25.04.2019, 14:53 Uhr

Bei Ingolstadt Im Sturmangriff über die Donau – Bundeswehr setzt auf Weiterbildung von Unteroffizieren und Offizieren

Zwei Geländetransportfahrzeuge Hägglunds werden mit Hilfe einer Fähre über die Donau gebracht. (Foto: Bundeswehr/Thomas Vigh)Zwei Geländetransportfahrzeuge Hägglunds werden mit Hilfe einer Fähre über die Donau gebracht. (Foto: Bundeswehr/Thomas Vigh)

Soldaten geben Deckungsfeuer, der Sturmangriff beginnt. Ziel ist das andere Ufer der Donau. Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren hat die Gebirgsjägerbrigade 23 am 9. April mit ihren Pionieren an der Donau den Angriff über ein breites Gewässer geübt. Die Übung diente zugleich der Weiterbildung von Unteroffizieren und Offizieren.

INGOLSTADT Die Gebirgsjäger vom Gebirgsjägerbataillon 233 aus Mittenwald sind in Stellung gegangen. Sie nehmen mit ihrem Waffenträger Wiesel die feindlichen Kräfte am anderen Ufer der Donau unter Beschuss. Die Sturmboote der Gebirgspioniere setzen sich mit dröhnenden Außenbootmotoren in Bewegung.

Während die Infanteristen in den Booten ihre Waffen gegen den Feind einsetzen, steuern die Pionierbesatzungen die wendigen Wasserfahrzeuge in Sekundenschnelle über die Donau und machen zügig an der Böschung fest. Dort angekommen, sitzen die Gebirgsjäger ab und nehmen die gegnerischen Kräfte nun auch an Land in die Zange. Derweil haben die Sturmboot-Besatzungen längst den Weg zurück eingeschlagen, um zügig die nächste Gruppe aufzunehmen und über den Fluss zu transportieren.

Spähtrupps in der Nacht unterwegs

Dabei muss der Angriffsschwung aufrechterhalten werden. Der Gefechtsverband überlässt nichts dem Zufall. Bereits zwei Tage zuvor hatten eigene Aufklärungs- und Erkundungskräfte festgestellt, dass das Übersetzen über die Donau an genau dieser Stelle am erfolgversprechendsten ist. Spähtrupps hatten in der vorangehenden Nacht gemeldet, dass der Feind die zum Vorstoß nach Norden nutzbaren Brücken gesprengt hatte. Nun ist die Marschrichtung am Tag der Übung umso klarer: Während die Gefechtsfahrzeuge und die Fahrzeuge mit dem später benötigten Brückengerät ihre zugeteilten Räume beziehen, beginnen sich die Soldaten zu Fuß im Schutze des Uferbewuchses an die Donau anzunähern.

Eurofighter sichern den Luftraum

Als der Befehl für den Angriff kommt, stehen die Sturmboote schon bereit, um unter dem Feuerschutz ihrer Kameraden zu Wasser gelassen zu werden. Die Eurofighter des taktischen Luftwaffengeschwaders 74 stellen gleichzeitig die dringend benötigte Luftüberlegenheit sicher. Die eingesetzten Kräfte können sich voll auf ihren Auftrag konzentrieren und gegen den Gegner auf der anderen Seite des Flusses vorstoßen. Welle für Welle überwinden die Gebirgsjäger mit Unterstützung ihrer Pionierkameraden die Donau. Das dauert so lange, bis das jenseitige Ufer schließlich feindfrei und der Brückenkopf für die folgenden Phasen des Angriffs über das breite Gewässer gebildet ist. Nun kann das komplette Übersetzen der angreifenden Kampftruppe mittels einer Faltschwimmbrücke im Fährbetrieb beginnen.

