21.04.2018, 10:06 Uhr

Horrorbilder Abgemagert, abgefaulte Ohren, Tumore und Parasiten: „Das ist Tierquälerei!“


Tierheim Passau appelliert an die Verantwortung der Haustierbesitzer

PASSAU Bettina Mittler vom Tierheim Passau-Ingling sieht das Tierleid nur zu oft. Erst kürzlich holte sie nach einem Hinweis einen Kater und einen Hund aus der Mietwohnung eines Ehepaars aus dem nördlichen Landkreis. Beide Tiere waren in einem katastrophalen Zustand – jahrelang vernachlässigt und extrem verwahrlost. „Die Fälle nehmen zu“, so die Tierschützerin.

Der vom Tierheim aufgenommene Kater Charly hat einen starken Ohrenmilbenbefall und hört fast gar nichts deswegen, schildert die Tierheimleiterin. Er sei abgemagert und ausgehungert aufgefunden worden. Außerdem hat er faulige Zähne. Sein Fell war zudem extrem verfilzt und er hatte Flöhe. Beim Tierarzt wurden sogar eine tumorartige Wucherung am Hals und eine vereiterte Kralle entdeckt. Das Alter des Tieres schätzt sie auf zirka 15 bis 20 Jahre.

Der Hund Benny, ein 13-jähriger Spitz-Mix, kam ebenfalls in einem schlechten Zustand ins Tierheim Passau. Seine Ohren waren sehr entzündet und sogar vereitert. „Er schüttelt ständig seinen Kopf vor lauter Schmerzen“, ist Mittler fassungslos. Und: „Er hat schwarz verfaulte Zähne.“ Aktuell werden Charly und Benny tierärztlich versorgt. Bettina Mittler hofft, dass sie schnell auf die Beine kommen.

„Am Tag vor unserer Ankunft ließ man eine weitere in diesem Haushalt lebende Katze einschläfern, angeblich hatte sie Anzeichen von FIP (Anm. d. Red.: Feline Infektiöse Peritonitis, Bauchfellentzündung)“, schildert Bettina Mittler. Die Besitzer von Kater Charly und Hund Benny waren laut der Tierschützerin ganztags daheim. Daher könne sie nicht verstehen, wie man tatenlos zuschauen konnte: „Das ist Tierquälerei!“

Doch diese verwahrlosten Tiere sind leider kein Einzelfall. Zuvor wurde ein kastrierter Fundkater ins Tierheim Passau gebracht, der in einer so schlechten Verfassung war, dass er nur noch eingeschläfert werden konnte. „Wir konnten leider nur noch eins für ihn tun. Ihn friedlich einschlafen lassen und somit von seinen unsagbaren Qualen erlösen“, schrieb das Tierheim Passau auf seiner Facebook-Seite dazu. Die Ohren des Tieres waren abgefault. An den Pfoten hatte der Kater zudem große, offene Wunden. Das arme Tier roch bereits nach Verwesung. Ein schrecklicher Anblick für die Tierschützerin. „Der Kater war kastriert. Da kann man davon ausgehen, dass er mal jemandem gehört hat. Das war keine verwilderte Katze“, so Mittler.

Vor Kurzem wurde der Tierheimleiterin zudem ein vernachlässigter Hund gemeldet. Er habe nur draußen in einem Zwinger gelebt – egal, bei welchem Wetter. „Er war total brav“, erzählt die Tierschützerin. Daher konnte sie auch nicht nachvollziehen, wieso die Familie ihn hinter Gittern gesperrt hatte.

Bettina Mittler liegt eines sehr am Herzen: „Dass die Leute endlich Verantwortung für ihre Tiere übernehmen.“ Diese Verantwortung müsse jedem vor der Anschaffung eines Haustiers bewusst sein. Ein Haustier kostet nicht nur Geld, sondern braucht viel Liebe, Zeit und Pflege – vor allem im Krankheitsfall.

Daher auch dieser Appell auf der Facebook-Seite des Tierheims Passau: „Bitte Leute, schafft euch keine Tiere an, oder holt euch wenigstens Hilfe, wenn ihr euch keinen Tierarzt leisten könnt! Es kann und darf nicht sein, dass man seine angeblich geliebten ,Familienmitglieder‘ jahrelang so dermaßen verwahrlosen und leiden lässt.“ Oftmals sei die Abgabe am besten für das Tier, rät Mittler. So könne das ein oder andere Tierleid vermieden werden.


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