondern extern – die hohen Kosten dafür, wie beispielsweise Grundsteuer und andere Aufwendungen, können dann bequem auf den Mieter umgelegt werden, mutmaßt die Mieterin in der Alfons-Bayerer-Straße.

Stadtbau-Chef Becker haben wir am Montag um Stellungnahme gebeten, wie er die per Brief angekündigte Kündigung der Mieter in der Altdorferstraße so kurz vor Weihnachten rechtfertigt.

Nach Redaktionsschluss der Wochenblatt-Printausgabe äußerte sich Stadtbau-Geschäftsführer Becker zu unseren Fragen. Diese waren:

- Trifft es zu, dass die Mieter des Hochhauses in der Altdorferstraße ausziehen müssen?

- Wenn ja, warum?

- Wie bewerten Sie die Tatsache, dass die Mieter noch vor Weihnachten darüber informiert wurden?

Beckers Stellungnahme im Wortlaut: „Wie Ihnen bekannt sein dürfte, ist es ein großes Anliegen der Regensburger Kommunalpolitik Bürger und Mieter frühzeitig zu informieren. In dem Wohnquartier Altdorferstraße mit annähernd 150 Wohnungen der Stadtbau laufen seit vielen Jahren Überlegungen zur Quartiersweiterentwicklung und damit einhergehend verschiedene Wege der Information der dortigen Bewohner. Vor diesem Hintergrund fand am gestrigen Nachmittag eine Informationsveranstaltung für die Hausbewohner des Gebäudes Altdorferstraße 14 statt.

Für dieses rund 50 Jahre alte Gebäude soll im Jahr 2018 die Generalsanierung begonnen werden. Hierzu galt es, die dort verbliebenen Bewohner, nachdem seit mehreren Jahren freiwerdende Wohnungen nicht mehr neu belegt wurden, sachgerecht zu informieren. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass die Notwendigkeit, umziehen zu müssen, für den Einzelnen nicht nur von großer Bedeutung ist, sondern auch tiefe Betroffenheit auslöst. Obwohl die Bewohner dies seit mehreren Jahren geahnt haben, ist es in dem Moment des konkret Werdens mit einem Schreck verbunden.

Ob es Jahreszeiten oder Monate im Jahresverlauf gibt, in denen derartige Informationen auf Menschen weniger schmerzlich wirken, ist uns nicht bekannt. Sofern Sie uns diese Zeitfenster benennen können, freuen wir uns auf Ihre Rückäußerung.“


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