30.11.2017, 14:26 Uhr

Initiative geht ins Dialogforum Anwohner stellen ihr Verkehrskonzept für den Anger vor

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

„Die vierspurige Autobahn am Anger ist ein absolut anachronistischer Zustand und muss auf zwei Fahrbahnen zurückgebaut werden!“, das ist eine der Kernforderungen in dem vierseitigen, umfassenden Verkehrskonzept, das die „Angerer“ gestern Abend diskutiert und auf den Weg gebracht haben. Damit werden sich die Angerer dann auch im Dialogforum einbringen.

PASSAU „Die Ursache des Problems ist eigentlich ganz einfach: Die Menschen in den täglichen Blechlawinen stehen nicht im Stau, sie sind der Stau! Und den dadurch verursachten Lärm und Schadstoffen ist nur mit zukunftsorientierter Mobilität beizukommen“ sagt Angerer-Sprecher Max Moosbauer.

Die Zielvorgabe für die Angerer dabei: Mobilität und Ökologie auf einen Nenner zu bringen. In dem vierseitigen Papier werden sowohl kurzfristige, als auch Ideen und Vorschläge, die weit in die Zukunft reichen, aufgeführt. Sie sollen helfen, den drohenden Verkehrsinfarkt zu stoppen, die Lebensqualität der Bürger in den Vordergrund stellen und den Individualverkehr in der Stadt sichern.

„Ein schon von anderer Seite ins Gespräch gebrachter Mobilitätsverbund ist dafür die Voraussetzung. Das östliche Niederbayern muss durch ein dichtes Netz an Schienen-, öffentlichem Nahverkehr und zukunftsorientiertem Individualverkehr den Bedürfnissen der Menschen, der ansässigen Wirtschaft und dem Schutz und Erhalt der Natur gerecht werden,“ heißt es in dem Papier. Und weiter: „Die Planung und Verwirklichung dieses Mobilitätsverbunds ist die große Herausforderung der nächsten Jahre. Und sie ist ganz sicher nicht mit einem ‚großen Wurf‘ zu meistern, sondern in mehreren Schritten und Phasen.“

Diese Phasen der Verwirklichung einer zukunftsorientierten Planung für den Anger stellen sich in Stichworten so dar: Umsetzung Lärmaktionsplan und das daraus resultierende Lkw-Nachtfahrverbot in Ilzstadt, Anger und Hacklberg; Machbarkeitsstudie für ein Stadt-Tunnel-Konzept; wirksame Ertüchtigung der schon vorhandenen Nordumfahrung zur A3 sowie der B85 unter Berücksichtigung der ansässigen Wirtschaft; Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr durch die Stadt; Ausbau der P&R-Anlagen zu ökologisch orientierten Umsteigezentren; Rückführung der vierspurigen B12 am Anger auf drei Fahrbahnen, wobei eine Spur ausschließlich dem Busverkehr und Polizei- und Rettungskräften vorbehalten ist; sinnvolle Geschwindigkeitsbegrenzungen sowie wirksame Überwachung; Ausbau eines Radwegs am Anger, sowie E-Bike-Unterstellplätze, Car-Sharing und Anwohner-Parkplätze; Verwirklichung des Stadt-Tunnels.

„Für uns Angerer ist der Lärmaktionsplan ein erster unverzichtbarer Schritt. Darauf haben wir schon vor einem Jahr bei einem Gespräch mit Oberbürgermeister Jürgen Dupper und einem weiteren im März mit der Verwaltung hingewiesen,“ so Moosbauer. Dazu Angerer-Mitstreiter Eugen Kirch: „Unsere intensiven Recherchen haben ergeben, dass Kommunen in Bayern verpflichtet sind, für Lärmbrennpunkte einen Lärmaktionsplan aufzustellen und dass die darin gemachten Lärmminderungsvorschläge auch vom Staatl. Bauamt und der Regierung von Niederbayern nicht mehr ignoriert werden können.“

Das heißt für die lärm- und schadstoffbelasteten Menschen am Anger – in jedem Fall – das Lkw-Nachtfahrverbot zwischen Ilzstadt, Anger und Hacklberg, so die Angerer weiter. Mehrere Fahrbahnsperrungen am Anger mit Lkw-Fahrverboten am Anger hätten bereits gezeigt, dass dies auch heute schon problemlos möglich sei.

Zum Thema „Nordtangente“ heißt es im Verkehrskonzept eindeutig: Keine Nordtangente oder Nordumfahrung wie im BVWP vorgesehen, sondern die wirksame und großräumige Ertüchtigung des Autobahnzubringers Hutthurm-Aicha zur A3. Die den Erfordernissen der heimischen Wirtschaft gerecht wird.

Weniger Fahrbahnen, weniger Verkehr am Anger – lautet das Ziel das Angerer: Um den Anger und die Freyunger Straße vom täglichen Stau-Wahnsinn wirksam zu entlasten, müssen die Voraussetzungen dafür schon zwischen Salzweg und Ilzstadt geschaffen werden – mit moderner Technologie ausgestatteten „Park-and-Ride“-Einrichtungen. Das heißt, der Quell- und Zielverkehr aus und in die Stadt soll dort, wenn irgend möglich, seinen natürlichen Anfang oder Ende haben.

Dazu werden beitragen: Solaranlagen auf den Dächern der „P&R“-Anlage versorgen die Ladestationen, die konkurrenzlos günstig, oder gar kostenfrei zur Verfügung gestellt werden können. Alle damit verbundenen Einrichtungen müssen so kostengünstig gestaltet sein, dass der Verkehrsteilnehmer gar nicht auf die Idee kommt, mit seinem Auto in die Stadt zu fahren.

