07.06.2018, 18:28 Uhr

Donauvilla Jochenstein Landkreis Passau bekommt ein neues Mehrgenerationenwohnprojekt

Ab Juli startet unweit von Passau ein Mehrgenerationenwohnprojekt unter dem Namen Donauvilla Jochenstein. (Foto: Donauvilla Jochenstein)Ab Juli startet unweit von Passau ein Mehrgenerationenwohnprojekt unter dem Namen Donauvilla Jochenstein. (Foto: Donauvilla Jochenstein)

Einkaufen gehen, Essen vorbereiten, Kinder vom Kindergarten abholen, bei Oma und Opa vorbeischauen, das Auto in die Werkstatt bringen, Arztbesuche und Freizeitaktivitäten organisieren.

UNTERGRIESBACH Der Alltag von Familien ist voll von praktischen Aufgaben, die neben der Arbeit kaum zu bewältigen sind. Gleichzeitig finden sich immer mehr Menschen im Alterin Alten- oder Pflegeheimen wieder, weil sie nicht mehr mit der Kernfamilie ihrer Kinder unter einem Dach wohnen. Um diesem Dilemma zu begegnen, schließen sich Menschen immer häufiger in Wohnprojekten zusammen. Im Ortsteil Jochenstein der Gemeinde Untergriesbach startet eine Gemeinschaft von aktuell zwei Familien und zwei Einzelpersonen ein Wohnprojekt unter dem Namen Donauvilla Jochenstein. „Der Name passt insofern, als dass dieses herrschaftliche Haus tatsächlich eine Villa in unmittelbarer Nähe zur Donau ist. Wir wollen eine Gemeinschaft bilden, wo sich die Bewohner gegenseitig stützen können, wo nötig – und jeder aber auch sein Bedürfnis nach Rückzug leben kann wie in einem normalen Mietverhältnis“, erklärt Dr. Zuzana Sebkova-Thaller, Initiatorin und Eigentümerin der Donauvilla.

Herausforderung Bewohnersuche

Ab Juli ziehen die ersten Bewohner in die knapp 900 Quadratmeter große Donauvilla. Vier von insgesamt acht Wohneinheiten sind aktuell noch nicht belegt. Die Suche nach Gleichgesinnten ist keine leichte Aufgabe für die Gründergemeinschaft. „Wir suchen Menschen, die in etwa gleich ticken, um eine gute Basis für das künftige Zusammenleben zu schaffen. Unser Ziel dabei ist aber ausdrücklich nicht, nur ökologisch orientierte Menschen mit einer spirituellen Ausrichtung und einem Faible für Themen wie social responsibility zu finden, auch wenn das manch einer annehmen möchte, wenn er den Begriff Wohnprojekt hört. Unser Wunsch ist vielmehr, Menschen zu finden, die offen für Neues sind und es unter Umständen als Bereicherung sehen, gewisse Dinge im Alltag wie die ganze Organisation rund um die Kinder oder praktische Aufgaben im Alltag gemeinsam zu bewältigen“, erklärt Sebkova-Thaller. Um eine möglichst große Durchmischung der Bewohnerschaft zu garantieren, sei beim Innenausbau darauf geachtet worden, verschiedenste Wohnungsgrößen herzustellen.

Sehnsucht Natur

Neben den Zielvorstellungen über das Zusammenleben ist den Bewohnern auch ihre Herkunft gemein. Alle lebten bis zuletzt in Bayerns größten Städten: Eine Familie in München, die andere in Würzburg und Sebkova-Thaller in Augsburg. „Die Stadt ist mit Kindern, aber auch im Alter meines Erachtens kein lebenswerter Ort. Wir haben festgestellt, dass die Vielfalt des Angebots, die die Stadt zweifelsohne so attraktiv macht, von keinem von uns wirklich genutzt wird. Wir können jetzt genauso gut 20 Minuten nach Passau fahren, um ein Konzert zu besuchen. Was uns bisher allderings abging, ist die Natur, die hier auf uns wartet: Vogelgezwitscher, der unvergleichliche Sternenhimmel auf dem Land, Grillenzirpen und nicht zuletzt diese Stille“, erklärt Sebkova-Thaller.

Gemeinschaftsräume für die Kommunikation

Auf über 2.500 Quadratmetern Grünfläche plant die Hausgemeinschaft einen bunten Garten mit Gemüsebeeten, Ruhe- und Gemeinschaftsbereichen sowie Sauna und Swimmingpool. Ab 2019 sind zudem ein großer Seminarraum, zwei Gästewohnungen und eine Werkstatt geplant. „Der Seminarraum soll einerseit der Gemeinschaft als Ort der Begegnung dienen, wo man beispielsweise immer wieder einmal eine große Tafel eindecken kann und gemeinsam zu Abend isst oder Kinoabende veranstaltet. Andererseits soll der Raum allen, die selbstständig tätig sind, die Möglichkeit bieten, vor Ort zu therapieren, zu unterrichten oder Kurse zu geben. Unser Haus wird ein pulsierender Ort, wo Bewohnern und Externen gleichermaßen viel geboten wird. Wir wollen nach innen und außen im Austausch sein und auch vom Dorf als Mehrwert wahrgenommen werden“, sagt Sebkova-Thaller über die Zukunft der Donauvilla. Die Eigentümerin ist selbst Qigong-Lehrerin und wird künftig vor Ort Ausbildungskurse zum Qigong-Kursleiter und Lehrer in Jochenstein anbieten.

Über Donauvilla Jochenstein

Donauvilla Jochenstein ist ein Mehrgenerationenwohnprojekt im Landkreis Passau, bestehend aus acht Wohneinheiten. Ziel ist gemeinschaftsorientiertes Wohnen aller Generationen unter einem Dach, aber dennoch jeder für sich: Verbindlicher als eine gute Nachbarschaft und doch weniger eng und verpflichtend. Die Bewohner wohnen zur Miete in ihrer eigenen Wohnung, verfügen aber über Gemeinschaftsflächen und -räume, die für jeden nutzbar und zugänglich sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Wohnprojekten verfolgt die Hausgemeinschaft keine ideologischen Ziele, sondern sieht sich als eine Einheit zur gemeinschaftlichen Bewältigung des Alltags.


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