14.08.2019, 08:19 Uhr

Dräxlmaier rüstet sich für 31. Oktober Das Bibbern vor Brexit-Boris!


Was passiert am 31. Oktober 2019? Eines ist sicher: Großbritannien wird dann nicht mehr Teil der Europäischen Union sein. Die Frage ist nur, wie das passieren wird. Vor allem für international agierende Unternehmen ist das entscheidend. Betroffen ist dabei vor allem auch die Automobilindustrie. Auch in Landau und Vilsbiburg blickt man gespannt dem Brexit entgegen. Oder besser: Wie der Austritt erfolgen wird. Denn der Automobilzulieferer Dräxlmaier mit Hauptsitz in Vilsbiburg im Landkreis Landshut, einem Werk in Landau und weltweit rund 70.000 Mitarbeitern hat auch vier Standorte in Großbritannien.

LANDAU/VILSBIBURG Der Worst Case: ein harter Brexit ohne Deal mit der Europäischen Union. „Das wäre eines der schlechtesten Szenarien“, sagt Dräxlmaier-Pressesprecher, Dr. Tobias Nickel. Derzeit sieht alles danach aus, als würde der neue britische Premier Boris Johnson sein Land genau in diese Richtung steuern. Für Dräxlmaier, einem der wichtigsten Arbeitgeber in der Region Dingolfing-Landau und Landshut, wäre das eine fatale Situation. Über Nacht könnten plötzlich neue Zoll- und Ausfuhrbestimmungen gelten. Ein reibungsloser Austausch von Waren wäre dann nicht mehr möglich.

Verhängnisvoll ist das vor allen Dingen für die Autoindustrie, die Just-In-Time produziert. Das bedeutet, das nur Material in der Stückzahl und zu dem Zeitpunkt produziert und geliefert wird, wie es auch tatsächlich zur Erfüllung der Kundenaufträge benötigt wird. Hohe Kosten durch Lagerung von Produktionselemente in Logistikzentren kann man sich dadurch sparen.

Moderne Automobile werden mittlerweile zudem zum größten Teil von den Herstellern aus Komponenten zusammengesetzt, die von Zulieferern stammen. Der Anteil dieser Bauteile beträgt zwischen 70 und 80 Prozent in einem Fahrzeug. Können wichtige Komponenten nicht zur richtigen Zeit in ein Werk ans Fließband geliefert werden, etwa weil sie auf ihre Zollabfertigung warten, stockt die ganze Produktion.

Um sich auf den Brexit so gut wie möglich vorzubereiten, wurden bei dem Automobilzulieferer schon vor langem Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit den Herausforderungen in den Bereichen Logistik, Steuern, Zoll und Produktion beschäftigen. „Dort wurden unterschiedliche Szenarien durchgespielt“, erklärt Nickel. Etwa was passiert, wenn über Nacht die Zoll-Schlagbäume herabgelassen werden und neue Gesetze gelten.

Doch selbst wenn Dräxlmaier auf alle Eventualitäten vorbereitet ist, bedeutet das noch nicht, dass sich der Brexit nicht irgendwie doch auswirken kann. An einem Auto wirken ja viele Zulieferer mit. Und ob die so penibel alle denkbaren Szenarien wie die Vilsbiburger durchgespielt haben, ist eher fraglich.

Soll heißen: Selbst wenn Dräxlmaier alles richtig macht, kann es natürlich zu Schwierigkeiten in der Produktion beim Fahrzeugbauer kommen, weil ein Teil plötzlich nicht rechtzeitig am Flißband ist. Das wirkt sich dann natürlich auch wieder auf Dräxlmaier aus. Denn niemand weiß, wie die Automobilhersteller dann reagieren werden.

In Landau und Vilsbiburg hofft man natürlich, dass der schlimmste aller Fälle, der harte Brexit, nicht kommen wird. Dräxlmaier-Pressesprecher Dr. Tobias Nickel: „Wir wissen ja noch gar nicht, was passiert. Es ist ja nicht auszuschließen, dass etwas ganz anderes kommt.“ Vielleicht wird alles ja gar nicht so schlimm. Oder es kommt schlimmer.


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