24.11.2017, 18:15 Uhr

Thema der Woche Wer Kohlekraftwerke abschaltet, ist schuld, dass Kohlekraftwerksbauer ihren Job verlieren!


SPD-Chef Martin Schulz hat Siemens scharf kritisiert. Jetzt antwortete Siemens-Chef Joe Kaeser mit einem geharnischten Brief darauf.

REGENSBURG/BERLIN Das Wehklagen ist groß: Während die LED-Sparte von Osram in Regensburg boomt, immer mehr Menschen dort einen Arbeitsplatz finden und das Unternehmen von einem Rekord zum nächsten spurtet, gehen in Augsburg bald die Lichter aus. 1.300 Menschen verlieren ihren Job. Medien-Deutschland berichtet natürlich über die Werksschließung, die Schuldigen sind bald gefunden: Der chinesische Investor will nicht mehr in Deutschland produzieren. Ich frage mich da: Wundert das irgendwen? Ich meine, eines ist doch klar: In Augsburg wurden Glühbirnen hergestellt. Für China sind Glühbirnen gut genug, Brüssel aber hat sie per ordre del Mufti aussortiert. Jetzt gibt es noch auf Jahrmärkten Glühbirnen-Verkäufer, denn einige Menschen finden ja das Licht von Energiesparlampen schlicht unangenehm.

Bei dieser Nachricht über die Werksschließung in Augsburg, die für 700 Menschen und deren Familien kurz vor Weihnachten sicher eine Katastrophe ist, stelle ich mir die Frage: Macht sich niemand Gedanken darüber, welche Auswirkungen Politik hat? Ich prophezeie den lieben Politikern: Die Debatte um den Diesel und den Verbrennungsmotor wird dazu führen, dass Autobauer Arbeitnehmer ausstellen werden. Die Debatte um den Kohleausstieg und Erneuerbare Energien wird irgendwann dazu führen, dass der Tag kommt, an dem kein Windrad und kein Sonnenkollektor auch nur eine Megawattstunde produzieren. Und am Ende wird jedes geschlossene Atom- und Kohlekraftwerk den Stromkunden viel Geld kosten. Kein Wunder auch, dass Siemens in der Sparte Jobs abbaut.

Und wer die Glühbirne abschafft, muss damit rechnen, dass Glühbirnenbauer auf der Straße stehen. Dafür braucht man nicht die chinesischen Investoren verantwortlich machen. Beim Elektro-Auto wird es ähnlich sein. Schon heute heißt es, dass ein Elektro-Auto mit weniger Arbeitern produziert werden kann. Das bedeutet, dass eine der wichtigsten Branchen Deutschlands weniger Arbeitnehmer braucht. Das kann man beklagen, helfen wird es nichts. Treffen wird es vor allem aber wieder mal die Ärmeren. Denn die Ingenieure finden sicher schnell einen neuen Job.

Jetzt hat sich der gescheiterte SPD-Ex-EU-Parlamentspräsident-Kanzlerkandidat Martin Schulz zu den Entlassungen bei Siemens geäußert. In einem Punkt hat Schult recht: Eine solche Hiobs-Botschaft vier Wochen vor Weihnachten ist eine Katastrophe. Doch andererseits: Vielleicht war es ja genau die Politik von Schulz und seiner Partei, die jetzt zu dieser Situation geführt hat! Wer Kohlekraftwerke schließt, muss damit rechnen, dass Kohlekraftwerksbauer arbeitslos werden!

Kaeser hat auf Schulz‘ Anwürfe souverän mit einem Brief geantwortet, den wir hier dokumentieren.


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