16.11.2018, 12:31 Uhr

IHK-Untersuchung Wie nah ist die Versorgung in der Region Passau?

Nahversorgungsatlas: je grüner desto besser. (Foto: IHK Passau)Nahversorgungsatlas: je grüner desto besser. (Foto: IHK Passau)

Überwiegender Teil der Gemeinden im Landkreis Passau bei Nahversorgung noch gut aufgestellt.

PASSAU. Lebensmittel, Getränke, Drogerieartikel – solche Waren des täglichen Bedarfs zählen zur so genannten „Nahversorgung“. Durch ein verändertes Einkaufs- und Konsumverhalten sind die entsprechenden Strukturen vor Ort in Bewegung – auch im Landkreis Passau. Anschaulich zeigt das der jetzt erschienene „Nahversorgungsatlas“ der IHK Niederbayern. Zentrales Ergebnis für den Raum Passau: Ein Konzentrationsprozess ist spürbar, dennoch ist das Einkaufen auf relativ kurzen Wegen weiterhin möglich. Mit fast 87 Prozent verfügt der größte Teil der Gemeinden im Landkreis über eine gute Nahversorgung. In Niederbayern insgesamt liegt der Wert bei rund 70 Prozent.

Grundlage des Nahversorgungsatlas ist eine Umfrage unter den Bürgermeistern der 228 Gemeinden im IHK-Bezirk Niederbayern – mit Ausnahme von kreisfreien Städten wie eben Passau und Oberzentren, deren Versorgung ohnehin als gut eingeschätzt werden kann. Erfasst wurde jeweils die Verfügbarkeit der unterschiedlichen Geschäftskategorien vor Ort, von Supermärkten und Discountern über mobile Verkaufswägen, Metzger und Bäcker bis hin zu Drogeriemärkten oder Tankstellenshops. Im Landkreis Passau sieht das Ergebnis so aus: Von den insgesamt 38 Kreisgemeinden liegen 15 Gemeinden im „dunkelgrünen Bereich“, der in der Karte entsprechend gekennzeichnet ist – das bedeutet dank einer Vielfalt an unterschiedlichen Geschäftskategorien eine breite und damit sehr gute Nahversorgungsstruktur. Fünf Gemeinden haben hingegen eine enge bis sehr enge Versorgungsstruktur. Weiter aufgeschlüsselt wird dieses Ergebnis durch den Blick auf die einzelnen Nahversorgungskategorien. Beispielsweise verfügen im Landkreis Passau je zwei Drittel der Gemeinden über kleine und große Supermärkte beziehungsweise Dorfläden. Bei den Discountern sind es immerhin 53 Prozent. Aber auch Metzger (87 Prozent) und Bäcker (89 Prozent) sind im Niederbayernvergleich überdurchschnittlich oft vertreten.

Nicht nur die aktuelle Situation wurde abgefragt, sondern ebenso die Entwicklung über die vergangenen zehn Jahre hinweg. Im Landkreis Deggendorf beurteilen 35 Prozent der Bürgermeister die Entwicklung der Nahversorgung als gleichbleibend, für 27 Prozent hat sie sich verbessert und 38 Prozent sehen eine Verschlechterung. Die Erwartungen für die nächsten zehn Jahre stehen auf Stabilisierung. Rund 56 Prozent erwarten eine gleichbleibende Nahversorgung, 14 Prozent eine Verbesserung. 30 Prozent sind hingegen pessimistisch.

„Die Realität der Nahversorgung ist komplexer, als es die vorliegende Untersuchung darstellen kann. Aber der Nahversorgungsatlas schafft ein objektiveres Bild und erlaubt, langfristige Tendenzen zu erkennen. Er ist damit ein wertvolles Instrument für die Entscheidungsträger vor Ort, wenn es beispielsweise um Geschäftserweiterungen oder Neuansiedlungen geht“, ist sich IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner sicher. Auch die IHK nutze die erhobenen Daten, beispielsweise für ihre Stellungnahmen zu geplanten Einzelhandels-Großprojekten. Eine wichtige Erkenntnis aus der Untersuchung ist für Schreiner, die Nahversorgung noch stärker zu fördern und die Vielfalt vor Ort zu bewahren: „Wenn die verbrauchernahen Versorgungsstrukturen ausgedünnt werden, sinkt nicht nur die Lebensqualität für die Bewohner, sondern auch die Attraktivität von Städten und Gemeinden“, meint Schreiner und stellt gleichzeitig klar: „Rechteckige, für Investoren praktische Gebäudelösungen auf der grünen Wiese sind in der Regel nicht förderlich für die Ortsentwicklung.“


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