23.05.2019, 09:03 Uhr

Gegenkandidat Hans Schreiner Landrat Bayerstorfer soll abgelöst werden

Viele Bürger wünschen sich einen neuen Politikstil statt den bisherigen von Martin Bayerstorfer (Bild: Montage) (Foto: we)Viele Bürger wünschen sich einen neuen Politikstil statt den bisherigen von Martin Bayerstorfer (Bild: Montage) (Foto: we)

Das gab’s im Landkreis noch nie: Einen gemeinsamen Vorschlag für den Landratskandidaten der Kreistagsfraktionen von Freien Wählern, SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

ERDING Auf der Homepage der Freien Wähler des Landkreises ist zu lesen:

„Bockhorns Bürgermeister Hans Schreiner, bisher für die FW im Kreistag, soll in den Nominierungsversammlungen als Bewerber vorgeschlagen werden. „Wir wollen einen neuen Politikstil im Landkreis Erding“ war die Kernaussage der drei Fraktionssprecher vor der Presse. Schreiner wird auf keiner Liste als Kreistagskandidat stehen. Für ihn heißt das: Hop oder top. Für die drei Fraktionen bedeutet das den Verzicht auf zusätzliche Mandate, die ein Spitzenkandidat in der Regel bringt. Das ist ihnen die Option auf einen Wechsel im Amt des Landrates wert. Ein gemeinsamer Kandidat bedeute aber nicht, dass die Gruppierungen keine eigenen Schwerpunkte setzen.

Schreiner konnte sich in der Pressekonferenz über Vorschusslorbeeren freuen. „Wir stehen geschlossen hinter Schreiner. Er ist integer, steht für ein Miteinander, für Sachpolitik und ist auf Augenhöhe mit den Menschen. Außerdem hat er schon oft bei Entscheidungen im Kreistag Rückgrat bewiesen“, erklärte Ullas Dieckmann die Zustimmung von Fraktion und Vorstand der SPD im Landkreis. Helga Stieglmeier, Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, ergänzte: „Hans Schreiner ist ein kompetenter, sehr ausgleichender Kandidat, dem es nicht um die eigene Person geht. Bei allen Unterschiedlichkeiten der drei Parteien glauben wir, dass diese unterschiedlichen Meinungen so diskutiert werden können, dass sich alle respektiert fühlen – auch dann, wenn ein Antrag nicht angenommen wird.“

Schreiner, 62 Jahre, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, zeigte sich kämpferisch: „Ich will Landrat von Erding werden.“ Sein Ziel sei es, die demokratischen Kräfte zu bündeln, einen offenen, demokratischen Umgang zu pflegen und Diskussionen im Kreistag ergebnisoffen zu führen. Er stelle sich gerne neuen Herausforderungen. Das zeige auch seine Vita. Der studierte Diplom-Agraringenieur war viele Jahre im technischen Marketing für einen weltweit agierenden Halbleiter-Hersteller tätig und ist in der zweiten Legislaturperiode Bürgermeister von Bockhorn. Dass er nicht mehr als Gemeindechef kandidieren will, habe mit der Landratskandidatur nichts zu tun. Der Nebenerwerbslandwirt will aufhören, solange die Bürgerinnen und Bürger noch sagen: „Schade, dass Du gehst.“

Die Erfahrung habe ihn gelehrt, dass man auch ohne absolute Mehrheit Erfolge haben kann. Dazu sei in erster Linie Transparenz erforderlich. Das setze zwar teils langwierige, anstrengende Diskussionen voraus, „aber dadurch gewinnt man auch Vertrauen“. Letzteres ist auch Stieglmeier wichtig: „Ich fühle mich oft falsch informiert, manchmal falsch interpretiert und in der Öffentlichkeit falsch dargestellt. Ich muss mich aber ausreichend informiert fühlen, um Informationen abwägen und sachgerecht entscheiden zu können.“ Dieckmann sieht es außerdem als sehr kritisch, dass das Subsidiaritätsprinzip unter dem amtierenden Landrat immer mehr an Bedeutung verliere. FW-Fraktionschef Georg Els kritisierte, dass der Haushalt unter dem jetzigen Landrat nicht mehr gemeinsam erarbeitet werde und jede Kollegialität fehle: „Wir sind lauter Ehrenamtliche“, betonte er. Da könne es nicht angehen, dass Wortmeldungen spöttisch kommentiert werden, wenn sie nicht bis aufs letzte Komma ausgefeilt sind.

„Wir läuten heute nicht den Wahlkampf ein, sondern beziehen Stellung“, stellte Schreiner abschließend fest. Die Aufgabe jeder Gruppierung, eine Kandidatenliste mit 60 Bewerbern aufzustellen, „ist auch nicht trivial“. Die nächste Aufgabe ist laut Stiegelmeier, „gemeinsame Ziele zu formulieren, an denen man uns messen wird. Ansonsten hat jede Partei ihre Schwerpunkte, für die sie Mehrheiten suchen muss.“


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