10.10.2019, 16:31 Uhr

Sonnenverwöhnt Traunsteiner Knowhow für günstigen Solarstrom im Libanon

Landrat Siegfried Walch besichtigt mit Vertretern der Kommune Jabal El Sheikh den Standort der geplanten Photovoltaik-Freiflächenanlage. (Foto: Landratsamt Traunstein)Landrat Siegfried Walch besichtigt mit Vertretern der Kommune Jabal El Sheikh den Standort der geplanten Photovoltaik-Freiflächenanlage. (Foto: Landratsamt Traunstein)

Die Entwicklungspartnerschaft des Landkreises Traunstein mit Kommunen im Libanon nimmt konkrete Formen an. Im Rahmen einer Delegationsreise in den Libanon hat Landrat Siegfried Walch gemeinsam mit Vertretern der libanesischen Gemeinde Qrayeh und der Gemeindeverbünde Al Bouhaïra und Jabal El Sheikh die ersten drei Projekte auf den Weg gebracht.

LANDKREIS TRAUNSTEIN. „Kein anderes Land auf der Welt hat im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl so viele Flüchtlinge aufgenommen, wie der Libanon. Wir wollen vor Ort helfen, nachhaltige Strukturen aufzubauen und damit die Perspektiven für Einheimische und Flüchtlinge zu verbessern. Damit bekämpfen wir ganz konkret Fluchtursachen“, so Landrat Siegfried Walch. Begleitet wurde Walch von Dr. Birgit Seeholzer (Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungs GmbH), die die Entwicklungspartnerschaft aufseiten des Landkreises federführend koordiniert sowie von Franz Ertl (Leiter des Bildungszentrums der Handwerkskammer für München und Oberbayern in Traunstein) und Otto Zach als Obermeister der Elektro-Innung und Experte für die Einbindung von Solarstrom für kommunale Eigenbetriebe. In El Qrayeh soll ein Ausbildungszentrum entstehen, zunächst für Elektriker und Mechaniker. Das Bildungszentrum der Handwerkskammer in Traunstein wird sich bei der Ausbildung der künftigen einheimischen Lehrkräfte einbringen. Franz Ertl, Leiter des Traunsteiner Bildungszentrums, koordiniert nicht nur die erste Trainer-Schulung für libanesiche Lehrkräfte im Oktober in Traunstein. Er konnte vor Ort auch bereits wichtige Ratschläge für die Ausstattung von Schulungs- und Praxisräumen mit einbringen und wird die Projektpartnerschaft mit Rat und Tat bei den Umsetzungsschritten begleiten. In Qaraoun in der Union von Al Bouhaïra ist eine Müllsortieranlage für 19 Gemeinden entstanden, die ihren Strom momentan noch aus einem Diesel-Aggregat bezieht. Ein Großteil des Strombedarfs soll künftig direkt durch eine Photovoltaik-Dachanlage gedeckt werden. Zudem betreibt der Gemeindeverbund eine gemeinsame Kläranlage, die am Auslauf des einzigen libanesischen Stausees eine wichtige Anlage zur Sicherung der Wasserqualität in der fruchtbaren Bekaa-Ebene darstellt. Innungsobermeister Otto Zach nahm sich viel Zeit für die Begehung der Anlage mit Bürgermeister Daher und den kommunalen Klärwärtern. Er konnte nicht nur wertvolle Ratschläge zur Optimierung des Pumpen- und Anlagenbetriebs geben, auch die optimierte Einbindung einer PV-Anlage auf dem Gelände soll einen wesentlichen Vorteil zur Anlagenoptimierung leisten. Damit das System funktioniert, hat sich Otto Zach viele Zahlen genau angeschaut und wird die Projektentwicklung mit Partnern im Libanon detailliert unterstützen. In Jabal El Sheikh soll an einem Berghang eine Photovoltaik-Freiflächenanlage entstehen. Derzeit laufen fünf Diesel-Aggregate immer dann, wenn der Strom ausfällt - was täglich etwa 12 Stunden lang der Fall ist. Diese Diesel-Aggregate verschlingen pro Jahr etwa eine Million Liter Diesel und 600.000 Euro und damit den größten finanziellen Anteil am Gemeindehaushalt. Die Photovoltaik-Anlage wird ökologisch und finanziell ein enormer Fortschritt sein und Aggregate mit einem sehr schlechten Wirkungsgrad ersetzen. Wichtig ist auch hierbei die fachliche Beratung durch die Experten aus dem Landkreis Traunstein, genaue Bestandspläne und Aufzeichnungen werden schon ausgetauscht. Die Fördermittel für diese Projekte kommen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Als Landkreis Traunstein bringen wir bei der Umsetzung unser Wissen und unsere Erfahrungen in den Bereichen innovative Energieversorgung und berufliche Bildung ein – und wir achten darauf, dass die Fördermittel des Bundes zielgerichtet und nachhaltig investiert werden“, so Landrat Walch.


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