12.03.2018, 15:00 Uhr

100 Jahre Wahlrecht für Frauen Johanna Werner-Muggendorfer lud zum letzten Mal zum Frauenempfang

Bereits zu zweiten Mal hatte Johanna Werner-Muggendorfer ihre Kollegin und SPD-Spitzenkandidatin Natschsa Kohnen zum Frauenempfang geladen. Foto: Büro Werner-Muggendorfer (Foto: Büro Werner-Muggendorfer)Bereits zu zweiten Mal hatte Johanna Werner-Muggendorfer ihre Kollegin und SPD-Spitzenkandidatin Natschsa Kohnen zum Frauenempfang geladen. Foto: Büro Werner-Muggendorfer (Foto: Büro Werner-Muggendorfer)

Das 26. war diesmal das letzte Mal. In ihrer Funktion als Abgeordnete wird Johanna Werner-Muggendorfer im Namen ihrer Fraktion im Landtag nicht mehr zum Frauenempfang auf das Passagierschiff „Renate“ bitten. Als Ehrengast begrüßte sie bereits zum zweiten Mal die frisch gekürte SPD Spitzenkandidatin Natascha Kohnen.

NEUSTADT AN DER DONAU Beide Politikerinnen hoben den Mut derer hervor, die vor 100 Jahren das Wahlrecht für Frauen erstritten hatten. Werner-Muggendorfer wie Kohnen ist jedoch bewusst: „Die Frauen machen zwar die Hälfte der Weltbevölkerung aus, doch sie verfügen bis heute längst nicht über die Hälfte der Macht.“ Nach Ansicht der SPD-Spitzenkandidatin hat es die Gesellschaft erst dann geschafft, „wenn wir über Gleichstellung gar nicht mehr reden müssen.“

Dem Wahlrecht für Frauen im Jahr 1918 sind weitere kleine Schritte gefolgt, bei denen ihnen immer mehr Rechte, eingeräumt wurden: „Noch sind aber Riesenschritte zu tun, bis jede die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes, wirtschaftlich unabhängiges Leben hat.“ Natascha Kohnens Forderung an die Frauen auch im Hinblick auf die aktuelle Time’s up und #meetoo-Debatte daher: „Wir müssen immer weiter gehen, bislang tabuisierte Missstände ans Tageslicht bringen und immer neue Wände durchbrechen.“

In Deutschland gehe es da vor allem um die Gleichheit der Bezahlung. Denn beim Lohngefälle zwischen Mann und frau nimmt die Bundesrepublik innerhalb der EU nach Estland und Tschechien einen unrühmlichen dritten Platz ein. Ebenfalls im Rückstand sind Frauen hierzulande bei der Besetzung der Führungsteams von Unternehmen, obwohl verschiedene Studien längst beweisen, dass eine Spitze aus Frauen und Männern wesentlich erfolgreicher arbeitet als eine rein männliche.

Johanna Werner-Muggendorfer hat bei ihrem Empfang schon vor zwei Jahren die Gleichberechtigung eingeführt. Mittlerweile sind nämlich auch Männer zugelassen. Vorher hatten unter ihnen nur die „dienenden Männer“, wie Bürger- und Hausmeister das Recht. Dennoch herrschte auch heuer eine recht entspannte Stimmung, „so als wären wir ganz unter uns,“ wie die Gastgeberin fand. Johanna Werner-Muggendorfer und ihr Team wollen sich zudem um eine Fortsetzung bemühen. Vielleicht, wenn die scheidende Abgeordnete als Bezirksrätin ihre politischen Laufbahn fortsetzt oder auf Kreisebene. Die Unterstützung von ihrem Parteifreund Horst Hartmann ist ihr auf jeden Fall sicher. Denn auch Kelheims Bürgermeister fühlt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten „sehr wohl“. Ganz anders als er 2015, als er das erste Mal in seinem Amt als neues Stadtoberhaupt gekommen war: „Da war ich noch schrecklich aufgeregt.“ Hartmann findet den Empfang zu Ehren der Frauen auch deshalb gut, „weil meine Frau mich immer unterstützt. Auch wenn ich meistens erst nach einem zwölf- bis 14-Stundenarbeitstag heimkomme“.

Denn zu den Aufgabe selbstbewusster Frauen gehört es schließlich auch, ihren erfolgreichen Männern den Rücken frei zu halten, während dabei „das Ringen um Gleichstellung, das jeden Tag neu stadtfindet.“ Deshalb riefen beide den Anwesenden zu: „Lasst uns gemeinsam die anstehenden Herausforderungen angehen.“


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