Kampfmittel werden beseitigt

Die Waffenträger Wiesel werden mit einer Schlauchbootfähre über die Donau transportiert. Soldaten suchen das Ufer nach Kampfmitteln ab, Pioniertaucher sind mit dem gleichen Auftrag am Wassergrund unterwegs. Soldaten überprüfen die Wassertiefe, damit das schwere Pionierbataillon 901 gefahrenfrei arbeiten kann. Nach und nach werden die Elemente der Faltschwimmbrücke und Motorboote mit ihren Besatzungen zu Wasser gelassen. Die gut ausgebildeten Havelberger Pioniere schaffen es, zügig und mit sicheren Handgriffen, die fünf Schwimmkörper miteinander zu verbinden und den Fährbetrieb aufzunehmen. Das letzte Hindernis im Angriff über das Gewässer, eine Stahligelsperre am jenseitigen Ufer, räumen die Soldaten des Pionierpanzers Dachs. Er setzt dann auch als Erster über. Zug um Zug überwinden Soldaten mit ihren Fahrzeugen die Donau erfolgreich und setzen am anderen Ufer den Kampf fort.

Übung für die Landesverteidigung

Was hier so reibungslos funktioniert, ist für die Soldaten kein einfacher Auftrag, der mal eben so aus dem Ärmel geschüttelt werden kann. Es ist das Ergebnis harter Arbeit und gewissenhafter Vorbereitung. Denn nur wenige Infanteristen haben in den letzten Jahren trainiert, mit einem Sturmboot gefechtsmäßig überzusetzen. Der hier erprobte Angriff über ein breites Gewässer, also über einen Flusslauf von über hundert Metern Breite, übte die Gebirgsjägerbrigade 23 in dieser Form seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Übung dient der Bündnis- und Landesverteidigung, die in den letzten Jahren wieder in den Fokus gerückt ist.

Vorbereitung zum Manöver „Berglöwe 2019“ im Mai

Mit der Übung der Gebirgsjägerbrigade 23 am 9. April wurde nicht nur das Manöver „Berglöwe 2019“ vom 11. bis 22. Mai vorbereitet, es wurden zugleich Führungskräfte weitergebildet. Unteroffiziere und Offiziere erhielten an diesem Tag nach einer taktischen Grundlagenschulung am Vormittag eine umfangreiche dynamische Lehrübung auf dem Ingolstädter Übungsplatz an der Donau.

Operation verbundener Kräfte

An der großangelegten Übung und Weiterbildung der Kompaniechefs, Zugführer und Stabsoffiziere aus allen Einheiten der Gebirgsjägerbrigade 23 beteiligten sich rund 250 Gebirgssoldaten und Soldaten weiterer Verbände der Bundeswehr. Dazu zählten Pionierkameraden der 3. Kompanie des schweren Pionierbataillons 901 aus Havelberg, das Gebirgsaufklärungsbataillon 230 aus Füssen, das Artilleriebataillon 131 aus Weiden, das Ausbildungszentrum Pioniere aus Ingolstadt, das Zentrum Operative Kommunikation aus Mayen, das Taktische Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg an der Donau und die Reservisten des nichtaktiven Pionierbataillons 905. Denn die Fähigkeit zum Überwinden breiter Gewässer ist schon rein materiell weder in der Gebirgsjägerbrigade 23 noch in der ihr übergeordneten 10. Panzerdivision allein vorhanden.

Fast vollständiges Gefechtsbild war zu sehen

Das Fazit „Auftrag erfüllt“ galt am Ende des Tages jedoch nicht nur für die eingesetzten Soldaten. „Wir haben für den Angriff eines Verbandes über ein breites Gewässer ein nahezu vollständiges Gefechtsbild gestellt“, sagte Oberstleutnant Sebastian Klink, Kommandeur des Gebirgspionierbataillons 8, nach Abschluss der Übung zufrieden. Er betonte: „Wir haben gesehen, wie wichtig die unmittelbare Pionierunterstützung ist, idealerweise verstärkt durch die Fähigkeiten der Schwimmschnellbrücke Amphibie M3 oder der Faltschwimmbrücke.“ Nicht weniger wichtig seien aber Operationen verbundener und unterstützender Kräfte, wie der Pioniere, der Artilleristen, der Fernmelder und der Flieger. Nun müssen Soldaten das Gelernte und Erprobte auch im Mai während der Gefechtsübung Berglöwe erfolgreich anwenden.


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