06.11.2019, 09:48 Uhr

Projektstart im BMW Werk Dingolfing als Vorreiter für sicheres und zuverlässiges Autonomes Fahren


Mit dem BMW Group Werk Dingolfing, der Technischen Hochschule Deggendorf und der Deggendorfer Firma b-plus bündeln drei starke regionale Partner jetzt auf dem Zukunftsfeld des Autonomen Fahrens ihre Kräfte. Im Rahmen des Forschungsprojekts „iAATG“ entwickeln sie innovative Methoden zur Absicherung hochautomatisierter Fahrfunktionen. Gefördert wird das auf eine Dauer von drei Jahren angelegte Vorhaben vom bayerischen Wirtschaftsministerium.

DINGOLFING Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: „Mit diesem Projekt kann sich Bayern und speziell der Standort Dingolfing als Vorreiter in der Qualitätssicherung autonomer Fahrzeuge präsentieren. Wir steuern hierzu über 800.000 Euro bei. Wir unterstützen den Transformationsprozess von Unternehmen der bayerischen Fahrzeug- und Zulieferindustrie, unter anderem durch die Förderung von Forschung und Entwicklung neuer Produkte und Technologien oder Pilotprojekte zu Mobilitätslösungen. Dadurch soll Bayern auch in der neuen Mobilitätswelt Technologieführer bleiben.“

Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler sowie die Amtschefin des Wirtschaftsministeriums, Dr. Sabine Jarothe, machten sich beim offiziellen Projektstart im BMW Group Werk Dingolfing selbst ein Bild. Dabei zeigten sie sich vom Erfolg der Kooperation überzeugt. Bernd Sibler betonte: „Am Wissenschaftsstandort Bayern wird die weltweite Entwicklung des autonomen Fahrens entscheidend mitgestaltet. Mit dem Forschungsprojekt iAATG verbinden wir das Potenzial von Wissenschaft und Forschung mit dem Know-how von Unternehmen. Diese Symbiose verspricht höchste Qualität für sichereres Fahren durch vorausschauende Automobile, kurz: Hier gestalten wir die Mobilität von morgen.“

Konkreter Anlass für das knapp zwei Millionen Euro teure Forschungsprojekt ist der für 2021 geplante Produktionsstart des BMW iNEXT im Werk Dingolfing. Dieses BMW Modell vereint in einzigartiger Weise automobile Schlüsseltechnologien, setzt bei E-Mobilität, Digitalisierung oder autonomem Fahren neue Maßstäbe und macht den niederbayerischen BMW Group Standort so zum Pionier bei der Fertigung hochautomatisiert fahrender BMW Automobile.

Dabei hält der BMW iNEXT neben vielen Neuerungen im Produkt auch zahlreiche Innovationen in den Produktionsprozessen bereit. Besondere Bedeutung kommt der technischen Absicherung automatisierter Fahrfunktionen zu. „Denn diese“, so Dr. Niklas Fichtmüller, Leiter Gesamtfahrzeug und Qualitätsmanagement im BMW Group Werk Dingolfing, „sind zum einen höchst sicherheitsrelevant – und Sicherheit hat für uns beim Thema Autonomes Fahren oberste Priorität. Zum anderen prägen Funktionen des hochautomatisierten Fahrens ganz maßgeblich den Kundennutzen des BMW iNEXT. Sie müssen daher höchsten Qualitätsansprüchen genügen.“

Die entwicklungsseitige Absicherung einzelner Bauteile oder Fahrzeugfunktionen erfolgt dabei auf dem Autonomous Driving Campus der BMW Group in Unterschleißheim. Sie wird ergänzt durch die systematische Anlauf-Absicherung auf Gesamtfahrzeug-Ebene im Produktionswerk Dingolfing. Der Vorteil liegt auf der Hand: Denn im Werk steht eine deutlich größere Zahl und Vielfalt an Fahrzeugen für entsprechende Tests und Prüfungen zur Verfügung. „Anspruch des nunmehr gestarteten Forschungsprojekts ist es, für dieses hochinnovative Produkt BMW iNEXT auch innovative Absicherungskonzepte und Methoden auf Gesamtfahrzeugebene – etwa durch den Einsatz künstlicher Intelligenz – zu entwickeln“, so Eva-Maria Dornisch, Projektleiterin seitens der BMW Group.

Konkret werden dazu drei Ansätze verfolgt. Zum einen wird eine Vielzahl von Fahrzeugvarianten und Ausstattungsoptionen des BMW iNEXT, von der Farbe des Fahrzeugs bis zum Reifenprofil, betrachtet und auf mögliche Wechselwirkungen etwa mit der Sensorik hin analysiert. „Hierfür“, so erklärt Prof. Thomas Limbrunner von der Technischen Hochschule Deggendorf, „bringen wir Algorithmen auf Basis künstlicher Intelligenz zum Einsatz, die in der Lage sind, relevante Muster in großen Datenmengen zu erkennen.“ Künstliche Intelligenz hilft also bei der Identifikation und Analyse möglicher Funktionseinschränkungen bei bestimmten Ausstattungskombinationen und stellt sicher, dass alle Fahrzeuge, die in Kundenhand übergeben werden, höchste Qualitätsansprüche erfüllen.

In einem zweiten und dritten Teilprojekt geht es neben der Analyse auch darum, innovative Testmethoden zu entwickeln. So ist eine „Testbox“ geplant, die in Erprobungsfahrzeugen verbaut wird und deren Software den Fahrzeugen über Eingriffe in die Elektronik bestimmte Umweltszenarien vorspielt, wie etwa ein Hindernis auf der Straße. b-plus Projektleiter Bernhard Pfeffer erklärt: „Durch diese Simulationen können selten auftretende Situationen erzeugt und Reaktionen und Funktionsweisen eines Fahrzeugs effizient überprüft werden.“ Ähnliche Testverfahren sollen auch entwickelt werden, um zu kontrollieren, dass hochautomatisiert fahrende Fahrzeuge Informationen aus der Cloud des Herstellers – etwa Verkehrs- oder Wetterhinweise – adäquat verarbeiten und wie gewünscht reagieren.

Prof. Peter Sperber, Präsident der Technischen Hochschule Deggendorf, resümiert: „Der Auftrag ist klar umrissen, Kompetenzen und Know-how der beteiligten Partner ergänzen sich sehr gut. Ich denke, es wird dem Team mit vereinten Kräften gelingen, gleichermaßen wissenschaftlich wie praxisorientiert Pionierarbeit auf diesem spannenden Zukunftsfeld des automatisierten Fahrens zu leisten.“


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