22.10.2017, 09:59 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Wirtschaft Kaufhof-Sanierung: Am Ende bluten die Mitarbeiter


200 Mitarbeiter arbeiten in der Kaufhaus-Kette Kaufhof in Regensburg an zwei Standorten. Doch das Warenhaus ist in Schieflage geraten. Jetzt sollen die Mitarbeiter bluten.

REGENSBURG Es sind mehr als 200 Arbeitsplätze in den beiden Kaufhäusern der Kette Kaufhof, eines davon prägt auf seine Weise sogar die Stadt-Silhouette: Als man die Alte Wache bis auf den Balkon und das Säulenportal abbrach, baute man ein Kaufhaus nach der Vorstellung der 60er Jahre an die Stelle. Heute wirkt das Gebäude teilweise stark renovierungsbedürftig, doch nach wie vor ist der frühere „Schocken“, spätere „Horten“ und heutige Kaufhof ein Anziehungspunkt und wichtiger Bestandteil des Altstadt-Handels. Und auch der Kaufhof im Donau-Einkaufszentrum ist im Stadtnorden ein Magnet für viele, die schlicht ein riesiges Sortiment schätzen, quasi alles auf mehreren Etagen.

Da lassen die Hiobs-Botschaften aufhorchen, die derzeit über die Kaufhof-Gruppe zu hören und zu lesen sind. Seit zwei Jahren regiert der kanadische Handelskonzern Hudson‘s Bay Company (HBC) das Unternehmen, 21.000 Mitarbeiter erfuhren kürzlich die Hiobsbotschaft, dass sie Einschnitte beim Gehalt akzeptieren sollen. Die Begründung des Konzerns: Die Neuausrichtung, eine stärkere Verknüpfung von stationärem Handel in den Kaufhäusern vor Ort und dem eigenen Online-Handel, habe noch nicht die gewünschten Auswirkungen gezeitigt.

Kritiker der neuen Führung werfen HBC indes vor, durch drastische Mieterhöhungen für jene Immobilien, die dem Kaufhaus selbst gehören, die roten Zahlen überhaupt erst herbei geführt zu haben.

Auf Anfrage sagt das Unternehmen, man könne noch nicht sagen, wie stark die Einschnitte bei den Gehältern der Belegschaft ausfallen könnten. „Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt rein spekulativ“, so eine Sprecherin zum Wochenblatt. „Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft ver.di werden wir Optionen für einen Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung diskutieren, um die tarifliche Partnerschaft fortzusetzen – und um gleichzeitig notwendige Einsparungen vornehmen zu können“, heißt es weiter.

„Äußern uns nicht zu einzelnen Häusern“

Doch was Kommunalpolitiker schon lange fürchten, ein verwaistes riesiges Warenhaus mitten in der Altstadt oder ein Leerstand in einem boomenden Einkaufszentrum im Stadtnorden – wäre das denkbar? Die Kaufhof-Pressestelle wiegelt ab: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns als Tochter eines börsennotierten Unternehmens (Hudson’s Bay Company) grundsätzlich nicht öffentlich zu Umsatzzahlen beziehungsweise Vergleichszahlen einzelner Filialen äußern.“

Genaue Auskünfte darüber, welche Filiale in Regensburg selbst gehört und welche nicht, erteilt man nicht, doch klar dürfte sein, das Haus in der Altstadt gehört dem Konzern, das im Donau-Einkaufszentrum nicht.


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