09.10.2019, 11:09 Uhr

Abfall-Ärger Stadt baut Grüngutcontainer wegen Müllsündern aus dem Landkreis ab


Die Stadt Landshut baut erstmals einen Containerstandort für Grüngut ab. Der Grund dafür sind Müllsünder aus dem Landkreis, die den Container vor allem an Sonntagen mit ihren Gartenabfällen vollgestopft hatten. Nachdem es massive Beschwerden von Anwohnern gab, überwachte die Verwaltung mit einer Video-Kamera den Standplatz – und staunte bei der Auswertung über die massive Anzahl an Verstößen.

LANDSHUT Im Mai hatte sich ein Anwohner massiv über die Zustände am Grüngutcontainer-Standplatz in der Äußeren Münchener Straße beschwert. 62 Fahrzeuge zählte er innerhalb weniger Stunden an einem Sonntag, die Grünschnitt und Gartenabfälle anlieferten. Eine massive Ruhestörung am Sonntag, die der Anwohner nicht mehr hinnehmen wollte. Nach der Berichterstattung im Wochenblatt hat die Stadt den Platz mit Kameras überwacht und eine Vielzahl an Verstößen aufgezeichnet. Die meisten Müllsünder kommen aus dem Landkreis. Deshalb wird der Standort jetzt dicht gemacht. „So etwas habe ich in meiner Karriere auch noch nicht erlebt, dass ich beantragen muss, einen Standort zu schließen“, so Richard Geiger vom Fachbereich Umweltschutz und Abfallwirtschaft.

„Das ist der Wahnsinn, was hier jeden Sonntag passiert“, hatte Günther W. (Name von der Redaktion geändert) im Mai berichtet. Er erzählte von Unternehmen aus dem Landkreis, die ihren Abfall kostengünstig auf Kosten der Stadt entsorgt hätten und von Gartenbesitzern aus dem Landkreis Landshut, die immer wieder sonntags hier ihren Grünschnitt entsorgt hätten, weil die Wertstoffhöfe da geschlossen hätten. Die Container in der Äußeren Münchner Straße waren deshalb in der Gartensaison regelmäßig überfüllt. Die Leute hätten ihren Abfall dann einfach daneben entsorgt. „Um 7.30 Uhr geht das am Sonntag hier schon los“, so Günther W. – und er beschwerte sich bitter darüber, dass die Stadt gegen diese Missstände nichts unternehme. Entsprechende Beschwerden hätten jedenfalls nichts gebracht, schilderte er die Situation.

Nach der Berichterstattung kam dann Bewegung in die Angelegenheit. Es wurde eine Kameraüberwachung aufgebaut. Vom 29. Mai bis 4. Juli zeichnete die alle Bewegungen am Standort auf. Insgesamt 22.628 Bilder wurden geschossen. Die Auswertung, so Geiger, hätten „Wahnsinnszahlen“ ergeben.

In dieser Zeit wurden insgesamt 658 Ordnungswidrigkeiten aufgezeichnet. „Davon wurden zehn von Bürgern aus dem Stadtgebiet Landshut begangen“, berichtete er am Montag dem Umweltsenat. 648 Müllsünder stammten aus dem Landkreis Landshut. „Da es sich teilweise um Wiederholungstäter handelte, verbleiben 403 beschuldigte Personen aus dem Landkreis“, so Geiger. Nach den Anhörungen mussten einzelne Verfahren wieder eingestellt werden, da bei den Anhörungsverfahren nachgewiesen werden konnte, dass die abgegebenen Gartenabfälle tatsächlich aus dem Stadtgebiet stammten.

Mit an der Situation schuld, davon ist die Verwaltung überzeugt, ist die exponierte Lage des Containerstandortes direkt neben der Bundesstraße B11. Eine Verbesserung erhofft man sich dadurch, dass der Containerstandplatz verlegt und nicht mehr so leicht zu erreichen ist und nicht mehr direkt neben der Wohnbebauung liegt. „Die Beschwerdesituation war extrem“, sagte Geiger. Deshalb wird der Grüngutcontainer jetzt unter der Achdorfer Eisenbahnbrücke in der Pettenkoferstraße platziert. Damit besteht für den nördlichen Bereich des Stadtteils Achdorf weiterhin eine Entsorgungsmöglichkeit für Gartenabfälle.

Gute Erfahrungen mit einer Verlegung hatte man bereits mit den Grüngutcontainern bei der ETSV09-Halle gesammelt. Nachdem die Situation dort unerträglich geworden war, hatte man ihn „einfach ein paar Meter weiter um die Ecke“ platziert. Seitdem, so Geiger, gäbe es keine Probleme mehr.

Durch die Lage abseits der Bundesstraße rechnet die Verwaltung auch in Achdorf mit deutlich weniger Befüllungen durch Nichtberechtigte. Die Stadträtinnen Elke März-Granda (ÖDP) und Hedwig Borgmann (Grüne) sahen das allerdings kritisch und befürchten, dass sich durch die Verlegung nichts ändern wird. Nach einem Jahr soll dem Senat deshalb über die Situation wieder berichtet werden.

Dem Vorschlag der Standortschließung folgte dann auch der Großteil des Gremiums mit 8:2 Stimmen.


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