18.04.2019, 08:32 Uhr

Neue Geschäftsführung Nicht sparen im Klinikum und trotzdem runter vom Riesen-Defizit

Gut gelaunt trotz tiefroter Zahlen: der neue Geschäftsführer des Klinikums, Dr. Philipp Ostwald.Foto: Schmid  (Foto: Schmid)Gut gelaunt trotz tiefroter Zahlen: der neue Geschäftsführer des Klinikums, Dr. Philipp Ostwald.Foto: Schmid (Foto: Schmid)

Carlotta wuselt neugierig durchs Büro. Dr. Philipp Ostwald nimmt sein Havaneser-Hündchen, das an diesem Tag dabei ist, auf seinen Schoß. Der neue Geschäftsführer des Klinikums ist gut gelaunt, sitzt entspannt am Besprechungstisch und lächelt zuversichtlich. Das ist durchaus erstaunlich angesichts der Lage, in der sich das Klinikum befindet. 2018 sechs Millionen Miese, heuer erwartet man ein Zehn-Millionen-Minus. Und Ostwald, seit Jahresanfang als Geschäftsführer im Amt, soll das ändern. Eine Mammutaufgabe. „Es ist gut gelaufen“, erzählt der 52-Jährige von seiner ersten Sitzung mit dem Aufsichtsrat. „Ich habe das Gefühl, dass ich der richtige Mann am richtigen Ort bin“, sagt Ostwald. Seine ersten 100 Tage im Job sind rum, jetzt geht‘s ans Eingemachte.

LANDSHUT Was das Rathaus vom neuen Klinikums-Manager, ein studierter Mediziner, erwartet, hört sich erst einmal unmachbar an: Er soll das gewaltige Defizit des Klinikums abbauen. Und das natürlich so, dass die Qualität der medizinischen Versorgung, Patienten und die Belegschaft darunter nicht leiden. Wie soll das gehen?

„Man kommt relativ schnell an die Punkte, wo man sieht, dass es Optimierungsmöglichkeiten gibt“, sagt Ostwald. Er meint damit die internen Abläufe, die Kommunikation im Haus und vor allem das Thema wirtschaftliches Denken. „Wobei ich jetzt nicht sagen will, dass die Mitarbeiter nicht wirtschaftlich denken. Es geht eher um die wirtschaftliche Steuerung. Darum, dass man Transparenz schafft, damit die Mitarbeiter überhaupt wirtschaftlich handeln können. Da können wir viel besser werden“, sagt der 52-Jährige.

Grundsätzlich könne man auch ein kommunales Krankenhaus mit seinem klar definierten Versorgungsauftrag wirtschaftlich führen, auf alle Fälle aber sei es möglich, für das Klinikum ein viel niedrigeres Defizit zu erreichen. „Mein Paradigma ist nicht sparen, sondern Mittelfehlverwendung eindämmen. Darunter verstehe ich zum Beispiel zu wissen, dass ein ambulanter Notfall nur 30 Euro bringt. Es macht keinen Sinn, für 30 Euro die komplette diagnostische Latte inklusive CT und MR anzubieten.“ Sinnlose Ausgaben im Klinikum, das gebe es. „Und es gibt die Transparenz noch gar nicht, um zu sehen, was wo gemacht wird“, lautet Dr. Ostwalds Diagnose nach der ersten eingehenden Untersuchung des Patienten Klinikum. „An dieser Transparenz arbeite ich gerade. In drei Monaten haben wir aussagekräftige Zahlen. Dann gehen wir in die Umsetzung und Diskussion“, sagt er.

Aus Abteilungen werden dann „Profit Center“, Kosten und Erlöse würden aufgelistet und transparent gestaltet. Den Aufwand der Dokumentation hätte das medizinische Personal ja sowieso. Auch die notwendige Software sei vorhanden. „Das wurde nur nicht durchgehend genutzt“, so Ostwald. Und warum haben das die Vorgänger nicht gemacht? „Wenn man‘s nicht braucht. Ich brauche das für meine Steuerung. Mein Konzept ist es, die Mitarbeiter möglichst viel selbst entscheiden zu lassen, möglichst viel Autarkie und Entscheidungsfreiheit zu geben. Chefärzte und Abteilungsleiter sehe ich als Unternehmer im Unternehmen. Ich will die wirtschaftliche Transparenz schaffen, damit sie selbst wirtschaftlich handeln können. Das ist eine eigene Philosophie.“

Doch wie ist das Klinikum, das vor einigen Jahren noch stolz eine schwarze Null verzeichnet hat, überhaupt so schnell so tief in den roten Bereich gerutscht? Auch darauf hat Ostwald sich schon eine Antwort gefunden: „70 Prozent bei uns sind Personalkosten. Man hat über die letzten vier Jahre die Mitarbeiterzahl um zwölf Prozent gesteigert, die Leistung aber nur um drei Prozent.“ Dazu komme, dass man möglicherweise viele Leistungen erbringe, die schlecht vergütet wären. „Das kann ich aber aktuell noch nicht sagen.“ Das Klinikum sei bislang jedenfalls nicht explizit in Richtung Wirtschaftlichkeit gesteuert worden. Das soll sich jetzt ändern.

Eines wird, so Ostwald, garantiert aber nicht passieren: „Es wird keinen Stellenabbau geben. Wir brauchen die Leute.“ Die sollen eben nur effizienter eingesetzt werden. „Die Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund. Man muss nicht alles machen, es soll nur wirtschaftlich sein. Dazu braucht man die Transparenz. Die habe ich hier nicht so vorgefunden, wie ich es erwartet habe.“


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