21.04.2018, 10:01 Uhr

Feuerwehr-Dienstherr stinksauer Beschimpfen, beleidigen, gaffen: Landrat Meyer platzt der Kragen


Chef aller Feuerwehrkräfte im Landkreis nimmt diese gegen Pöbler in Schutz und fordert dringend eine Gesetzesänderung

LANDKREIS PASSAU Landrat Franz Meyer ist entsetzt: Was die Feuerwehrler ihm bei der Kommandantendienstversammlung vergangene Woche berichteten, trieb ihm die Zornesröte ins Gesicht. Die Helfer werden behindert, angepöbelt und schamlos ausgenutzt. Damit soll Schluss sein! Landrat Meyer platzt der Kragen. Er will nicht mehr länger hinnehmen, dass Ehrenamtler und besonders die Feuerwehren beleidigt werden: „Der Feuerwehrler darf nicht der Schwächere sein!“ Landrat Meyer fordert vom Innenministerium daher diesbezüglich eine klare Regelung, wenn nötig sogar Gesetzesänderung ein.

Im Ernstfall ist ein bayerischer Landrat der oberste Chef aller Feuerwehrkräfte in seinem Landkreis. Landrat Franz Meyer sieht die Zeit gekommen, auch als oberster Fürsprecher der Aktiven jetzt Klartext zu sprechen. Grund: Pöbeleien und Beleidigungen gegen die Frauen und Männer in Feuerwehruniform werden immer häufiger – und offenbar gesellschaftsfähig.

Pöbeln gegen Feuerwehr ein Gesellschaftstrend

Ein Trend, den auch Kreisbrandrat Josef Ascher schon seit Längerem beobachtet und der ihn immer mehr in Rage bringt. Dass Feuerwehrler bei kurzfristigen Verkehrsumleitungen, Straßensperrungen oder als Parkeinweiser bei Festen immer öfter Aufgaben übernehmen, die nicht unbedingt mit Löschen, Retten und Bergen zu tun haben, sei das Eine. Aber schließlich sei das auch ein Teil der Integration der Wehren in ihrem Heimatort – man hilft sich eben gegenseitig. Aber dass dabei Kameraden meist von pöbelnden Autofahrern zunehmend beschimpft und beleidigt werden, ist für Ascher „unerträglich und ein Skandal“. Schließlich übernehmen Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner solche Aufgaben in ihrer Freizeit und ehrenamtlich.

Bei der jüngsten Kommandanten-Dienstversammlung griff Landrat Franz Meyer dieses Problem mit deutlichen Worten auf: „Jetzt reden wir Klartext: Vielleicht wäre der betroffene Kamerad auch lieber unter den Feiernden im Festzelt. Aber nein, er übernimmt eine Aufgabe für die Allgemeinheit und sichert die Straße. Und dann muss er sich auch noch dumm anreden lassen.“

Dass da der Feuerwehrfamilie der Kragen platze, sei wohl nur zu verständlich, meint der Landrat, jedoch: „Aber das allein hilft nichts, wenn sich nicht in unserer Gesellschaft etwas ändert.“ Gerade die Politik habe die Aufgabe, noch viel stärker das Wertvolle herauszuheben, was die Feuerwehren auszeichne.

Und der Landrat wird noch deutlicher: Er erinnert an die bundesweite Diskussion, die im letzten Jahr ein Feuerwehrmann auslöste, der Gaffer mit einem Wasserstrahl daran hindern wollte, mit dem Handy Verletzte zu filmen. „Ja wo sind wir denn, wenn plötzlich dieser mutige Kamerad am Pranger steht und nicht die sensationslüsternen Handyfilmer?“

Das sei eine völlig verkehrte Welt und gebe leider denen Recht, die glauben, bei einem Ehrenamtlichen könne man sich alles erlauben.

Da hat der Landrat eine völlig andere Meinung: Schließlich sei Gaffen und Filmen von Unfallopfern oder sogar Toten alles andere als ein Kavaliersdelikt, erst im März hatte der Bundesrat für solche Vergehen härtere Strafen beschlossen.

Landrat Franz Meyer: „Solche Zeitgenossen daran hindern zu dürfen, gehört eigentlich ins Feuerwehrgesetz.“


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