19.11.2019, 10:01 Uhr

Nicht nur gegen Einsamkeit Deggendorf führt das „Kümmerer-Telefon“ ein

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Deggendorf hat zugehört und entwickelt ein neues Angebot.

DEGGENDORF Bereits zum zweiten Mal hat die Stadt Deggendorf ihren Bürgern eine Woche lang im Rahmen der Telefonaktion „Deggendorf hört zu“ ein offenes Ohr geschenkt. Viele Menschen nutzten dieses Angebot – auch über die Stadtgrenzen hinaus. Gemeinsam mit den Anrufern wurden Ideen zur Lösung ihrer Sorgen und Probleme entwickelt. Wo es ging, wurde gleich geholfen, alle anderen Angelegenheiten werden über das Seniorenbüro und die Stadtverwaltung weiterverfolgt und entsprechend beantwortet.

Zu den eifrigen und engagierten Zuhörern zählten neben Oberbürgermeister Dr. Christian Moser auch zweiter Bürgermeister Günther Pammer, dritter Bürgermeister Hermann Wellner sowie die Mitglieder des Deggendorfer Seniorenbeirats Cornelia Wohlhüter, Ewald Bayer, Franz Zügner, Herbert Stadler und Herbert Schüßler. Verstärkt wurden sie durch Monika Huber vom Seniorenbüro, Johann Weiß vom Städtischen Elisabethenheim sowie durch die ehrenamtliche Zuhörerin des Städtischen Elisabethenheims Anneliese Wagerer. Sie nahmen sich während der Aktionswoche der zahlreichen Themen und Erzählungen der Anrufenden in gewissenhafter und vertraulicher Art und Weise an.

Einerseits nutzten die Anrufer die Hotline, um zwanglos mit jemanden in Kontakt zu treten, zum anderen stellten sich konkrete Fragen und Herausforderungen, für welche die anfragenden Personen um Rat baten: der Stadtbus ließe sich nicht an allen Haltestellen so absenken, sodass es schwierig sei, das ÖPNV-Angebot mit Rollator zu nutzen. Eine Landkreisbürgerin erkundigte sich nach dem Rufbussystem und seiner Funktionsweise, während eine Deggendorferin die neue Aussegnungshalle am Friedhof in Rettenbach thematisierte. Auch ein Rückschnitt der Uferböschung des Kollbachs wurde gewünscht.

Die Stadtverwaltung arbeitet diese und einige weitere Anfragen Zug um Zug auf. Häufig war es aber wichtig, jemanden zum Sprechen zu haben, der sich die Zeit nimmt, zuzuhören und sich auf das Gespräch einzulassen. Eine Bürgerin berichtete, sie sei abends oft alleine zu Hause und könne dies nicht ertragen, möchte aber auch ihre Verwandten nicht belasten. Ein typisches Bild der Einsamkeit im Alter, wie Johann Weiß vom Städtischen Elisabethenheim schildert. Man wolle den Kindern nicht zur Last fallen, jedoch fehle im Alter oft die Kraft, sich selbstständig in die Gesellschaft zu integrieren. Das Ergebnis sei schließlich der Rückzug aus dem öffentlichen Leben und schließlich die schrittweise Vereinsamung des betroffenen Personenkreises. Dieses Phänomen stelle sich häufig auch bei verheirateten Paaren ein.

„Das zeigt uns, dass definitiv Redebedarf besteht und zwar das ga,nze Jahr über“, fasst Bürgermeister Günther Pammer zusammen. Die ehrenamtlichen Zuhörer sind sich einig, die Aktionswoche im Frühjahr 2020 erneut zu wiederholen, zusätzlich aber eine dauerhafte Lösung zum Zuhören einzurichten: das Kümmerer-Telefon. Ab 2020 sollen die Bürger einmal pro Woche die Gelegenheit haben, mit den „Kümmerern“ vom Seniorenbeirat Deggendorf und den weiteren Unterstützern zu sprechen. „Dann wird es eine feste Telefonnummer geben, die dann zu den jeweiligen Zeiten von Januar bis Dezember erreichbar sein wird“, ergänzt Pammer. Das neue städtische Angebot passe wunderbar in das sogenannte Kümmerer-Konzept, das der Sozialausschuss der Stadt Deggendorf erst im Oktober beschlossen habe. Es sei ein erster Baustein zur Verwirklichung des Kümmerer-Gedankens, so Pammer weiter. Auch die Idee eines offenen Seniorentreffs, die eine Bürgerin während ihres Anrufs anregte, soll durch die Verwaltung geprüft werden. Künftig wolle man über Plakate und Handzettel noch intensiver auf „Deggendorf hört zu“ aufmerksam machen.


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