06.05.2018, 09:00 Uhr

Runder Tisch Gewalt gegen Helfer ist für den Landrat inakzeptabel

Zusammen mit Vertretern von Polizei, BRK, THW und Feuerwehr sowie seinen Mitarbeitern im Landratsamt erörterte Landrat Michael Fahmüller (3. v. li.) die aktuelle Situation und Lösungsansätze, wie man die zunehmende verbale und körperliche Gewalt gegen Hllfskräfte eindämmen kann. (Foto: Landratsamt Rottal-Inn)Zusammen mit Vertretern von Polizei, BRK, THW und Feuerwehr sowie seinen Mitarbeitern im Landratsamt erörterte Landrat Michael Fahmüller (3. v. li.) die aktuelle Situation und Lösungsansätze, wie man die zunehmende verbale und körperliche Gewalt gegen Hllfskräfte eindämmen kann. (Foto: Landratsamt Rottal-Inn)

Zunehmende Attacken auf Hilfskräfte: Landrat Michael Fahmüller lud Vertreter der Einsatzkräfte im Landkreis zu einem offenen Gespräch ins Landratsamt ein, um mit ihnen die aktuelle Situation zu erörtern und gemeinsam nach möglichen Lösungsansätzen suchen.

ROTTAL-INN Für den gesunden Menschenverstand ist es eigentlich unfassbar: Menschen, deren Aufgabe es ist, anderen zu helfen, für Sicherheit zu sorgen und in Notfällen zu Stelle zu sein, ob hauptberuflich oder ehrenamtlich, werden bei der Erfüllung Ihrer Aufgaben immer öfter gestört, verbal attackiert oder sogar körperlich angegriffen. Leider kam es auch im Landkreis Rottal-Inn bereits zu derartigen Vorfällen (das Wochenblatt berichtete zum Beispiel über Vorfälle beim Faschingsumzug in Schönau), wenngleich diese noch relativ glimpflich ausgingen.

Für Landrat Michael Fahmüller ist diese Entwicklung aber völlig inakzeptabel – aus diesem Grund lud er Vertreter der Einsatzkräfte im Landkreis zu einem offenen Gespräch ins Landratsamt ein, um mit ihnen die aktuelle Situation zu erörtern und gemeinsam nach möglichen Lösungsansätzen suchen.

Hans Haider, Leiter Rettungsdienst BRK, hatte einige aktuelle Zahlen zu Übergriffen auf BRK-Mitarbeiter in Bayern dabei – im Jahr 2017 wurden 60 derartige Vorfälle gemeldet. Interessant dabei: Diese Vorfälle ereigneten sich keineswegs mehrheitlich in sozialen Brennpunkten, sondern häufig in bürgerlichen Wohngegenden und wurden in den häufigsten Fällen vom Patienten selbst begangen. Ein häufiges Problem dabei sei Alkohol. „Für uns gilt“, so Haider: „Deeskalieren und wenn nötig zurückziehen!“ Im Landkreis Rottal-Inn sei es im Jahr 2017 glücklicherweise bei verbalen Attacken geblieben.

Armin Zehentbauer, Leiter der Polizeiinspektion Eggenfelden, erklärte, dass bei Einsätzen, bei denen Widerstandshandlungen zu erwarten seien, häufig eine verstärkte Polizeipräsenz durch mehrere anwesende Einsatzkräfte helfen könne – dadurch könne die „Lust, Ärger zu machen“ bei potenziellen Tätern gesenkt werden. Häufig käme es jedoch auch zu verbaler oder sogar körperlicher Gewalt bei Einsätzen, bei denen im Vorfeld nicht damit zu rechnen war.

Michael White vom Technischen Hilfswerk (THW) Eggenfelden unterschied drei wesentliche Formen von Gewalt gegen Einsatzkräfte, nämlich zum einen ausgeübt durch psychisch kranke Patienten, zum anderen in Folge von Alkohol- oder Drogenkonsum, und zum dritten die Fälle, bei denen kein derartiger Hintergrund vorliegt, oder wie White es nannte: schlichtweg „unfreundliche Menschen“. Besonders im dritten Beispiel käme es vor allem auf eine erfolgreiche Deeskalation an.

Kreisbrandrat René Lippeck zeigte auf, dass insbesondere in dieser Kategorie Zuwächse zu verzeichnen seien und beklagte, dass manche Bürger die Feuerwehrleute, die bspw. eine Straße absperren, nicht als Autorität anerkennen. Er wies auf die Notwendigkeit hin, solche Vorfälle zur Anzeige zu bringen.

Nach einer regen Diskussion stellten die Teilnehmer im Wesentlichen zwei Notwendigkeiten zum weiteren Vorgehen heraus: Zum einen müssten insbesondere ehrenamtliche Mitarbeiter der Einsatzkräfte weiter geschult werden, um Gefahrensituationen besser und schneller zu erkennen, verbal deeskalieren und im Zweifelsfall einen geordneten, sicheren Rückzug antreten zu können. Der Bedarf an solchen Schulungen müsse auch offen artikuliert werden.

Zum anderen müssten die Organisatoren von Veranstaltungen noch weiter für die Problematik sensibilisiert werden. Ihnen müsse dabei vor allem klar gemacht werden, dass sie selbst Verantwortung tragen und nicht einfach nur darauf vertrauen könnten, dass wenn etwas passiert, „die Feuerwehr löscht, die Polizei eingreift und das BRK die Verletzten abholt.“

Den Kommunen könne man, so das Angebot des Landratsamtes, fachliche Unterstützung geben, wenn es um die Genehmigung von Veranstaltungen geht. Und schließlich müsse auch der Öffentlichkeit die Bedeutung und die Notwendigkeit der Arbeit der Einsatzkräfte und deren Sicht der Dinge immer wieder vor Augen geführt werden.


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