26.10.2017, 08:54 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Welterbe Für Tourismus, den alle aushalten: Wie kann man die Ströme lenken?


Ein Konzept soll die Spannungen in der Altstadt zwischen Touristen-Massen und Anwohnern lockern. Andere Städte wie Amsterdam greifen schon zu drastischeren Maßnahmen: Dort werden Souvenir-Läden in der Altstadt verboten.

REGENSBURG Wer frühmorgens nach dem Frühstück die Donaulände mit dem Rad entlang fährt, der erlebt Tourismus in der Welterbe-Stadt, wie man ihn bisher nur aus Städten wie Salzburg kannte: In Zweierreihen stehen die schwimmenden Hotels und spucken gerade abgespeiste amerikanische Touristen aus. Die Lände ist voller Reisebusse aus der Region, die nun die Amerikaner zur Walhalla schippern. Oder ein Fähnchen schwingender Stadtführer steht bereit, um die Touristen, die nun einige Stunden Zeit in Regensburg verbringen, via Funk über Dom, Steinerne und Rathaus zu informieren.

Regensburg hat in den letzten Jahren einen ungemeinen Ansturm von Touristen erlebt. Fraglich ist am Ende: Wann endet die Akzeptanz der Bevölkerung? Bei der städtischen Tourismus-GmbH (RTG) betet man seit Jahren das Mantra, man wolle vor allem qualitativ hochwertigen, keinesfalls aber Massentourismus. Jetzt hat der Regensburger Kulturreferent, der nach einem Aufstand einiger Hoteliers das Thema Tourismus betreuen soll, ein erstes Ergebnis des Tourismus-Konzepts vorgestellt. Es macht deutlich: Auch die Stadt erkennt längst, dass gehandelt werden muss.

Jetzt hat Unger bekannt gegeben, dass Stadtführungen künftig auf 25 Teilnehmer beschränkt werden sollen. Wörtlich heißt es in einer Erklärung: Unger, Vertreter der Regensburg Tourismus GmbH (RTG), Kathrin Prockl (ARS Incoming), Thomas Ruhfaß (Stadtmaus) und Joachim Buck (Kulttouren) waren sich bei dem in positiver Atmosphäre verlaufenen Gespräch rasch einig. Um die Akzeptanz der kontinuierlich wachsenden Besucherströme in der Donaustadt zu erhalten und weiter auszubauen, sei es sinnvoll, die Größe der Stadtführungsgruppen auf 25 Personen pro Gästeführer zu beschränken.

Vor allem Alternativrouten, um Nadelöhre wie die Brückstraße nicht weiter zu belasten, standen im Mittelpunkt der Debatte. 

Amsterdam schränkt die Zahl der Eisdielen ein

Andere Städte, die schon länger ein Spannungsverhältnis zwischen Altstadtbewohnern und Touristen haben, gehen da viel drastischere Wege. Amsterdam kündigte kürzlich an, keine Souvenir-Läden in der Altstadt mehr zu erlauben. Denn gerade der Handel, der stets als Profiteur des Tourismus ins Feld geführt wird, ächzt unter steigenden Mieten, wenn man mit Krimskrams ebenso viel Geld machen kann wie mit einem normalen Sortiment. Pikant: Alles das, was Regensburg jetzt macht, will Amsterdam in Zukunft verbieten.

Die Stadt hat nämlich weitere Anlegestellen im Marina-Quartier genehmigt. Es werden also noch mehr Flusskreuzer in Regensburg anlegen. Im Hinblick auf das neue Museum der Bayerischen Geschichte ist das nur folgerichtig, denn der Ansturm dürfte immens sein: In einem einzigen Gebäude wird den Touristen aus Übersee dann die Bayerische Seele erläutert. Doch auch nach der Eröffnung, die nun schon bis 2019 verschoben wurde, wird sich die Frage stellen: Was hat eigentlich der gemeine Regensburger davon? Die Amsterdamer haben die Anlegestellen jetzt sogar aus dem Zentrum hinaus verlegt. Und auch die Zahl der Airbnb-Wohnungen in der Altstadt hat sich im letzten Jahr verdoppelt – weil sie in Regensburg insgesamt gleich blieb, sehen die Verantwortlichen keinen Handlungsbedarf. Amsterdam hat diese Art der Vermietung jetzt eingeschränkt. Sogar der Neubau von Hotels wurde im Hinblick auf die Anwohner nun gebremst. In Regensburg entstehen derzeit am Stobäusplatz zwei neue Hotels. 

Ohne Frage bleibt der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Regensburg. Aber jede weitere Eisdiele hat man in der Altstadt von Amsterdam jetzt untersagt. Ein Omen?


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