03.07.2019, 15:00 Uhr

Werkzeuge aus Landau sind der Renner 2018 war bei Einhell Rekordjahr – trotz „Totentanz im Baumarkt“


Elektro-Werkzeuge aus Niederbayern erobern die Welt. Die Zahlen, die die Einhell AG am Freitag auf ihrer Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2018 in Landau an der Isar präsentierte, sind mehr als beeindruckend. Zwar wurde das eigentliche Ziel, die 600 Millionen Euro Umsatz-Marke zu knacken, im letzten Jahr nicht erreicht und „nur“ 578 Millionen umgesetzt. Ein Rekordjahr, mittlerweile das vierte in Folge, war es aber trotzdem, wie der Vorstand Finanzen, Jan Teichert, erklärte.

LANDAU 2019 strebt die AG jetzt einen Umsatz von 605 Millionen Euro weltweit an. Damit das gelingt, wird nicht nur das Auslandsgeschäft in den USA massiv vorangetrieben, auch im Inland sind die Niederbayern äußerst rührig und planen sogar eine Kooperation mit einem weiteren starken bayerischen Welt-Konzern: BMW. Dass man die 600 Millionen-Euro-Umsatzmarke 2018 noch nicht knacken konnte, war übrigens dem Rekordsommer des letzten Jahres geschuldet. „Da war Totentanz in den Baumärkten“, so Teichert, auch im Internetzeitalter ist der Fachhandel immer noch eine ganz wichtige Vertriebsschiene für den Do-It-Yourself-Bereich.

Deutlich ablesen lässt sich das an den Quartalsergebnissen der Einhell AG. Im dritten und vierten Quartal 2018 ging der Umsatz nach zwei Rekordergebnissen plötzlich spürbar zurück. Wenn es heiß ist, gehen die Leute eben lieber ins Freibad als in den Baumarkt. „Trotzdem war 2018 ein weiteres Rekordjahr für uns“, erklärte Teichert auf der Hauptversammlung. „Einhell hat noch nie so viel Umsatz gemacht und noch nie so ein Ergebnis erbracht.“ Die AG schüttet heuer eine Dividende von 1,34 Euro je Stammaktie aus und 1,40 Euro je Vorzugsaktie.

Damit das Unternehmen auf Wachstumskurs bleibt, wird das Geschäft international ausgebaut und neue Märkte erschlossen. Vor allem im nordamerikanischen Markt will man mehr als einen Fuß in der Tür haben. Dort erhofft man sich kurzfristig einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro mit Tendenz nach oben. Aber auch auf dem afrikanischen Markt will man sich etablieren und rund 20 Millionen Euro erwirtschaften. In Zentral- und Südamerika sind 35 Millionen Euro Umsatz, in Skandinavien 20 Millionen Euro bereits in der Pipeline.

Große Hoffnungen setzt man bei Einhell auf die Plattform „Power X-Change“, mit der man dem Trend zu kabellosen Werkzeug gerecht wird. Mit einem Einhell-Akku können mittlerweile rund 130 Geräte betrieben werden, Tendenz weiter steigend. Außerdem will Einhell seine Plattform für andere Unternehmen öffnen. So sieht die Unternehmensstrategie vor, dass in Zukunft auch E-Bikes, Haushaltsgeräte und E-Scooter von den Einhell-Akkus angetrieben werden können. Mit den entsprechenden Herstellern dieser Geräte wollen die Landauer Kooperationen eingehen.

Um seine Kompetenz in Sachen Akku-Technologie zu unterstreichen und weiter bekannt zu machen, ist den Niederbayern zudem ein Coup gelungen: Die Markenstrategie bis 2022 sieht eine Kooperation mit BMW in der FormulaE vor, das Pendant zur Formel1 bei den Elektrorennfahrzeugen. „Nur 20 Prozent unserer Kunden wissen, dass es bei uns eine Akkuplattform gibt“, so Teichert. Die Kooperation mit BMW soll helfen, das zu ändern.

Ein großes Lob sprach Teichert seinen weltweit rund 1.600 Mitarbeitern aus, ohne die ein solcher Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Das Unternehmen sieht sich selbst als Werkzeughersteller, obwohl es in China produzieren lässt. Allerdings findet die Produktion unter strenger Aufsicht und Qualitätskontrolle der Niederbayern statt. Stolz ist man in Landau, dass man in Sachen Marktanteil bekannte Werkzeug-Marken im Do-It-Yourself-Sektor bereits hinter sich gelassen hat. In Deutschland ist man hinter der Traditionsmarke Bosch mittlerweile auf Rang zwei vor „Black und Decker“, bei den Stationärgeräten, Tischkreissägen zum Beispiel, belegt man mittlerweile sogar den 1. Platz.


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