02.09.2019, 17:47 Uhr

Buntes Spektakel mit politischer Botschaft AfD auf Niederbayerns erstem CSD nicht willkommen

Die Queer-Vorsitzenden Herbert Lohmeyer und Marlene Schönberger freuen sich auf Niederbayerns ersten Christopher Street Day. (Foto: Schmid)Die Queer-Vorsitzenden Herbert Lohmeyer und Marlene Schönberger freuen sich auf Niederbayerns ersten Christopher Street Day. (Foto: Schmid)

Der erste Christopher Street Day in Niederbayern startet am Samstag, 28. September, in Landshut. Der Veranstalter, der neu gegründete Verein „Queer in Niederbayern“, hat am Montag bekannt gegeben, wie der Tag ablaufen soll – und wer ausdrücklich nicht willkommen ist.

LANDSHUT „Himmel Landshut, Tausend Landshut!“, so rufen sich die Darsteller beim Umzug der Landshuter Hochzeit und das Publikum auf den Tribünen bei dem weltbekannten Mittelalterspektal in Landshut zu. Ganz so gewaltig wird die Parade am 28. September in der niederbayerischen Bezirkshauptstadt nicht ausfallen. Das Motto des ersten niederbayerischen Christopher-Street-Days nimmt in leicht abgewandelter Form trotzdem Bezug zu dem berühmten Historienfest. „Himmel Landshut, Tausend Farben! Mia san do dahoam!“, lautet das. „Uns ist klar, dass das wahrscheinlich zu Diskussionen führen wird. Aber das nehmen wir in Kauf“, so Herbert Lohmeyer und Marlene Schönberger, Vorsitzende von Queer in Niederbayern.

Auf einer Pressekonferenz am Montag in Landshut haben die beiden das Programm und den Ablauf der ersten Schwulen- und Lesbenparade in Niederbayern vorgestellt. Dabei machten die beiden klar, dass der erste CSD in Landshut weit mehr ist, als ein buntes Spektakel. „Wir transportieren damit auch knallharte politische Forderungen“, so die beiden Queer-Vorsitzenden. Es gehe hier nicht nur um Toleranz, sondern vor allem auch um Akzeptanz. „Auch in Niederbayern sind fünf bis zehn Prozent der Gesellschaft schwul, lesbisch, in irgendeiner Art queer. Aber nirgends sind diese Menschen unsichtbarer als in Niederbayern“, so Lohmeyer. Im ganzen Bezirk gebe es keine Anlaufstelle für schwule, lesbische, bi- und transsexuelle Menschen.

„Solange junge Menschen Schwierigkeiten haben, ihren Eltern zu sagen, dass sie schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell sind, solange „schwul“ auf dem Schulhof als Schimpfwort gilt und queere Menschen auf der Straße Gewalt fürchten müssen und die Selbstmordrate unter nicht heterosexuellen Jugendlichen deutlich erhöht ist, so lange müssen wir auf die Straße gehen und laut sein, bis in das kleinste Nest hinein“, so Schönberger. Ein politisches Echo haben die Veranstalter schon jetzt. Für den ersten niederbayerischen CSD hat sich politische Prominenz angesagt. Als Rednerin hat Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/ Die Grünen) zugesagt.

Mit dabei sein werden auch MdL Sebastian Körber (FDP) und die Landtagsabgeordnete Tessa Ganserer (Grüne). Sie ist die erste transidente Politikerin in einem deutschen Parlament. Gewählt worden war sie noch als Markus Ganserer, im letzten Jahr folgte dann das Outing. Schirmherr der Veranstaltung ist Oberbürgermeister Alexander Putz, seine Teilnahme zugesagt hat auch Landrat Peter Dreier.

Die Parade, fest zugesagt haben bisher 300 Teilnehmer, soll um 14 Uhr auf dem Bismarckplatz starten und über die Zweibrückenstraße, den Postplatz, die Altstadt zum Ländtorplatz ziehen. Angeführt wird sie von einem regenbogenfarbenen Elektro-BMW. Der Automobilhersteller ist Sponsor des CSD. Von 15 bis 22 Uhr wird dann am Ländtorplatz gefeiert. Es gibt Infostände und eine Podiumsdiskussion. Highlight soll eine Travestie-Show der „HERRlichen GRAZIEN“ werden.

Obwohl sich an dem Umzug jeder beteiligen kann, der möchte, gibt es eine Ausnahme: „Mitglieder der AfD und rechtsradikale Gruppierungen sind bei uns nicht willkommen“, so die beiden Vorsitzenden von Queer in Niederbayern e. V.


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