06.07.2018, 09:57 Uhr

Zukunftsfähige Almwirtschaft Vorzeigeprojekt auf der Haaralm gibt Impulse

Im Bild von links: Projektleiter Siegfried Steinberger (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft), Landrat Siegfried Walch und Almvorstand Ludwig Böddecker (Foto: Landratsamt Traunstein)Im Bild von links: Projektleiter Siegfried Steinberger (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft), Landrat Siegfried Walch und Almvorstand Ludwig Böddecker (Foto: Landratsamt Traunstein)

Der Klimawandel stellt die Almwirtschaft vor große Herausforderungen. Die Vegetation beginnt heute etwa zwei bis drei Wochen früher als noch vor 40 Jahren. Starkregenereignisse im Sommer nehmen zu, wohingegen die Niederschläge im Winter abnehmen. Almen drohen immer weiter zu verbuschen.

TRAUNSTEIN Landrat Siegfried Walch hat sich jetzt über ein Pilotprojekt zur gelenkten Weideführung auf der Haaralm in Ruhpolding informiert, das Antworten auf diese Herausforderungen gibt. 

Das Projekt wurde 2012 unter Federführung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und Projektleiter Siegfried Steinberger gestartet. Es soll die Vorteile eines rechtzeitigen Auftriebs, einer Anpassung der Tierzahlen sowie einer gelenkten Weideführung aufzeigen. „Viele Almen liegen brach und wachsen zu. Wir verlieren Weidefläche und damit nicht nur Futter, sondern auch eine attraktive Landschaft“, so Steinberger im Gespräch mit Landrat Walch und den anwesenden Almbauern und Behördenvertretern. Wenn die Almen unzureichend bewirtschaftet werden, wachsen sie oft mit Borstgras zu. Die bis zu 30 Zentimeter langen dürren Halme legen sich hangabwärts übereinander. Bei Regen wirken sie wie ein Strohdach: „Das Wasser versickert nicht im Boden, sondern läuft über die Halmen talabwärts. Bei Starkregen, wie er bei Gewitterschauern in den Bergen häufig auftritt, kommt es zu einem sprunghaften Wasseranstieg in Gräben und Bächen. Die Hochwassergefahr im Tal steigt“, so Steinberger. Auch im Winter sei das lange Gras ein Problem: Es wirkt wie eine Rutschbahn für den Schnee. So steigt die Gefahr von Schneebrettern und Lawinen. Mit seinem „Magischen Dreieck der Almwirtschaft“ will Siegfried Steinberger beweisen, dass sich die Mühe einer systematischen Almbewirtschaftung lohnt: „Die Landschaft bleibt erhalten, das Vieh ist gesünder, der Bauer spart sich das Futter im Tal und wird zusätzlich noch von der EU gefördert.“

Landrat Walch machte in der Diskussion deutlich: „Alle Beteiligten können stolz auf dieses Vorzeigeprojekt sein. Es liefert wichtige Erkenntnisse für eine zukunftsfähige Almwirtschaft, international und vor allem in unserer Region. Unsere Almbauern  gestalten und erhalten mit ihrer Arbeit eine unverwechselbare Kul­turlandschaft. Sie schaffen die Grundlagen für einen erfolgreichen Tourismus und gleichzeitig einmalige Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen. Die Almwirtschaft ist zusammen mit den Bergwäldern eine unverzichtbare Grundlage für Biodiversität und ökologische Vielfalt in unserer Heimat.“

Ludwig Böddecker, Almvorstand der Haaralm, freute sich über das Interesse und die Unterstützung des Landrats. „Wir gehen mit diesem Weideprojekt neue Wege, um unsere Almen fit zu machen für kommende Generationen. Wir wollen den hohen Wert der Almen für Tourismus und Natur erhalten.“


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