30.03.2018, 11:01 Uhr

„Hofheimer Allianz“ vorgestellt Leerstandsmanagement als Mittel gegen den Flächenverbrauch

Im Landkreis Deggendorf wurden in den letzten 25 Jahren etwa 2.000 ha Fläche überbaut – für neue Verkehrswege, und vor allem für neue Bau- und Gewerbegebiete. (Foto: Günter Reinhardt)Im Landkreis Deggendorf wurden in den letzten 25 Jahren etwa 2.000 ha Fläche überbaut – für neue Verkehrswege, und vor allem für neue Bau- und Gewerbegebiete. (Foto: Günter Reinhardt)

Zum Vortrag der 1. Vorsitzenden der BUND Naturschutz-Ortsgruppe Bernried-Metten-Offenberg, Brigitte Reinhardt, am 22. März fanden sich neben einigen Gemeinderäten aus der Gemeinde Offenberg auch Interessierte aus Deggendorf, Plattling oder auch Grafling im „Weißen Haus“ in Neuhausen ein.

NEUHAUSEN Die Referentin erläuterte zunächst anhand von Statistiken die Fakten und Hintergründe zum Flächenverbrauch. „Die zunehmende Überbauung der freien Landschaft wird auch im Landkreis Deggendorf zunehmend sichtbar. Die Folgen, wie beispielsweise ein rasanter Preisanstieg für landwirtschaftliche Flächen oder eine Zunahme der Hochwassergefahr als Folge von Überbauung und Versiegelung, werden immer spürbarer“, erklärte Reinhardt.

Da überrascht es, dass bereits im Jahr 2003 von der Bayerischen Staatsregierung ein „Bündnis zum Flächensparen“ initiiert wurde. Das Bündnis will z. B. darauf hinwirken, dass für die weitere Entwicklung zunächst die in den Orten bereits vorhandenen Potenziale genutzt werden. Außerdem sollen flächensparende Bauweisen gefördert und neue, innovative Beispiele im Wohnungs- und Gewerbebau möglichst breit bekannt gemacht werden.

Obwohl die Bevölkerung seit circa 2000 nur mehr um wenige Prozent zugenommen hat, wächst die Siedlungs- und Verkehrsfläche dennoch kontinuierlich weiter. Ein Grund ist, dass jeder einzelne Mensch im Schnitt immer mehr Fläche in Anspruch nimmt. Gleichzeitig wächst der Anteil der über 65-jährigen an der Bevölkerung.

„Als Folge entstehen in vielen Ortskernen und Wohnsiedlungen Leerstände, diese Bereiche veröden und werden unattraktiv. Diesem Trend versuchen Gemeinden entgegenzuwirken, indem sie Baugebiete ausweisen, um „junge Familien“ anzulocken. Parallel dazu werden neue Gewerbegebiete auf der grünen Wiese erschlossen. Insgesamt geraten Kommunen so vor allem untereinander in Konkurrenz. Das wird offensichtlich, wenn man sieht, dass allein in den Landkreisen Passau, Straubing, Landshut und Deggendorf zur Zeit 165 ha freie Flächen in 48 Industrie- und Gewerbegebieten zur Verfügung stehen“, rechnet Reinhardt vor. Kommunen ließen sich in einen Wettlauf um die günstigsten Bedingungen für Investoren drängen. Häufig ziehen Betriebe aber lediglich von einem Ort zum anderen z.B. um Steuern zu sparen. „Arbeitsplätze entstehen dadurch nicht, sondern sie werden damit lediglich verlagert“, erläutert Reinhardt.

Einen anderen Weg beschreitet dagegen die „Hofheimer Allianz“, Mehrere Gemeinden in der unterfränkischen Region Haßberge bündeln ihre Kräfte. Sie setzen dabei nicht mehr auf eine Weiterentwicklung in den Außenbereichen, sondern erschließen ihre innerörtlichen Potenziale. Wie die Referentin berichtete, wurde dazu ein „Leerstandsmanagement“ entwickelt, das Werkzeuge nutzt, die von der bayerischen Staatsregierung zur Verfügung gestellt werden. Für die Kommunen stehen dabei vor allem die Kosten des Leerstands von Gebäuden und Baulücken im Vordergrund. Um die Kosten für die Eigentümer, die Gemeinden und auch für die Allgemeinheit zu erfassen, wird eine „Flächenmanagement-Datenbank“ und ein „Folgekostenschätzer“ genutzt.

Mit ihm lassen sich Kosten ermitteln, die häufig unbeachtet bleiben, wie Erweiterungskosten für Kanalisation und Straßenbau. „Unterschätzt wird dabei oft, dass Kosten auch noch nach Jahrzehnten auftreten und die nachfolgende Generation belasten. Generell zeigt sich, dass die Innentwicklung eines Ortes günstiger ist als die Neuausweisung im Außenbereich. Abriss und Neubau oder Sanierung eines Bestandsgebäudes spart bis zu 50 Prozent der Baukosten, ohne dass Infrastrukturkosten für die Gemeinde und damit für die Allgemeinheit entstehen“, erklärt Reinhardt. Gleichzeitig kann das Ortsbild gestärkt und so Heimat erhalten werden. Ziel sei es, die Eigentümer von leerstehenden Gebäuden oder Grundstücken durch Förderprogramme zur Wiedernutzung zu bewegen und gleichzeitig durch gute Planung die Bedürfnisse der Bevölkerung, z.B. Einkaufs- und Begegnungsmöglichkeiten, im Ortskern zu befriedigen.

„Die „Hofheimer Allianz“ war mit dieser Vorgehensweise sehr erfolgreich. Die Ortskerne konnten wiederbelebt werden, die Bevölkerung nahm wieder zu, obwohl bereits beschlossene Bauplätze im Außenbereich zurückgenommen wurden“, fasst die Referentin die Wirkungen des kommunalen Bündnisses zusammen. Zum Abschluss ihres Vortrags wies Reinhardt darauf hin, dass auch in unserer Region Gemeinden erste Schritte in diese Richtung gehen, indem sie sich in einer ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung) organisieren. Hierdurch können Programme genutzt werden, die vom Amt für Ländliche Entwicklung koordiniert werden und die dem Ziel der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet sind.

„Durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Bürgern und Verantwortlichen können sich auch unsere Gemeinden in der Region zukunftsweisend entwickeln – wenn dabei alle am gleichen Strang ziehen.“


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