28.10.2019, 13:53 Uhr

Klimaschutztag 2019 Solarenergie umweltfreundlich und wirtschaftlich genutzt

Station bei der Exkursion am Nachmittag: Bürgersonnenkraftwerk in Niederbergkirchen. (Foto: Stadt Mühldorf am Inn)Station bei der Exkursion am Nachmittag: Bürgersonnenkraftwerk in Niederbergkirchen. (Foto: Stadt Mühldorf am Inn)

„Mit Sonne Rechnen“ unter diesem Motto lud das Landratsamt Mühldorf am Inn zum diesjährigen Klimaschutztag beim Pauliwirt in Erharting ein. Ein abwechslungsreiches Programm erwartete die Besucherinnen und Besucher zu den Themen Strom und Wärme mit Sonnenenergie.

ERHARTING. In seinem Grußwort betonte Herr Landrat Georg Huber, dass die Themenbereiche Klimaschutz und Energiewende eine zentrale politische und gesellschaftliche Herausforderung darstellen und auch bei den Kommunalwahlen eine wichtige Rolle spielen werden. Nach der Begrüßung gab Peter Pospischil von der Energieberatung der Verbraucherzentrale Bayern einen allgemeinen Einstieg zur Nutzung von Solarenergie in Gebäuden. Informationen zur Dimensionierung der Anlagengröße sowie zur Deckung eines bestimmten Eigenanteils wurden ergänzt um aktuelle Fördermöglichkeiten. Eine Übersicht zu den Angeboten der Verbraucherzentrale zeigte, dass für die verschiedensten Fragestellungen egal ob zur Gebäudehülle, der Heizung oder Solarenergie passende Beratungen genutzt werden können. Um direkt die Möglichkeiten zur Nutzung von Solarenergie in den eigenen vier Wänden anzugehen wurden in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Bayern Gutscheine für einen Eignungs-Check Solar verlost. Richard Weindl von der Solar-Partner Süd GmbH gab anschließend einen Einblick in die Flexiblen Montagemöglichkeiten von Solarthermie-Kollektoren. Anschaulich wurde deutlich, dass nicht nur Dächer genutzt werden können. Ob Fassaden, Wintergärten oder Balkonbrüstungen, die Installation kann sehr vielseitig sein. Interessant hierbei, bei senkrechter Installation, zum Beispiel an Fassaden, werden immer noch 80 Prozent der Leistung wie bei optimaler Neigung erreicht. Ein weiterer Themenschwerpunkt waren PV-Anlagen in Kombination mit Speichern und E-Autos. Der langjährige Experte der Branche Hans Urban lieferte einen umfassenden Einblick in die Nutzung regenerativer Energien zur eigenen Stromversorgung sowie zur Mobilität in Form von Elektroautos. Auch auf die Notwendigkeit zum Handeln machte Herr Urban Eingangs zu seinem Vortrag nochmal aufmerksam. Bei der Wirtschaftlichkeit der eigenen PV-Anlage auf dem Dach spielt heute der Eigenverbrauch eine entscheidende Rolle. Bezugskosten für Strom in Höhe von ca. 30 Cent/kWh bei einem Stromanbieter stehen 10 Cent/kWh an Kosten für die eigene Solarstromerzeugung gegenüber. Bei der optimalen Dimensionierung der Anlage kann man sich an dem eigenen Stromverbrauch pro Jahr orientieren. Beträgt dieser z.B. im Haushalt durchschnittlich 5.000 kWh/Jahr ist eine PV-Anlage mit einer Leistung von mindestens 5 kW ideal, optional kann die Anlage noch mit einem Speicher (5 kWh) ergänzt werden. Abschließend appellierte Hans Urban dafür, die Technik die es längst gibt und aktuell zur Verfügung steht zu nutzen. Nach den vielen Praxisvorträgen stand schließlich noch ein Vortrag von Micha Klewar, Rechtsanwalt bei Becker Büttner Held auf dem Programm. Er beleuchtete die Rahmenbedingungen für die Nutzung von Strom aus alten und neuen PV-Anlagen.

Am Nachmittag rundete eine Busexkursion zu bereits umgesetzten Praxisbeispielen das Programm ab. Hans Holz, Initiator mehrerer Bürger-Solaranlagen berichtete von der ersten Idee bis zur Umsetzung der Anlagen in Niederbergkirchen. In Niederbergkirchen, mehrmaliger Sieger der Solarbundesliga, wird aktuell die 3,5 fache Menge an Strom der in der Gemeinde verbraucht wird, bilanziell, nur durch PV-Strom erzeugt. Die neuen Freiflächenanlagen wurden in Ost-West Ausrichtung installiert. Auf diese Weise konnte bis zu 1 MW pro Hektar Fläche installiert werden. „49 Gesellschafter haben mit ihrer Einlage von 666.000 Euro die Bürgersonnenkraftwerk 9 Niederbergkirchen GbR mit einer Größe von 549 KWp finanziert. Bereits mit einer Einlage von 4.000 Euro kann ein Gesellschafter seine Familie mit 3-4 Personen mit gutem Gewissen zu 100 Prozent versorgen“, so Hans Holz. Einen Einblick in die Wärmeversorgung hauptsächlich durch Sonnenenergie bekamen die Besucher bei den Familien Schmid in Niedertaufkirchen die seit 10 bzw. 20 Jahren in einem Sonnenhaus wohnen. Der zusätzliche Wärmebedarf wird durch eine Stückgutheizung bereitgestellt. Hier werden zusätzlich 4 Ster Holz für das Haus in Holzbauweise sowie 6 Ster Holz pro Jahr für das Haus in Ziegelbauweise benötigt. Die Wohnfläche beträgt jeweils ca. 200 m². Die einzelnen Vorträge der Referenten stehen unter klimaschutz.lra-mue.de im Rahmen einer Veranstaltungsdokumentation des Klimaschutztages 2019 zur Verfügung. Wer sich ebenfalls über die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten von Sonnenenergie im eigenen Haus informieren möchte, kann die kostenlosen Bürger-Energiesprechstunden des Landratsamtes Mühldorf am Inn nutzen. Terminvereinbarung unter: 08631/699-357.


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