24.05.2018, 11:16 Uhr

Geburtstag SPD im Landkreis Kelheim feiert 100 Jahre Freistaat Bayern

(Foto: Büro Werner-Muggendorfer)(Foto: Büro Werner-Muggendorfer)

100 Jahre Freistaat Bayern, für die Landtags-Fraktion der SPD auch im Landkreis Kelheim ein wichtiger Grund zu feiern. Die Abgeordnete Johanna Werner-Muggendorfer hatte dazu ihren Kollegen und Parteifreund Franz Schindler als Redner gebeten. Der Jurist und Verfassungsexperte referierte jedoch nicht nur, mit seiner eigenen Begeisterung riss der die Gäste mit.

NEUSTADT AN DER DONAU Am 8. November 1918 vollzog Kurt Eisner die entscheidende Wende in der Geschichte Bayerns, als er den Freistaat ausrief und damit das Königshaus der Wittelsbacher absetzte. Rund 80.000 Menschen hatten sich damals auf der Theresienwiese am Fuß der Bavaria versammelt. Aus dieser Groß-Demo wurde die bayerische Novemberrevolution. Ein Aufstand, der ablief, ohne auch nur einen Tropfen Blut zu vergießen.

Franz Schinlder verfügt über einen tiefen Einblick in die Verfassungs- und jüngere Geschichte Bayerns überhaupt. Seit 1990 gehört der 62-Jährige dem Landtag an. Dort ist er Vorsitzender des Rechtsausschusses sowie des Arbeitskreises für Verfassung, Recht und Parlamentsfragen. Außerdem agiert er als Vizechef des Parlamentarischen Kontrollgremiums und rechtspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion.

Während seines Vortrags vergisst er nie den Bezug zur aktuellen Geschichte, erinnert an die Errungenschaften von damals, „die heute als selbstverständlich angesehen werden.“ Sie gelte es jedoch stets zu verteidigen: „Aber nicht mit dem Ausschluss anderer aus unserem Wohlstand, sondern mit deren Teilhabe daran“. Angesichts der aktuellen Strömungen in Gesellschaft und Politik sei Aufklärung wichtiger denn je, auch „weil es so vielen unter uns an demokratischem Bewusstsein fehlt.“ Seine Aufforderung: „Wir müssen die Demokratie gegen ihre alten und neuen Feinde verteidigen.“ Franz Schindler erinnert in diesem Zusammenhang an die beiden Weltkriege mit Millionen von Toten, den Nationalsozialismus in dem ebenfalls Millionen von Menschen ermordet wurden, und er erinnert an die Teilung Deutschlands sowie die rasante Entwicklung des Freistaats in einem Jahrhundert vom bäuerlich geprägten zum High-Tech-Land.

Der Redner verschweigt bei allem Stolz auf seine Partei nicht „die Schwäche der SPD und die daraus resultierenden Fehler.“ Vor allem, um das Unheil der Nazi-Herrschaft zu verhindern. Dennoch: Die Sozialdemokraten hätten immer auf der richtigen Seite gestanden. Trotz des Scheiterns der allerersten Demokratie und der nachfolgenden Kriege dürften allesamt nun feiern: „Denn wir sind stolz, ein Teil dieser schwierigen Geschichte gewesen zu sein.“

Für 100 Tage stellte Kurt Eisner nach der friedlichen Revolution den ersten bayerischen Ministerpräsidenten, wobei es ihm gelungen sei, „epochale Entscheidungen durchzusetzen.“ Am 21. Februar 1919 endete das Leben dieses herausragenden Politikers abrupt: Er wurde von einem Reaktionär erschossen.

Für Schindler gehören zu Eisners Verdiensten neben der ersten Verfassung, auch der Acht-Stunden-Tag für die Arbeitnehmer, das allgemeine Wahlrecht und der Wegfall der Schulaufsicht durch die Kirche. Wie stark die SPD Bayerns Demokratie geprägt hat, spiegelt sich auch in der Verfassung wider, die nach dem Krieg im Auftrag der amerikanischen Besatzer von Wilhelm Hoegner geschaffen wurde. In den Augen des Redners „die freiheitlichste und schönste Verfassung, die es in Deutschland und Europa je gab.“ Mit dem Einfluss der Sozialdemokraten war es danach allerdings nicht mehr weit her. Zu stark drängte sich die CSU, gegründet 1945, in den Vordergrund. Und Jetzt? Schindlers ironische Antwort: „Über 60 Jahre Opposition, das muss uns erst mal einer nachmachen.“


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