23.11.2017, 10:48 Uhr

Gespräch mit Politikerin „Frauen müssen bei der Feuerwehr mehr Chancen bekommen“

Die drei Feuerwehrfrauen Angelika Pichlmaier (li.), Christiane Dicklberger (2. v. li.), und Andrea Fürstberger (re.) trafen sich zu einem Erfahrungsaustausch mit MdL Reserl Sem (2. v. re.). (Foto: Sem)Die drei Feuerwehrfrauen Angelika Pichlmaier (li.), Christiane Dicklberger (2. v. li.), und Andrea Fürstberger (re.) trafen sich zu einem Erfahrungsaustausch mit MdL Reserl Sem (2. v. re.). (Foto: Sem)

Drei „besondere“ Feuerwehrfrauen des Landkreises haben sich bei MdL Reserl Sem zu einem Erfahrungsaustausch zwischen Feuerwehr und Politik getroffen:

ROTTAL-INN Angelika Pichlmaier, Feuerwehr Obergrafendorf, ist seit gut einem Jahr die erste Kommandantin im Landkreis Rottal-Inn, Christiane Dicklberger, Feuerwehr Egglham, ist seit Mai dieses Jahres die neue Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbands Rottal-Inn und Andrea Fürstberger, Feuerwehr Falkenberg, ehemalige Kreisfrauenbeauftragte und seit 2015 die Frauenbeauftragte des Landesfeuerwehrverbands Bayern.

„Wir hier im Landkreis haben Frauen, die anpacken. Das hat sich in dem Gespräch mit den engagierten Feuerwehrfrauen einmal mehr bestätigt. Aber die Frauen müssen noch mehr Chancen und Unterstützung bekommen“, bekräftigt die Stimmkreisabgeordnete. Alle drei Feuerwehrfrauen behaupten sich schon seit vielen Jahren in der „Männerdomäne“ Feuerwehr. Gibt es im Landkreis bereits über 800 Feuerwehrfrauen und bayernweit sogar 27.500, so liegt der Frauenanteil jedoch noch immer unter zehn Prozent und das obwohl die Anzahl der Ehrenamtlichen eher sinkt.

Das und vor allem die noch immer geringe Anzahl der weiblichen Führungskräfte war das Thema des Gesprächs unter Frauen. Denn auch in der Politik ist bei der letzten Bundestagswahl der Frauenanteil wieder weniger geworden. „Hier muss sich was ändern“, fordert Sem. „Während Männer sich das einfach zutrauen und in die Rolle einer Führungskraft hineinwachsen, zögern die Frauen im Beruf, Politik und vor allem in der Feuerwehr noch zu stark, bevor sie sich für einen Gruppen-, Zug- oder Verbandsführerlehrgang melden“, sagt Andrea Fürstberger. „Und diese Lehrgänge für Gruppen- und Zugführer benötigt man für das Amt als Kommandantin. Der Anteil an weiblichen Teilnehmerinnen an den Feuerwehrschulen für vorgenannte Lehrgänge liegt bei unter vier Prozent“, ergänzt Angelika Pichlmaier.

Einen weiteren Gesichtspunkt brachte Christiane Dicklberger vor: „Vielleicht liegt es auch daran, dass die Frauen meistens immer noch weitgehend alleine für die Kinderbetreuung zuständig sind. Auch hier gilt es zu überdenken, ob nicht eine Kinderbetreuung in den Feuerwehrschulen angeboten werden kann – das wäre eine Aufgabe für die Politik, dies anzustoßen.“

Ein vorzeigbares Beispiel gibt es seit ein paar Jahren aus der Feuerwehrschule Würzburg zu berichten. Dort gibt es Familienzimmer, wo Frau oder Mann seinen Partner oder seine Partnerin samt Kind oder Kinder mitnehmen kann und sie dann betreuen werden, während Frau den Lehrgang besucht! Einig ist sich das Quartett dabei, dass vor allem auch die Frauen für diese verantwortungsvollen Aufgaben einer Kommandantin, Kreisbrandmeisterin etc. geeignet sind. „Frauen wird mehr emotionale Intelligenz zugeschrieben. Diese befähigt sie spezielle Situationen und Einsätzen besser einzuschätzen und zu handeln“, weiß Fürstberger. Und auch sonst gibt es viele Gründe, sich diese Aufgaben zuzutrauen.

„Natürlich muss auch bei den Männern hierzu ein Umdenken stattfinden, die Kampagne „Frauen zur Feuerwehr“ des LFV Bayern von 2015 hat hier viel beigetragen“, so Dicklberger. Denn andernorts in Bayern, etwa in Franken, gibt es bereits einige Kommandantinnen, Kreisbrandmeisterinnen und sogar eine Kreisbrandinspektorin. Hier ist mittlerweile nicht mehr das Geschlecht entscheidend sondern wer der oder die Geeignetste für diese wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe ist. „Und nur das zählt“, so Pichlmaier. Es gäbe hier also noch viel zu tun und womöglich müssen sich die Damen im nächsten Jahr wieder treffen, aber ein stetiger Austausch ist gut und wichtig und „Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut“.

Reserl Sem dankte Andrea Fürstberger für ihren unermüdlichen Einsatz, für den jetzt für die Landesfrauenbeauftragte das Deutsches Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze verleihen bekommen hat. „Entschlossen, verlässlich, tatkräftig – so charakterisiert der Landesfeuerwehrverband Bayern seine Landesfrauenbeauftragte. Bereits in kurzer Amtszeit hat sie deutliche Zeichen in der fachlichen Verbandsarbeit gesetzt und das Thema „Frauen in der Feuerwehr“ vor allem auch in der öffentlichen Wahrnehmung weiterentwickelt. Mit einer abgestimmten Mischung aus Erfahrungsaustausch und Weiterbildung soll der Anteil der Frauen in den Feuerwehren weiter gesteigert werden“, heißt es in der Laudatio. „Wichtig ist Andrea Fürstberger vor allem auch für die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinaus“, lobte Sem.


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