16.09.2020, 11:49 Uhr

Vergessene Heldinnen Kein Pflegebonus für Corona-Reinigungsteam


Im Corona-Zentrum Mühldorf haben sie einen wichtigen Beitrag geleistet, die Richtlinie erfüllen sie aber nicht!

Mühldorf. In der Corona-Krise wurde für zahlreiche Menschen, die sich mutig mit all ihrer Kraft gegen die Pandemie stemmten, viel Beifall geklatscht. Vom Sanitäter bis hin zum Kranken- und Altenpfleger wurden Helden geboren. Als Dankeschön und Anerkennung rief die Regierung zurecht den Pflegebonus ins Leben, der nur leider nicht alle erreicht, die ihn moralisch verdient hätten. Und so gibt es sie, die vergessenen Corona-Helden. Trauriges Beispiel hierfür ist das „Corona-Reinigungsteam“ am Behandlungszentrum für COVID19-Patienten im Mühldorfer InnKlinikum.

Es ist dieser eine Standardsatz in der Ablehnungsbegründung des Bayerischen Landesamts für Pflege, der den Reinigungskräften die Zornesröte ins Gesicht treibt: „Sie erfüllen nicht die in dieser Richtlinie vorgesehenen Voraussetzungen für die Bewilligung des Corona-Pflegebonus.“ Zumal nur ein paar Zeilen weiter oben klar von einem Ermessensspielraum bei dieser freiwilligen Zuwendung die Rede ist. Doch gilt der scheinbar nicht für Menschen, die zur Corona-Hochphase in einem Behandlungszentrum für COVID19-Patienten zwischen Schwerstkranken geputzt und sogar Totenbetten gereinigt haben.

Das InnKlinikum, dessen Tochtergesellschaft KMS der Arbeitgeber des „Corona-Reinigungsteams“ ist, bedauert die Entscheidung des Landesamts für Pflege: „Die Reinigungskräfte des InnKlinikum Altötting und Mühldorf haben mit ihrer Tätigkeit einen wichtigen Beitrag für die Bewältigung der Corona-Pandemie geleistet. Deshalb bedauern wir, dass sie beim Pflegebonus nicht berücksichtigt worden sind. Die Entscheidung darüber trifft aber nicht das InnKlinikum sondern das Bayerische Landesamt für Pflege”, so Mike Schmitzer, Pressesprecher des InnKlinikum.

„Wir haben alles gegeben und nichts bekommen“, sagen sechs Putzfrauen aus dem „Corona-Reinigungsteam“. Physisch und auch psychisch seien sie in den vergangenen Monaten an ihre Grenzen gegangen. „Wie alle anderen Menschen waren auch wir verunsichert, schließlich wusste niemand Genaueres über das neue Coronavirus. Und trotzdem haben wir fast im Akkord geschuftet, weil ohne uns wäre nichts mehr gegangen“, sind sich die Sechs einig. Und obwohl sie dabei dem Virus zwangsläufig sehr nahe kamen, haben sie es geschafft, dass sich keine einzige aus dem insgesamt 13-köpfigen Team angesteckt hat – eine starke Leistung, die vom Landesamt für Pflege nur leider nicht gewürdigt wird.