14.01.2019, 09:29 Uhr

WIR-Empfang Stubenmusi als Rezept für die Herausforderungen in der Politik


Hauptrednerin beim Empfang des Werbeinteressenrings (WIR) Eggenfelden im Theater an der Rott, einem der größten seiner Art in Niederbayern, war diesmal Prof. Dr. Ursula Münch, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität der Bundeswehr in München und Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Ihr Thema: „Politik ist besser als ihr Ruf. Warum es sich lohnt, nicht verdrossen zu sein.“

EGGENFELDEN Die „Wellküren“, die für das kabarettistisch-musikalische Rahmenprogramm beim WIR-Neujahrsempfang sorgten, hatten eigentlich die Lösung aller politischen Probleme parat. „Macht‘s Stubenmusi“, schlugen die Well-Schwestern vor. Diesen Vorschlag nahm Prof. Dr. Ursula Münch später nur allzu gern auf.

Zwar sei in Deutschland die Zufriedenheit mit der Demokratie an sich groß, jedoch nicht mit den politischen Führungskräften im Lande, so Prof. Dr. Münch. Gewisse Strömungen im Land würden die Politik an sich in Misskredit bringen, obwohl Münch den Politikern grundsätzlich gute Arbeit attestierte.

Politikverdrossenheit mache sich in Deutschland breit, als Gründe nannte die Professorin die Trennungslinie zwischen jenen, die genügend Geld zur Verfügung hätten und jenen, die nicht diese beruflichen und finanziellen Möglichkeiten hätten. In Themenfeldern wie Migration und Klimawandel sehen sich jene, die zur zweiten Gruppe gehören, von der Politik nicht mehr gut vertreten. Der zweite Hauptgrund sei die veränderte Kommunikation und das Einholen von Informationen. Die sozialen Netzwerke würden hier, so Münch, zu vermehrter Unsachlichkeit beitragen.

Als dritten Grund nannte sie die Entpolitisierung der Politik. Immer mehr Entscheidungen würden nicht mehr im Land, sondern auf europäischer Bühne gefällt, immer mehr strittige Punkte vor Gericht ausgetragen. So komme es, dass Minderheiten für Entscheidungen sorgen, wie im Fall der Dieselfahrverbote, wobei die Politik daran auch nicht ganz unschuldig sei, da sie das Problem auf die lange Bank schob.

Trotzdem müsse man nicht politikverdrossen sein, so Münch. Positiv sei das Grundgesetz zu nennen, das ja das Gemeinwohl über Einzelinteresse stelle und das Modell der repräsentativen Demokratie beinhalte. Und das habe ja seit 70 Jahren gut funktioniert. Lösungen für die Zukunft der globalen Herausforderungen würden nur jene Staaten finden, die eben nicht national denken, sondern modern und offen sind. Totalitäre Systeme seien da in sich gefangen, Demokratien dagegen könnten Fehler korrigieren, indem man die politisch Verantwortlichen abwählt.

Viele Menschen ließen sich von den weltweit zugänglichen, aber oft unreflektierten Informationen allzu leicht verwirren, hielt Münch fest. Die vermeintlich einfachen Lösungen der Populisten würden keine echten Lösungen darstellen. „Politik ist das Bohren dicker Bretter, wer diese Aussage von Max Weber ignoriert, der sollte dazu verdonnert werden, seine Abhandlung über die Politik auswendig zu lernen“, frotzelte sie. Und setzte an die Adresse von Erdogan und Co. noch eins drauf: „Sie sollten öfter mal Stubenmusi machen.“

Im Pluralismus von heute sei es schwierig, Kurs zu halten, da sei Distanz nötig, so Bürgermeister Wolfgang Grubwinkler in seiner Rede. Seine Maxime dabei laute immer, das anzustreben, das nachhaltig wirke. „Wir müssen bei all unseren Plänen den Bürger mitnehmen, sonst macht sich Politikverdrossenheit breit, so Landrat Michael Fahmüller in seinem Grußwort. Der Landkreis habe zum Beispiel beim Thema Kreisentwicklungskonzept hier gute Erfahrungen gemacht.

Rupert Starzner, Wirtschaftsreferent der Stadt Eggenfelden, stellte das Thema Digitalisierung in den Mittelpunkt seiner Rede. Er befürworte sie absolut, „aber es gibt auch ein Leben außerhalb von sozialen Medien“, gab er zu bedenken. Der digitalen Entwicklung dürfe man nicht alles unterordnen. „Ich möchte nicht nur ein Regio Lab in Eggenfelden, sondern auch eine lebendige Stadt“, betonte Starzner.

Dass erstmals eine Frau Hauptrednerin beim WIR-Empfang war und auch das Rahmenprogramm weiblich war, animierte WIR-Vorsitzende Claudia Rauschegger dazu, die Frauenpower an den Beginn ihrer Ansprache zu stellen. Sie stelle zudem den Gemeinschaftssinn im Werbeinteressenring heraus, der inzwischen nicht nur eine Rekordmitgliederzahl aufweise, sondern zum Beispiel mit der Gutscheinkarte auch ein Erfolgsmodell auf den Weg gebracht habe. Pro Jahr setze man damit 60.000 Euro um, Geld, das in Eggenfelden bleibe und nicht im Internet-Handel.


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