26.02.2019, 09:50 Uhr

VCD behauptet „Passau ist die zweitschmutzigste Stadt in Bayern“

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

VCD-Vorsitzender Sluka: Diesel-Fahrverbot in der Heimatstadt des Verkehrsministers?

PASSAU. Nicht Nürnberg oder Regensburg hat nach München die zweithöchsten Stickoxid- Belastungen in Bayern. Nein, das mittelgroße Passau wartet mit einem Rekordergebnis auf. Der VCD hat 2018 das ganze Jahr NO2 gemessen und einen Jahresmittelwert von 56 Mikrogramm pro Kubikmeter Atemluft ermittelt. Der VCD misst dabei grundsätzlich nur dort, wo Menschen an den Straßen wohnen.

„56 Mikrogramm! Das würde ja sogar für Fahrverbote nach dem von der Bundesregierung künstlich heraufgesetzten Grenzwerten reichen“, kommentiert Bernd Sluka, der Vorsitzende des VCD Landesverbands Bayern, die Ergebnisse. „Stell dir vor: ein Diesel-Fahrverbot in der Heimatstadt des Verkehrsministers!“

Der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm wird in den engen Straßenschluchten der Innstadt deutlich überschritten. Ein weiterer Jahreswert am Beginn der Freyunger Straße fiel mit 36 Mikrogramm etwas geringer aus. Dort ist die Luft zwar gesundheitsgefährlich schmutzig - über den 20 Mikrogramm, die laut WHO für Gesundheitsschutz notwendig sind -, aber gerade noch unterhalb des EU-weiten Grenzwertes. Zusätzliche Stichproben des VCD in 2018 zeigten weitere Problemstellen auf: So ist vermutlich auch in der Angerstraße die Luft übermäßig verschmutzt.

Natürlich geht es dem VCD nicht um Fahrverbote. „Fahrverbote sollten das letzte Mittel sein. Aber die Stadt muss endlich wirksame Maßnahmen gegen die schleichende Vergiftung der Anwohner ihrer Straßen ergreifen“, fordert Sluka, der auch die bundesweite NO2- Messkampagne des VCD koordiniert. „Wir setzen dabei auch auf den Bundesverkehrsminister, der aus Passau stammt. Bisher hat er jedoch nicht geholfen, sondern abgestritten, dass Passaus Luft unzulässig verschmutzt wäre.“ Das kann er nun nicht mehr, denn der VCD hat eine von der EU zugelassene Messmethode verwendet.

Schon 2017 hatte der VCD durch Stichproben an vielen Stellen in Passau zu hohe Stickoxidwerte aufgezeigt und nachgewiesen, dass die zum entfernten Donauufer ausgelagerte staatliche Messstation zu niedrige Werte liefert. Nachdem die Stadtverwaltung von Passau trotz der alarmierenden Resultate untätig geblieben ist, hat der VCD deren Aufgabe übernommen und selbst weitergemessen. Jetzt liegen erste Jahresmittelwerte vor. Jahresmittelwerte sind wichtig, da sie das relevante Kriterium für die Luftreinhaltung gemäß der EU-Richtlinien bilden. Eine Überschreitung hat zur Folge, dass sofort wirksame Maßnahmen für saubere Luft geplant und ergriffen werden müssen.

Doch die Stadtverwaltung bleibt weiterhin passiv. Zwar finden angeblich inzwischen - nach über einem Jahr - auf Antrag der Grünen im Stadtrat eigene NO2-Messungen durch die Stadt Passau statt, doch deren Standorte hat sie bisher nicht benannt. Auf die zugesandten Messwerte des VCD hat der Leiter des städtischen Umweltamts nicht reagiert. Ein mehrfacher Versuch, ein Gespräch dazu zu vereinbaren, blieb einfach unbeantwortet. „Der VCD steht natürlich weiterhin zu einem Dialog bereit, aber wir überlegen uns auch andere Wege, um das Recht der Menschen auf saubere Luft durchzusetzen“, bekräftigt Sluka abschließend.


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