11.10.2019, 14:57 Uhr

Große Resonanz auf Fachtag Wie man Altersarmut umgehen kann

Prof. Dr. Irene Götz präsentiert die Ergebnisse der Studie „Kein Ruhestand. Wie Frauen mit Altersarmut umgehen“. (Foto: Landratsamt Mühldorf)Prof. Dr. Irene Götz präsentiert die Ergebnisse der Studie „Kein Ruhestand. Wie Frauen mit Altersarmut umgehen“. (Foto: Landratsamt Mühldorf)

Das Thema „Armut im Alter“ gewinnt zunehmend an Brisanz aufgrund des steigenden Risikos und der Anzahl der Betroffenen durch den demographischen Wandel. Umso mehr freuten sich die Fachstelle für Senioren und die Mitorganisatoren Caritas und VdK Mühldorf über die große Teilnehmerzahl beim ersten Fachtag „Armut im Alter“ im Landratsamt.

MÜHLDORF AM INN. Es kamen Haupt- und Ehrenamtliche aus allen Bereichen der Begleitung, Betreuung und Pflege von Senioren sowie Vertreterinnen und Vertretern der Städte, Märkte und Gemeinden im Landkreis. Die Referenten, darunter Prof. Dr. Irene Götz von der LMU München, Jessica Sossau-Thiede von der Insolvenz- und Schuldnerberatung der Caritas und Achim Werner vom Sozialverband VdK Bayern erörterten die Ursachen von Altersarmut und definierten zentrale Handlungsfelder. Matthias Burger von der Fachstelle für Senioren im Landratsamt präsentierte aktuelle Zahlen aus dem Landkreis. 670 Grundsicherungsempfänger im Alter verzeichnet der Landkreis Mühldorf am Inn, davon sind 59% Frauen. Diese Zahl unterstützt die These, dass Frauen eine besonders starke Risikogruppe darstellen. Die Gründe liegen unter anderem in Erziehungszeiten und Teilzeit-Arbeit. Insbesondere bei Scheidungen besteht für Frauen die Gefahr, im Rentenalter über kaum mehr als 60 % des durchschnittlichen Pro-Kopf-Nettoeinkommens des Heimatlandes zu verfügen, was der Definition von Altersarmut der Europäischen Kommission entspricht. Die Referenten waren sich einig, dass präventiv und damit weit vor dem Beginn der dritten Lebensphase, angesetzt werden muss, um das Risiko von Altersarmut zu senken. Als zentrale Handlungsfelder für Politik beziehungsweise Wirtschaft definierten sie die Konsolidierung des Rentensystems, die Förderung des sozialen Wohnungsbaus und Mietpreisregulierungen sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen, die den Veränderungen bis zum Eintritt des Rentenalters Rechnung tragen, vor allem aber auch ein sicheres Auskommen und damit auch Rücklagen ermöglichen. Ebenso sprachen sie sich für eine Einführung der Grundrente aus. Ein weiterer Fokus liegt auf der Informations- und Beratungsarbeit zu den Risiken der traditionellen Zuverdiener-Rolle für Frauen und einer verbesserten Aufklärung über Unterstützungsmöglichkeiten und Rechtsansprüche von Betroffenen. Diese verzichten teilweise auf Hilfen nicht aus Unkenntnis, sondern aus Scham. Denn Armut im Alter, aber auch in der Gesellschaft, ist weiterhin ein Tabuthema. Hier gilt es auch Familien, Nachbarschaften sowie Kommunen dafür zu sensibilisieren. Der Landkreis Mühldorf a. Inn geht diese Problematik daher bewusst und offen an. Die Fachstelle für Senioren ist sowohl zentraler Ansprechpartner für die von Armut betroffenen älteren Bürger im Landkreis als auch für die verschiedenen sozialen Netzwerke. Sie unterstützt bei der Antragstellung sozialer Hilfen nach SGB XII, vermittelt Spendengelder, informiert über und vermittelt in Hilfsangebote im Landkreis vor Ort. Dafür arbeiten die Senioren-Fachberater eng mit den kirchlichen und sozialen Verbänden und Vereinen in privater Trägerschaft zusammen. Die aufsuchende Seniorenberatung des Landratsamtes hat dabei zum Ziel, Senioren zu unterstützen, möglichst lange ein eigenständiges Leben führen zu können - mit Vermittlung von Kontakten und weiterführenden Hilfen bei Betreuungsbedarf oder in Zusammenarbeit mit mildtätigen Organisationen wie „Lichtblicke-Mühldorf“ und dem Verein „Lichtblick Seniorenhilfe“ bei finanziellen Bedarfen.


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