27.11.2017, 15:10 Uhr

Bilanz Hopfenernte 2017 war „gut durchschnittlich“

(Foto: Michael Hopper)(Foto: Michael Hopper)

Der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband hat am Montag, 27. November, Bilanz über das Jahr 2017 gezogen.

HALLERTAU Die Weltanbaufläche stieg nach der Ernte 2016 um rund 3.000 ha auf rund 59.200 ha. Die USA vervierfachten bis 2016 die Anbaufläche für Aroma- und Flavoursorten für die Craft- Brauereien in nur 5 Jahren. Obwohl es schon im letzten Jahr deutliche Anzeichen gab, dass der Craft-Bier-Sektor in den USA tendenziell überkontrahiert ist, wurden von den US-Pflanzern heuer noch einmal zusätzliche Flächen mit Aroma- und Flavoursorten bepflanzt. Es zeichnet sich bereits in dieser Ernte eine Überproduktion von US-Aromas und -Flavours ab.

In Deutschland wurde nach der Ernte 2016 insbesondere die Hochalphafläche ausgeweitet. Diese Neufläche stand aber nahezu vollständig unter Vertrag. Auch in den USA stieg die Fläche mit Hochalphasorten nach sieben Jahren Rückgang wieder an. Bei

Durchschnittsernten und Durchschnittsalphas wäre dem Markt mehr Alphasäure aus Alphasorten zur Verfügung gestanden als im Vorjahr. Bei Aroma- und hochfeinen Aromasorten zeigte sich die Versorgungslage vor der Ernte angespannt.

Ernte 2017

Deutschland hat entsprechend der vorliegenden Abwaageergebnisse eine gut durchschnittliche Hopfenernte eingefahren. Die Erträge waren trotz der schwierigen Witterungsverhältnisse zufriedenstellend. Allerdings enttäuschen die Alphawerte, die unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. In allen wichtigen Anbaugebieten Europas zeigt sich das gleiche Bild. In Tschechien, Polen und Slowenien wurden leicht überdurchschnittliche Hektarerträge geerntet. Die Alphagehalte lagen dagegen durchwegs unter den mehrjährigen Durchschnittswerten. Die USA verzeichnen in diesem Jahr eine sehr gute Ernte. Die Erträge liegen sowohl bei den Aroma- als auch den Hochalphasorten über dem langjährigen Mittel. Auch die Alphawerte, insbesondere die der Hochalphasorten, sind überdurchschnittlich. Aus der aktuellen Hochrechnung ergibt sich eine Welternte von rund 118.000 Tonnen Rohhopfen oder gut 11.000 Tonnen Alphasäure.

Versorgungslage und Marktsituation

Die Versorgungslage bei den einzelnen Sortengruppen ist unterschiedlich. Die hochfeinen Aromasorten des Saazer Formenkreises waren nach der Ernte 2016 vermutlich nicht vollständig ausverkauft. Aufgrund der leicht überdurchschnittlichen Erträge steht dem Markt – auch wenn die Alphagehalte unterdurchschnittlich sind – ausreichend Saazer zur Verfügung. Schon im letzten Jahr lagen die Preisnotierungen für europäische Flavourhopfen im breiten Mittelfeld. Dieses Jahr erzielen sie die niedrigsten Preise. Das weist eindeutig auf eine Überversorgung des Marktes mit diesen Sorten hin. Aufgrund der enttäuschenden Alphawerte ist der Markt bei allen anderen Aroma- und Hochalphasorten eng.

Seit der Eröffnung der ersten Freihopfenpools in Deutschland stiegen die Anzahlungspreise für Poolhopfen aber auch die gebotenen Festpreise stetig an. Die kräftigsten Preisanstiege im Freimarkt sehen wir auch dieses Jahr bei den Hochalphasorten. Auch in allen anderen europäischen Anbaugebieten wurden bzw. werden Freihopfen zu stabil hohen Preisen gehandelt.

Vermarktung der Ernte 2017

Für den Hopfenhandel bedeutet dies eine zusätzliche finanzielle Belastung. Ursache dafür sind zum einen die Ertragsunterschiede in den verschiedenen Regionen der Hallertau und zum anderen die unterdurchschnittlichen Alphagehalte bei nahezu allen Sorten. In der Hallertau kam es zu teils starken Unterlieferungen der Verträge, vor allem bei der Hochalphasorte Herkules. Diese Fehlmengen mussten durch Käufe auf dem Freihopfenmarkt nachgedeckt werden, allerdings auf einem sehr hohen Preisniveau. Hinzu kommt, dass größere Hopfenmengen erforderlich ist, um die auf Alphamenge basierenden Verträge mit der Brauwirtschaft erfüllen zu können.

„Wir rechnen für den Handel mit einer finanziellen Mehrbelastung von zehn bis zwölf Millionen Euro. Das Alpharisiko und die aufgezeigten Mehrkosten muss der Hopfenhandel alleine tragen. Das zeigt deutlich, dass die Vermarkter ihrer wichtigen Ausgleichsfunktion zwischen Erzeuger und Brauindustrie gerecht werden“, so die Verantwortlichen.


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