23.11.2017, 16:38 Uhr

Altstadt Regensburgs Luxus-Wohnungen, ein Mega-Kran und ein zeitweiliger Schwarzbau


In der Gesandtenstraße, direkt vor dem Denkmal Dreieinigkeitskirche, steht seit Juni ein Mega-Kran. In der Glockengasse entstehen luxuriöse Eigentumswohnungen.

So ein Monstrum hat man in der Altstadt noch nie gesehen! Seit Juni steht ein riesiger Mega-Kran vor der Dreieinigkeitskirche, also direkt vor einem der bedeutendsten Denkmäler der Stadt. Direkt vor der Eingangstür, und das im Jahr, in dem das Reformations-Jubiläum gefeiert wird. Wer meint, die Protestanten müssten den Riesenkran wegen der nahe gelegenen Dominikaner-Kirche ertragen, die derzeit mit großem Aufwand saniert wird, der täuscht sich aber. Luftlinie mindestens 50 Meter entfernt liegt ein Gebäude in der Glockengasse – teure Eigentumswohnungen entstehen dort jetzt.

Doch monatelang ging gar nichts auf der Baustelle! Der Grund: Die Bauarbeiten begannen ohne Baugenehmigung! Das bestätigte jetzt ein Sprecher der Stadt. Wörtlich heißt es: „Der Bauherr hatte zunächst mit dem Abbruch von Einbauten im Innenhof begonnen. Dafür wären vorab eine Abbruchanzeige und die denkmalpflegerische Erlaubnis erforderlich gewesen, die beim Beginn der Arbeiten jedoch nicht vorlagen.“ Der Bau wurde prompt im April 2017 eingestellt. Das Kran-Monstrum stand monatelang ohne Verwendung mitten in der Altstadt!

Erst im Mai 2017 wurde ein Bauantrag eingereicht, „also nach der Baueinstellung“, so der Stadt-Sprecher weiter. „Erst zu diesem Zeitpunkt begann die aufwendige Abstimmung mit den Fachbehörden insbesondere mit der Denkmalpflege. Es mussten erhebliche Änderungen an der Planung vorgenommen werden.“ Die Baugenehmigung liegt erst seit Ende September 2017 vor – seitdem kracht es im Gebälk. Denn die Bauarbeiter nutzen die gesetzlich festgelegten Zeiten voll aus, ab morgens um sieben schiebt der Kran seine Pranke über die Dächer der Altstadt. Angeblich soll allein die Aufstellung des Krans 30.000 Euro gekostet haben. Dementsprechend hochpreisig dürften auch die darin entstehenden Eigentumswohnungen werden.

Mega-Kran im Welterbe ist „kein Problem“

Doch wie geht das eigentlich, ein Mega-Kran im Welterbe? Muss die Stadt dem überhaupt zustimmen? Ja, so der Stadtsprecher. Die Genehmigung erteilt das Amt für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr, die wohl auch den eigentümlichen Platz für den Kran ausgesucht hatte. Denn die Baustelle musste „auf öffentlichem Grund erfolgen, was in der Altstadt häufig der Fall ist“, so der Sprecher. Gab es eine Abstimmung mit Icomos, dem Gremium, das über das Welterbe wacht? „Die Stadt muss temporäre Baustelleneinrichtungen nicht mit Icomos abstimmen“, heißt es dazu. Doch gerade im Herbst wüten schlimme Stürme.

Doch was ist, wenn der Kran umfällt, wertvolle Denkmäler zerstört? „Für den Kran haftet der Betreiber“, heißt es dazu von der Stadt.

Wie die „MZ“ bereits vor geraumer Zeit berichtete, wurde übrigens die Evangelische Kirche nicht gefragt, wie sie den Kran vor der Haustür findet. Und das Wochenblatt fand heraus, dass der Sohn eines reichen Regensburger Kunstsammlers, der bereits ein wunderschönes Altstadt-Haus von der Stadtbau erstanden hat, sich in dem Gebäude in der Glockengasse eine Wohnung einrichtet – Luxus-Sanierung statt Wohnungsnot bekämpfen also.


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