24.11.2017, 16:23 Uhr

In der Stadt höheres Armutsrisiko Die Schere zwischen Arm und Reich ist eine zwischen Stadt und Land


Der Schuldenatlas 2017 macht klar: Wer in der Stadt lebt, hat ein viel höheres Armutsrisiko

BAYERN Immer mehr Menschen sind überschuldet. Das geht aus dem aktuellen Schuldneratlas der Creditreform hervor. Das Unternehmen veröffentlicht seit einigen Jahren eines Atlas, aus dem man ablesen kann, wie viele Haushalte in Deutschland nicht mehr in der Lage sind, ihre Schulden zu bezahlen. Der Atlas ist also auch ein Abbild, wie arm und wie reich bestimmte Regionen sind.

Die gute Nachricht vorweg: Das Verlagsgebiet des Wochenblatts, das von Regensburg im Norden über Landshut bis nach Altötting und Burghausen sowie Passau im Süden reicht, gehört fast durchgehend zu den besser gestellten Regionen Deutschlands. Kein Wunder, liegt die Region ja im Süden der Republik, und der Süden ist in Deutschland deutlich wohlhabender als der Norden oder der Osten. Doch der aktuelle Schuldenatlas zeigt auch: Es verschiebt sich gerade etwas gewaltig. Erstens hat die Zahl der überschuldeten Haushalte weiter zugenommen, wenn auch nur leicht: Über 6,9 Millionen Bundesbürger über 18 Jahren sind demnach überschuldet, eine Steigerung von 65.000 Menschen gegenüber dem Vorjahr. Die Schuldnerquote mit 10,42 Prozent in Ostdeutschland ist noch immer höher als im Bundesschnitt mit 10,04 Prozent. Doch die Überschuldung im Westen der Republik nimmt stärker zu. Mit 7,47 Prozent liegt Bayern weit hinter Bundesländern wie Brandenburg (10,12 Prozent überschuldete Haushalte). Weitere Trends sind: Immer mehr Frauen geraten in die Schuldenspirale. Ihre Zahl nahm stärker zu auf 2,7 Millionen Frauen als bei den Männern, die 4,2 Millionen Überschuldete ausmachen. Und die Jugend hingegen wird solider, wenngleich die Quote hier bei 14,06 Prozent liegt, diese aber fällt. 194.000 Menschen ab 70 Jahren gelten als überschuldet, das heißt, sie können ihre Schulden nicht mehr begleichen. Ihre Zahl nahm um 11,5 Prozent zu!

Interessant ist auch: Vor allem der Mittelstand gerät massiv unter Druck. Die Zahl der Überschuldungsfälle aus gehobenen Schichten nahm um 3.000 Fälle auf 1,76 Millionen ab, die Zahl der Fälle aus der Mittelschicht nahm um 69.000 Fälle auf 4,38 Millionen Menschen aber zu. Besonders heikel auch, wie die Creditreform die Zukunft einstuft: Demnach sei „trotz weiterhin positiver konjunktureller Rahmenbedingungen nicht mit einer nachhaltigen Entspannung der privaten Überschuldungslage in Deutschland zu rechnen. Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass die Überschuldungszahlen weiterhin ansteigen werden.“ Das bedeutet auch: Die Kluft zwischen Menschen, die sich nichts mehr leisten können, und jenen, die finanziellen Spielraum haben, nimmt weiter zu.

Doch wie sieht es in der Region aus? Während ganze Regionen im Osten, die Bundeshauptstadt Berlin oder das Ruhrgebiet in weiten Teilen eine Quote von mehr als 14 Prozent Überschuldete aufweisen, sind es in unserer Region vor allem die Städte, die ausscheren. Das Gefälle zwischen den Städten und den Landkreisen hat bei uns auch weiter zugenommen. Beispiel Passau: In der Stadt Passau liegt die Schuldenquote bei fast 10 Prozent, in der Stadt Vilshofen sogar bei 10,5 Prozent. Die Gemeinden im Landkreis Passau hingegen bewegen sich zum größten Teil unter 6 Prozent. Damit gehört das Passauer Land zu den am wenigsten überschuldeten Regionen der Republik!


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