07.06.2019, 14:05 Uhr

Große Ehre für Landrat Heinrich Trapp ist jetzt Ehrenbürger im polnischen Lomza

Landrat Heinrich Trapp mit Lomzas Landrat Lech Szablowski (re.), Vize-Landrätin Maria Dziekonska und Kreistagsvorsitzendem Jan Juczynski (li.). (Foto: LRA Dingolfing-Landau)Landrat Heinrich Trapp mit Lomzas Landrat Lech Szablowski (re.), Vize-Landrätin Maria Dziekonska und Kreistagsvorsitzendem Jan Juczynski (li.). (Foto: LRA Dingolfing-Landau)

Landrat Heinrich Trapp ist Ehrenbürger des polnischen Partnerlandkreises Lomza. Beim Festakt zum 20-jährigen Bestehen des polnischen Landkreises wurde Trapp diese hohe Ehrung zuteil, die nur äußerst selten an Ausländer vergeben wird. Der Landrat betonte, er nehme diese Auszeichnung stellvertretend für alle an, die sich nach einer belastenden Vergangenheit um gute Nachbarschaft bemühten und sich für ein helfendes, freundschaftliches Miteinander einsetzten.

LOMZA/DINGOLFING-LANDAU Der Deutsche Landkreistag hatte im Jahr 1999 den Landkreis Dingolfing-Landau gebeten, für eine Partnerschaft mit einem neu gegründeten Landkreis in Polen zur Verfügung zu stehen. Zehn Jahre nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs, der Europa trennte, hatte sich die junge Demokratie in Polen entschlossen, nach deutschem Vorbild zwischen der Ebene der Gemeinden und der Woiwodschaft (Bundesland) als weitere Verwaltungsebene die Landkreise zu etablieren und ihnen das Recht der Selbstverwaltung zu geben.

Nachdem in der kommunistischen Zeit alles von oben diktiert wurde, übernahmen nun Bürger, meist ohne politische Erfahrung, völlig neue Aufgaben und Verantwortung. Für sie erwies sich der wechselseitige Austausch in Verwaltungsfragen als hilfreich.

Vor dem offiziellen Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Landkreise zelebrierte Diözesanbischof Janusz Stepnowski in der Kathedrale von Lomza einen Festgottesdienst, wobei er die bayerische Delegation herzlich auf Deutsch und Polnisch willkommen hieß. Von Seiten des Landkreises waren neben Landrat Heinrich Trapp auch die Bürgermeister Josef Pellkofer (Dingolfing), Peter Eisgruber-Rauscher (Marklkofen), Günter Schuster (Loiching), Markus Baierl (Moosthenning) und 2. Bürgermeister Josef Koch (Mengkofen) der Einladung gefolgt.

Beim Festakt in der kirchlichen Universität waren neben den Bischöfen auch Vertreter des Sejm, der Landesregierung und des öffentlichen Lebens zugegen. Großen Raum nahmen dabei die Verleihungen der Ehrenbürgerwürde an den Kunstprofessor, Maler und international renommierten Designer Prof. Dr. Henryk Chylinski und an Landrat Heinrich Trapp ein. Landrat Lech Szablowski, der als Bürgermeister die Partnerschaft mit Marklkofen begründet hatte, betonte den Wert der partnerschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen nach Bayern. Landrat Heinrich Trapp habe viel Herzblut und Engagement in den Auf- und Ausbau der nachbarschaftlichen Beziehung gesteckt und die Begegnung vieler Menschen ermöglicht. Dies gelte für Schüler-, Tanz- und Jugendfeuerwehrgruppen, für Unternehmer, Schulleiter, Sozialdienste, Kommunalpolitiker oder Privatreisende mit der Katholischen Erwachsenenbildung. Sehr dankbar sei man für die Unterstützung beim Aufbau der Freiwilligen Feuerwehren in Polen oder für die pflegerische Ausstattung des Krankenhauses in Lomza.

Landrat Lech Szablowski, seine Stellvertreterin Maria Dziekonska und der Vorsitzende des Kreistags Jan Kuczynski überreichten anschließend einem sichtlich gerührten Landrat Heinrich Trapp die Ehrenurkunde als Dokument einer besonderen Wertschätzung.

Landrat Heinrich Trapp betonte in einer spontanen Dankesrede, dass die Ehrung allen gelte, die sich um gute Nachbarschaft und menschliches Miteinander über Grenzen hinweg einsetzen. Der Landkreis Dingolfing-Landau profitiere von der deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Im Landkreis lebten über 10.000 Menschen, die in Polen geboren seien. Viele davon seien Deutsche geworden, etwa 4.000 hätten die doppelte Staatsbürgerschaft, etwa 3.000 wohnten als Ausländer im Landkreis mit ihren Familien, wovon 1.986 einen festen Arbeitsplatz hätten. Als Priester und Ordensleute, als Handwerker, Industriearbeiter und Pflegekräfte wirkten sie am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben mit. Als junger Mensch habe er an Begegnungen des deutsch-französischen Jugendwerkes teilnehmen dürfen und sei dabei durch nachhaltige Erlebnisse beschenkt worden. Es sei deshalb nur folgerichtig, dass man sich mit dem Nachbarland Polen, das durch Krieg und Besetzung viel Unrecht und Leid ertragen musste, die Hände reicht und eine friedliche Nachbarschaft in einer guten Partnerschaft versucht. Im Zweiten Weltkrieg seien Hunderte polnischer Kinder und Jugendliche von ihren Familien getrennt worden, um meist landwirtschaftliche Arbeiten in unserer Gegend auszuführen. Umso schöner sei es deshalb, wenn wir heute Jugendliche aus Lomza zu uns einladen können und sie als willkommene Gäste Kontakte und Freundschaften mit unseren Jugendlichen entwickeln können.

Heinrich Trapp ist erst der dritte Ehrenbürger des Landkreises Lomza. Dass ihm als Deutschen diese Ehre zu Teil wurde, gilt als besonderes Signal, da in Polen in den letzten Jahren die Europa-Skepsis zunahm und die öffentliche Meinung in europäischen Fragen zweigeteilt ist. Landrat Trapp bemerkte dazu, dass gerade dann, wenn sich die Regierungen nicht so gut verstehen, der Kontakt auf kommunaler und menschlicher Ebene umso wichtiger sei. Es sei positiv, dass man mit den Polen den gleichen Wertekanon teile, sie das Grundgesetz akzeptierten und durch sie keine Parallelgesellschaften entstünden. Deswegen sei diese Nachbarschaft ein Gewinn für beide Seiten. Der neue Ehrenbürger hielt seine Dankesrede aus dem Stegreif und sprach den Festgästen aus dem Herzen. Er erhielt stehende Ovationen und freute sich besonders über die herzlichen Glückwünsche seiner Bürgermeisterkollegen.

Nächste Woche wird eine Abordnung des neu gewählten Kreistages aus dem Landkreis Lomza im Landkreis Dingolfing-Landau erwartet. Neben dem fachlichen Austausch steht die Feier der 20-jährigen Partnerschaft im Mittelpunkt des Treffens. Bei einem Festabend in der Dingolfinger Stadthalle treten neben zwei polnischen Folkloregruppen auch Musik- und Tanzgruppen aus unserem Landkreis auf. Die Partnergemeinde Marklkofen, die freundschaftliche Beziehungen zur polnischen Gemeinde Sniadowo im Landkreis Lomza unterhält, wirkt bei der Gestaltung des fünftägigen Programms mit einem weiteren Festabend mit. Die Veranstaltungen sind öffentlich.


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