10.07.2019, 11:01 Uhr

57 Konzessionen für die Stadt Wie viele Taxen braucht die Stadt Landshut tatsächlich?

Foto: madrabothair/123RF (Foto: madrabothair/123RF)Foto: madrabothair/123RF (Foto: madrabothair/123RF)

Politikern wirft man gerne vor, dass sie weltfremd sind und nicht mitten im Leben stehen. Doch als CSU-Stadtrat Lothar Reichwein bei der letzten Dult gegen Mitternacht aus dem Bierzelt kam und ein Taxi rufen wollte, da ging es ihm wie allen: Der Stadtrat musste zu Fuß nach Hause. Ein Taxi zu bekommen, war ein Ding der Unmöglichkeit. „Kann doch nicht sein“, dachte sich Reichwein und stellte einen Antrag an den Verkehrssenat. Weil einige Stadträte bemängelten, dass die Taxi-Situation nicht nur zu Stoßzeiten eher unbefriedigend ist, soll sich jetzt die Verwaltung um das Thema kümmern.

LANDSHUT „Die Verwaltung soll vor zukünftigen Dulten sowie Großveranstaltungen mit den Taxiunternehmen sprechen, damit diese eine ausreichende Anzahl an Taxis vorhalten“, so lautete Reichweins ursprünglicher Antrag.

Gut gemeint, aber das, glaubt man Rechtsdirektorin Claudia Kerschbaumer von der Verwaltung, passiert das sowieso bereits. Großveranstaltungen seien schließlich die Tage mit den größten Umsätzen. Da würden alle 57 Taxis fahren. Ihr Tipp, um doch noch ein Taxi zu bekommen: Einfach früher raus aus dem Bierzelt und nicht dann ein Taxi rufen, wenn alle anderen das auch machen.

Seitens der Taxi-Unternehmen ist die Sache eindeutig. Es gebe definitiv nicht zu wenige Fahrzeuge in der Stadt, sagte der Vorstand der Taxi-Zentrale, Werner Jessinghaus bereits vor einigen Wochen nach Reichweins Vorstoß zum Wochenblatt. „Wenn 100 Leute um 23.30 Uhr gleichzeitig aus dem Bierzelt kommen und gleichzeitig eines der Taxis wollen, dann kann es nicht funktionieren.“ Fahrgäste, die mitdenken, würden sich bereits um 22.45 Uhr um ein Taxi kümmern. Die Nachfrage unter der Woche sei dagegen überschaubar. Zudem sei es nahezu unmöglich, noch Fahrer zu finden.

Mehr Konzessionen könne man jedenfalls nicht einfach so herausgeben, sagt auch die Verwaltung. Der Grund: Die Anzahl der Fahrzeuge muss „verträglich“ für die Stadt und damit natürlich auch für die Unternehmen sein. Basis für die Ermittlung dieser Zahl ist eine umfangreiche Überprüfung durch die Industrie- und Handelskammer. Dabei wird die Auftragslage überprüft, die „Taxi-Dichte“ in der Stadt, die Entwicklung der Ertrags- und Kostenlage und die Anzahl der Ursachen von Geschäftsaufgaben. Heraus kam dabei für Landshut die Zahl von 57 Fahrzeugen. Das Problem: Die Verwaltung konnte nicht beantworten, wann die letzte Überprüfung genau stattgefunden hat. Und gefühlt sahen es auch andere Stadträte so wie Reichwein, dass es vor allem an den Wochenenden nicht einfach ist, ein Taxi zu bekommen.

Laut Stadträtin Patricia Steinberger (SPD) sei es durchaus so, dass man auch an ganz normalen Wochenenden bis zu einer Stunde warten müsse, bis man ein Taxi bekomme. Ähnlich sah es auch Karina Habereder (Junge Liste) und Raziye Sarioglu (Grüne) kam die Zahl von 57 „sehr mager“ vor. Stadtrat Norbert Hoffmann (FDP) plädierte dann dafür, doch erst einmal zu klären, wann denn die letzte Überprüfung der Konzessionen stattgefunden hat. Ein weiterer Vorstoß ging in die Richtung, dass der ÖPNV sein Angebot den Stoßzeiten anpasst.

Die Verwaltung muss sich also noch einmal mit dem Thema befassen – und vielleicht muss Stadtrat Reichwein in Zukunft doch nicht früher aus dem Bierzelt raus.


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