Außerhalb der verkehrsstarken Stoßzeiten verkehren dann eng getaktete Elektro-Kleinbusse, an deren Haltestellen im Stadtgebiet ausreichend Miet-Fahrräder und E-Bike-Stationen zur Verfügung stehen.

Moosbauer: „Schon heute zeichnet sich unter jungen Leuten der Trend ab, häufig auf ein eigenes Auto zu verzichten. Voraussetzung dafür ist aber, dass der notwendige Individualverkehr gewährleistet ist. Gerade der Anger mit seiner überwiegend studentischen Bewohnerschaft bietet sich modellhaft für eine entsprechende Umgestaltung an.“

Deshalb schlagen die Angerer vor: Ein großzügiges E-Car-Sharing-Netz stellt die notwendige Individual-Mobilität sicher und lindert wirkungsvoll die Parkplatznot. In der Folge werden die vier Fahrbahnen am Anger auf zwei Spuren zurückgebaut, um Platz zu schaffen für eine separate Spur ausschließlich für den Öffentlichen Nahverkehr, Polizei- und Rettungsfahrzeugen, sowie für einen Fahrradweg. Über den gesamten Bereich Ilzstadt, Anger und Hacklberg werden dann großzügig verteilt überdachte Fahrradparkplätze, Mietstationen für Fahrräder, E-Bike und Fahrrad-Lastenanhänger, sowie mehrere Car-Sharingstationen eingerichtet. Diese Einrichtungen müssen eng mit dem Öffentlichen Personennahverkehr abgestimmt sein und sich sinnvoll ergänzen.

„Der Stadt-Tunnel ist in diesem Zusammenhang für uns die Vision in die Zukunft,“ sagt Eugen Kirch. Und weiter:“ Es gibt diesen Glücksfall wohl nur ganz selten in den Städten - dass ohne Kahlschlag direkt am Zentrum ein neuer Ortsteil entstehen könnte. Ein neues Zuhause für hunderte Familien. Der Anger bietet diese einmalige Chance! Aber, um langfristig Nutzen und Kosten unseres Stadt-Tunnel-Konzepts einschätzen zu können, ist eine Machbarkeitsstudie notwendige Voraussetzung. Nur dann kann überhaupt realistisch diese Vision in die Verkehrs- und Städteentwicklungspläne eingebracht werden.“

Zwischen Ilzstadt, Anger und Hacklberg könnten so alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden für Stadtteile mit mehr Lebensqualität, gesunder Umwelt und lebenswirklicher Mobilität.

So sieht die Realität heute am Anger aus: Auf der vierspurigen, autobahnähnlichen Bundesstraße donnert Tag und Nacht der Verkehr, fast 40.000 Fahrzeuge werden an vielen Tagen auf einer der verkehrsreichsten Straßen Bayerns gezählt. Der Lärm quält die Anwohner dort tagsüber und reißt sie nachts aus dem Schlaf. Nahezu unvermindert dröhnt der Verkehrslärm zur gegenüberliegenden Donauuferseite. Am Anger leben kaum noch Familien, die gut 300 Bewohner dort sind entweder ganz jung, oder ganz alt. Vor allem die Ilzstadt und der Anger können auf lange Sicht nur überleben, wenn es eine gute Balance zwischen den Generationen gibt.

Die Angerer schildern, wie es nach ihrer Ansicht einmal am Anger, Ilzstadt und Hacklberg aussehen könnte: „Vom Verkehr ist nichts mehr zu sehen, stattdessen Kinderspielplätze, Sportplätze, Strandcafé, Biergarten; Elektrofahrzeuge von der Car-Sharing-Station nebenan, die geräuschlos auf der einspurigen Fahrbahn rollen. Und das Allerwichtigste, an der Hangseite fast viele neue Wohnhäuser für junge Familien mit Kindern und seniorengerechte Wohnungen. Mehrgeschossig und manche terrassenartig, die sich harmonisch in das Ensemble der denkmalgeschützten, alten Häusern einfügen. Die bergseitige Bebauung an der Angerstraße wird bis zur Hängebrücke fortgeführt. So entsteht zentrumsnah ein völlig neuer Ortsteil. Das bedeutet auch eine Infrastruktur mit Nahversorgung, Kinder- und seniorengerechte Einrichtungen, Wirtshäuser mit Biergarten als Begegnungsstätten, Uferpromenade als Naherholungsbereich, das schafft auch Arbeitsplätze. Und all diese Einrichtungen können fußläufig werden. Überdies gäbe es die einmalige Chance, dies alles modellhaft nach den Erfordernissen der Ökologie völlig neu zu gestalten.

Und – der Anger, Ilzstadt und Hacklber könnten ein touristisches Erlebnis werden: Denn es sind diese Stadtteile, die den Touristen am Donaukai und auf den Ausflugsschiffen ins Auge fallen. Es soll der Anger sein, wo die Touristen in Cafés und Gastgärten auf dem Weg zum Oberhaus verweilen – und von dort den herrlichen Blick auf die Stadt genießen! Mit kleinen Ausflugsschiffen erreichen die Touristen die Anlegestellen der Stadtteile, informieren sich in einem großzügigen Pavillon über die vielfältige Geschichte der Stadt Passau, ehe sie der Veste Oberhaus zustreben.“


0 Kommentare