28.03.2019, 18:02 Uhr

Millionenprojekt Stadttheater „Keine S-Klasse, aber ein 5er BMW mit solider Ausstattung“

Der Entwurf des Büros „bächlemeid“. Die Planer rechnen mit bis zu 56 Millionen Euro. Die Stadt hat als Ziel 50 Millionen festgesetzt. Foto: Schmid  (Foto: Schmid)Der Entwurf des Büros „bächlemeid“. Die Planer rechnen mit bis zu 56 Millionen Euro. Die Stadt hat als Ziel 50 Millionen festgesetzt. Foto: Schmid (Foto: Schmid)

Noch ist kein einziger Ziegelstein bewegt worden. Doch die Kostenschätzungen für die Sanierung des Stadttheaters steigen stetig weiter. Wie im Bausenat am Freitag bekannt gegeben wurde, rechnen die Gewinner des Architektenwettbewerbs, das Planungsbüro „bächlemeid“, mit Kosten in Höhe von exakt 56.423.433 Millionen Euro und 2 Cent. Noch vor einigen Jahren ging man in Landshut von 25 Millionen Euro Kosten aus, im letzten Jahr rechnete man dann schon mit 37,7 Millionen Euro. Zahlen, bei denen den Kritikern des Projekts, wie zum Beispiel BfL-Stadtrat Bernd Friedrich, ganz schwindelig wird.

LANDSHUT „Wir wollen keinen S-Klasse-Mercedes mit Vollausstattung“, sagt Hans-Zistl-Schlingmann von der Stabsstelle des Baureferates und mit dem Projekt betraut. In was die Stadt einsteigen soll, ist aber ein „5-er BMW mit solider Ausstattung.“ Einen Dacia wolle man jedenfalls nicht fahren. „Dann können wir gleich draußen in der Sparkassen-Arena bleiben.“ Das würde aber einem Landestheater, vor allem im Verbund mit den anderen Spielstätten in Straubing und Passau, nicht gerecht werden.

Dass „bächlemeid“ im Wettbewerb niedriger lag, bei noch 51,250 Millionen, und nun plötzlich auf 56,4 Millionen Euro Kosten kommt, erklärt Zistl-Schlingmann damit, dass die Planer auf der „sicheren Seite“ sein wollen. Als realistischen Maßstab habe die Stadt aber Kosten von um die 50 Millionen Euro definiert. Zum Vergleich: In München leistet man sich mit dem neuen Volkstheater, das 2021 fertig sein soll, eine „S-Klasse“. Da belaufen sich die Baukosten auf 131 Millionen Euro für die Spielstätte mit 600 Sitzplätzen.

Und die 25 bzw. 37,7 Millionen Euro, von denen man ursprünglich einmal ausgegangen ist? Das ist Schnee von gestern. Die Schätzungen damals hätten mit dem aktuellen Projekt nichts zu tun, so Zistl-Schlingmann.

Der Grund sind die Anforderungen, die der Stadtrat an das neue Theater formuliert hat. Beim ersten Betrag war man noch von einer kleinen und kompakten Lösung ausgegangen, einen Dacia eben.

Die Kubatur, der umbaute Raum also, ist mit den Ansprüchen gestiegen. Bei der geschätzten Summe von 37,7 Millionen Euro ging man noch von 26.500 Kubikmeter aus, eher schon Golf-Klasse. Der Siegerentwurf hat mittlerweile eine Kubatur von 33.900 Kubikmeter, viele funktionelle Vorteile und gleicht einem BMW unter den Theaterbauten. Mit dem Volumen steigen aber auch die Kosten. Der Standard sei aber nicht gestiegen, so der Experte vom Baureferat. Ein schöner Eingangsbereich geht dann schon mal auf Kosten der Umkleiden für die Schauspieler.

Apropos Kosten: Was das Stadttheater genau kosten wird, eine wirklich fundierte Schätzung, ist erst im nächsten Jahr möglich, eine „Kostenberechnung erst im übernächsten Jahr“. Dann also, wenn klar ist, auf welche Herausforderungen man in der Bauphase stößt und zum Beispiel weiß, wie die Fassade aufgebaut ist.

Das Architekturbüro „bächlemeid“ geht derzeit davon aus, im Oktober 2022 mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Als realistischen Zeitpunkt für die Fertigstellung gehen die Planer von Mai 2025 aus. Spätestens dann weiß man auch, wie viel das neue Theater der Stadt Landshut wirklich kosten wird. Auf die zwei Cent werden die Planer aber bestimmt verzichten, wenn man mit ihnen hart verhandelt.


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