05.07.2019, 10:51 Uhr

Herzenswunsch erfüllt Malteser begleiten schwer kranken Mann zur Hochzeit seiner Enkelin


Bei der Hochzeit seiner Enkelin Sabrina dabei sein, das war der Herzenswunsch des schwer kranken Lothar Weise. Der 74-Jährige hat seit ein paar Jahren massive Probleme mit dem Herzen, ist auf den Rollstuhl angewiesen und muss immer wieder liegen. Als sein Sohn Michael Boiger, der bei den Maltesern im Bereich Ausbildung tätig ist, vom Malteser Herzenswunsch-Krankenwagen seines Arbeitgebers erfuhr, sah er darin eine gute Möglichkeit, seinem Vater dieses Anliegen zu ermöglichen.

DEGGENDORF Unheilbar kranken Menschen einen letzten Wunsch erfüllen und sie zu ihrem Wunschort zu fahren, das macht der Malteser Herzenswunsch-Krankenwagens. Seit Juni 2018 gibt es in Ostbayern diesen Dienst für Menschen, die unheilbar krank und in einer hospizlichen Situation sind. Deutschlandweit erfüllen die Malteser seit Jahren an 17 Standorten Herzenswünsche. Der Dienst ist spendenfinanziert und wird von rettungsdienstlich geschulten Maltesern in ihrer Freizeit durchgeführt. „Der Herzenswunsch-Krankenwagen erweitert unser Angebot in der Hospizarbeit, in der wir schon seit vielen Jahren aktiv sind. Wenn man es genau nimmt, begleiten wir schon seit unseren Anfängen vor mehr als 950 Jahren schwerkranke Menschen, das wissen nur viele Leute nicht“, so Alexandra Bengler, die für die Spenden bei den Maltesern verantwortlich ist.

Als Michael Boiger vom Malteser Herzenswunsch-Krankenwagen erfahren hatte, sprach er sofort mit den zuständigen Kollegen, damit der Wunsch seines Vaters in Erfüllung gehen konnte. Nach dem Erstkontakt gab es eine Menge zu organisieren. Für den Dienst haben die Malteser eigens eine Koordinierungsgruppe mit ärztlicher Beteiligung eingerichtet. Diese Koordinierungsgruppe entscheidet innerhalb 72 Stunden, ob ein Wunsch erfüllt werden kann und ob der Zustand des Betroffenen die Wunscherfüllung zulässt. „Diese schnelle Entscheidung ist notwendig, da sich der Zustand von Menschen in hospizlichen Situationen sehr schnell verschlechtern kann“, weiß Rebecca Marchese, die Koordinatorin des Herzenswunsch-Krankenwagens.

Gemeinsam galt es in diesem Fall, den Gesundheitszustand des Patienten abzuklären, zu entscheiden, ob während des Transports Sauerstoff und Medikamente oder pflegerische Hilfeleistungen benötigt werden, ob und wie er transportiert werden kann und wer der Ehrenamtlichen Zeit hat, die Begleitung zu übernehmen. Weil Lothar Weise seit zwei Jahren, abgesehen von Krankenhausaufenthalten und Arztbesuchen, so gut wie nicht mehr aus seiner Wohnung kam, war er auch ein wenig nervös, ob er die Hochzeitsfeierlichkeiten seiner Enkelin gut überstehen würde. „Wichtig ist bei der Erfüllung von Herzenswünschen, dass alle Beteiligten unkompliziert Hand in Hand arbeiten, damit die Wünsche auch wirklich in kurzer Zeit erfüllt werden können“, so Rebecca Marchese. „Einige Wünsche konnten wir trotz unserer schnellen Entscheidungswege nicht mehr erfüllen, da es den Patienten innerhalb weniger Tage so schlecht ging, dass sie nicht mehr mit uns fahren konnten.“

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, konnte Lothar Weise in Begleitung seiner Ehefrau und drei ehrenamtlichen Maltesern im Herzenswunsch-Krankenwagen zur Trauung seiner Enkelin nach Niederalteich gefahren werden. Die Malteser Elisabeth Aigner, Rosi Kiesenbauer und Ulrich Weniger von den Maltesern Deggendorf, die die Fahrt durchführten, hatten einen entspannten Tag. „Ich persönlich hatte den Eindruck, dass unser Tun sehr respektiert wurde, dass alle davon begeistert waren. Außerdem waren wir voll in die Hochzeitsgesellschaft integriert, man kümmerte sich rührend um uns. Er selbst genoss es sichtlich und bedankte sich zu Hause auch noch mehrmals bei uns, entgegen seiner Art, wie seine Tochter meinte“, so Ulrich Weniger, Standortkoordinator für den Herzenswunschkrankenwagen.

Ein besonderes Erlebnis war es auch für Elisabeth Aigner. Für die Malteserin war es die erste Herzenswunschfahrt. „Es ist auch für einen selbst ein gutes Gefühl, daran beteiligt zu sein, dem Gast eine so große Freude zu machen und in diesem Fall mit relativ wenig Aufwand.“ Rosi Kiesenbauer fügt noch hinzu: „Den Bedürftigen zu helfen ist die Kernaufgabe der Malteser. Ich kann mir für meine Freizeit kaum eine sinnvollere Beschäftigung vorstellen.“ Dem Brautpaar war es ein besonderer Herzenswunsch, zumal die Enkelin als Kind sozusagen bei Oma und Opa aufwuchs.

Auch Michael Boiger blickt glücklich auf den Tag zurück: „Auch wenn mein Vater es nie zugeben würde, ich habe genau gesehen, dass er bei der Trauung eine Träne verdrückt hat. Danke liebe Kollegen, dass ihr mit eurem Engagement diesen besonderen Tag möglich gemacht habt und mein Vater bei der Familienfeier dabei sein konnte!“

Einmal noch … für ein paar Stunden aus dem Krankenhaus oder dem Hospiz herauszukommen und etwas persönlich Wichtiges erlebt oder zu Ende geführt zu haben, das steckt hinter der Idee des Malteser Herzenswunsch-Krankenwagens. Der Dienst ist für die Betroffenen kostenlos und wird rein über Spenden finanziert. Daher ist Unterstützung immer willkommen, besonders weil die Malteser der Diözese Regensburg derzeit auf einen speziell für diese Fahrten ausgestatteten Herzenswunsch-Krankenwagen sparen. „Ein fahrbares und medizinisch gut ausgestattetes Wohnzimmer sozusagen“, erklärt Rainer Zollitsch, Präsidiumsmitglied der Malteser und Vater des Herzenswunsch-Krankenwagens in Ostbayern. „Wir freuen uns sehr über die Unterstützung so vieler Menschen und auch über jede weitere Spende, da dieses Fahrzeug rund 100.000 Euro kosten wird.“

Wer jemandem einen letzten Herzenswunsch erfüllen oder spenden möchte, kann sich an die Koordinatorin des Dienstes, Rebecca Marchese, wenden. Kontakt: Telefon 0871/92330-40, rebecca.marchese@malteser.org. Spenden online unter www.malteser-regensburg.de oder über das Spendenkonto der Pax Bank, IBAN: DE79 3706 0120 1201 2186 55, BIC: GENODED1PA7, Stichwort: Herzenswunsch.


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