13.03.2019, 15:51 Uhr

Mühldorfer Hart Die „unverheilte Wunde“ soll geschlossen werden


Der Bereich des „Fliegerbunkers“ soll durch eine Spezialfirma von Kampfstoffen befreit werden.

MÜHLDORF „Weingut I“ lautete der harmlos klingende Deckname eines Rüstungsprojekts Adolf Hitlers im sogenannten „Mühldorfer Hart“ im Landkreis Mühldorf. 1944 starteten dort die Bauarbeiten an einem gigantischen, halbunteridischen Rüstungsbunker für die Produktion des als kriegsentscheidend eingestuften Flugzeugs „Messerschmitt Me 262“. Etwa 4.000 KZ-Häftlinge verloren während der Bauarbeiten das Leben.

Der Einmarsch der US-Truppen im Mai 1945 verhinderte die Fertigstellung und 1947 wurden mit 120 Tonnen TNT sechs von sieben Bunkerbögen gesprengt.

Im Herbst 2018 wurde das Gelände auf Kampfmittel untersucht und es stellte sich heraus, dass sich im Erdreich noch Sprengstoff, Munition und Granaten befinden.

Wie das Landratsamt Mühldorf am Freitagvormittag in einer Pressekonferenz mitteilte, wird das Areal schon bald von diesen Hinterlassenschaften befreit.

Landrat Georg Huber lobte ausdrücklich das jahrelange Engagement von Staatssekretär Stephan Mayer und dem früheren bayerischen Umweltminister Dr. Marcel Huber. „Diesen beiden ist es zu verdanken, dass der Freistaat und die Bundesregierung schließlich die Kosten für diese Kampfmittelbeseitigung übernehmen und nicht die privaten Grundstücksbesitzer dafür aufkommen müssen“, so Georg Huber.

Landrat Georg Huber betonte, dass der Freistaat und die Bundesregierung rechtlich nicht verpflichtet gewesen wären, die Kosten zu übernehmen, die einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“ ausmachen würden.

Beauftragt wurde die Spezialfirma „IBH Weimar“. Deren Projektleiter Dipl. Ing. Thomas Hennicke berichtete, dass auf dem Bunkergelände unter anderem 127 Sprengtrichter gefunden worden seien. Hier habe man in der Vergangenheit versucht, Munition zu sprengen, jedoch mit zweifelhaftem Erfolg: „Ein Drittel davon wurde gesprengt, ein Drittel ist weggeflogen und ein Drittel in den Boden gedrückt.“ 30 Spezialisten werden das rund 100 Hektar große Gebiet sondieren und mit Hacken oder Minibaggern säubern. Kleine Sprengstoffpartikel sollen mit einem speziellen Verfahren so mit dem Erdreich verbunden werden, dass von ihnen keine Gefahr mehr ausgeht. Die umfangreichen Arbeiten werden bereits im Mai 2019 mit der Kampfmittelräumung des Umgebungsbereichs beginnen. Die Räumung im Kernbereich des Bunkergeländes soll im Frühjahr 2020 starten. Wie lange die Maßnahme insgesamt dauern wird, hängt von den Witterungsbedingungen im Winter ab.

Die 56 betroffenen Grundstückseigentümer haben ihren Beitrag zu einem schnellen Projektstart bereits geleistet. Jeder von ihnen hat die Einverständniserklärung unterschrieben.

Dr. Marcel Huber bezeichnete die bisherige Situation im Mühldorfer Hart als „unverheilte Wunde“. Die Grundstückseigentümer seien damals von den Nazis vor dem Bunkerbau nicht gefragt worden und müssten seither mit der Situation leben. Diese „Wunde“ werde nun endlich geschlossen.

Parallel zur Kampfmittelräumung wird die Errichtung einer Gedenkstätte im Mühldorfer Hart vorangetrieben, die künftige Generationen an dieses dunkle Kapitel der Geschichte des Landkreises Mühldorf erinnern soll.


0 Kommentare