22.11.2017, 11:21 Uhr

Von wegen schnelles Internet am Land Trotz Breitbandkabel kein Anschluss ans schnelle Internet

Obwohl das Breitbandkabel bei ihnen verlegt wird, werden einige Ortsteile nicht daran angeschlossen, denn das gehe laut Telekom nicht zum Nulltarif.  (Foto: Thomas Ollendorf/Telekom)Obwohl das Breitbandkabel bei ihnen verlegt wird, werden einige Ortsteile nicht daran angeschlossen, denn das gehe laut Telekom nicht zum Nulltarif. (Foto: Thomas Ollendorf/Telekom)

Breitbandkabel wird zwar durch Graflinger Ortsteile gelegt, aber sie werden nicht angeschlossen.

GRAFLING Graflings Bürgermeister Willi Zißlsberger sitzt auf glühenden Kohlen. Eigentlich hätte schon längst in weiteren Ortsteilen seiner Gemeinde der Breitbandausbau begonnen werden sollen. Jetzt ist es soweit: Ab Anfang Dezember soll mit dem Ausbau begonnen werden. Es werden jedoch nicht so viele Gemeindeteile angeschlossen, wie ursprünglich erhofft – obwohl das Kabel direkt durch den Ort gezogen wird.

Grafling teilt das Los vieler Bayerwaldorte. Die Gemeinde verteilt sich auf 46,3 Quadratkilometer und zählt 40 Ortsteile. Aufgrund dieser Zersiedelung sind viele Graflinger derzeit in Sachen schnelles Internet eher noch auf dem Waldweg statt auf der Datenautobahn unterwegs. Umso erleichteter war Bürgermeister Willi Zißlsberger, den geplanten Breitbandausbau in einigen Ortsteilen noch einmal umzuplanen. Eigentlich sollten nur die Orte Grub, Mühlen, Mühlensiedlung, Datting, Oberhirschberg, Alberting, Wühn, Rohrmünz und Eidsberg einen Breitbandanschluss erhalten.

„Ursprünglich sollte Eidsberg über Neuwühn und Untereidsberg angeschlossen werden, weil es der kürzeste Weg ist“, erklärt Zißlsberger. Nach einem Ortstermin wurde jedoch festgestellt, dass zum Teil in neu gebaute Straßen eingegriffen werden müsste oder eine Verlegung auf Privatgrund erfolgen müsste.

Daraufhin sollte von Petraching aus nach Eidsberg gegraben werden. „Damit war jedoch die Gemeinde Grafling nicht einverstanden“, so der Rathauschef. „Wir haben im August beantragt, Eidsberg von Endbogen aus zu erschließen, um auch die Ortsteile Hundsruck, Unterhirschberg und Ottenberg anzubinden und langfristig Kosten zu sparen.“

Gleich noch die Ortsteile Endbogen, Hundsruck, Unterhirschberg und Ottenberg mit anzuschließen, ist eine mutige, zukunftsweisende Entscheidung der Gemeindeväter. Denn schon jetzt könnte man das schnelle Internet zur Grundversorgung der Bevölkerung zählen. Irgendwann müssten die Ortsteile ohnehin angeschlossen werden. Warum also nicht gleich in einem Aufwasch? Die Gemeinde dachte, das wäre damit erledigt.

Doch da hat Grafling die Rechnung ohne die Telekom gemacht. Denn laut Telekom-Sprecher Dr. Markus Jodl waren nur die Ortsteile Grub, Mühlen, Mühlensiedlung, Datting, Oberhirschberg, Alberting, Wühn, Rohrmünz und Eidsberg im Angebot enthalten. Jetzt wird zwar das Breitbandkabel auch durch Endbogen, Hundsruck, Unterhirschberg und Ottenberg gelegt, die Orte waren jedoch nicht im Angebot und werden deshalb auch nicht ausgebaut. Sie bekommen lediglich ein kleines Stück oder zumindest ein paar Krümel vom Kuchen ab. „Diese Ortsteile profitieren jedoch vom Ausbau der anderen Ortsteile, Endbogen mit bis zu 50 MB, Hundsruck mit bis zu 6 MB , Unterhirschberg mit bis zu 16 MB und Ottenberg mit bis zu 16 MB“, so Telekom-Sprecher Dr. Jodl.

Und warum werden die Orte nicht einfach gleich angeschlossen, wenn die wesentliche Grundvoraussetzung für schnelles Internet, das Breitbandkabel, schon vor der Haustüre liegt? „Es werden die Ortsteile ausgebaut, für die wir einen Auftrag haben“, so der Telekom-Sprecher. Auch noch Endbogen, Hundsruck, Unterhirschberg und Ottenberg anzuschließen, gehe nicht zum Nulltarif. „Es muss eine Planung aufgesetzt werden. Es muss Material bestellt werden. Es muss Tiefbau-Einsatz und Technikeinbau beauftragt werden. Anschließend muss dokumentiert und betrieben werden. Wir stellen ja nicht nur eben mal einen Kasten an den Straßenrand und damit hat sich die Sache“, erklärt Dr. Jodl.

Die vier Ortsteile trotz Breitbandkabel nicht anzuschließen, will Graflings Bürgermeister Willi Zißlsberger jedoch nicht hinnehmen. Am 27. November hat er noch einen Termin bezüglich „Höfebonus“ in Regensburg. Dabei will er noch einmal nachverhandeln.

In der Kalenderwoche 49 will die Telekom mit dem Ausbau beginnen, derzeit läuft die Baustelleneinrichtung. 12,5 Kilometer Glasfaserkabel müssen für die Maßnahme verlegt, elf Multifunktionsgehäuse installiert werden.

Die Fertigstellung ist für das dritte Quartal 2018 anvisiert. Dann können rund 400 Graflinger Haushalte mit zunächst 30 bis 50 MB Downloadgeschwindigkeit im Internet surfen – bis auf die Stiefkinder Endbogen, Hundsruck, Unterhirschberg und Ottenberg, durch das zwar das Breitbandkabel läuft, an das sie aber nicht angeschlossen werden.


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